Renaissance der Kohle Regierungsberater sieht Klimagipfel in Gefahr

Deutschlands führender Klimaökonom warnt vor einem Scheitern des Klimagipfels in Paris. Im SPIEGEL beklagt Ottmar Edenhofer: Die Politik verkündet zwar den langfristigen Ausstieg aus der Kohle - aber genau das Gegenteil passiert.

Ottmar Edenhofer (im April 2014): "Erfolg der Energiewende steht noch aus"
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Ottmar Edenhofer (im April 2014): "Erfolg der Energiewende steht noch aus"


Der Ökonom und Regierungsberater Ottmar Edenhofer sieht dem Klimagipfels Ende des Jahres in Paris skeptisch entgegen. "Leider haben die Politiker die Dringlichkeit des Problems noch nicht verstanden", sagte er in einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL. (Lesen Sie hier das ganze Gespräch im neuen SPIEGEL.)

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"Alle Welt redet derzeit von Dekarbonisierung. Aber was wir in der Realität sehen, ist das genaue Gegenteil: Wir erleben eine Renaissance der Kohle." Weltweit würden derzeit neue Kohlekraftwerke mit einer Leistung von 1000 Gigawatt geplant. Wenn nur ein Drittel davon ans Netz gehe, lasse sich das Zwei-Grad-Ziel der internationalen Klimapolitik nicht halten, sagt Edenhofer dem SPIEGEL.

Zugleich kritisierte der Wissenschaftler die deutsche Energiewende: "Die CO2-Emissionen stagnieren und sinken nicht wie erhofft. Der langfristige klimapolitische Erfolg der Energiewende steht noch aus."

Auch den sogenannten Kohlekompromiss von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hält Edenhofer für verfehlt. "Die Energiekonzerne sollen dafür eine Entschädigung in Milliardenhöhe bekommen", sagte er dem SPIEGEL. "Das ist nichts anderes als eine neue, verdeckte Subvention der Kohle und damit das Gegenteil von dem, was wir brauchen."

Edenhofer ist Direktor des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change in Berlin. Der Wirtschaftswissenschaftler ist einer der Hauptautoren des Weltklimaberichts der Uno und berät die Bundesregierung im Vorfeld der Weltklimakonferenz in Paris.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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chico 76 12.09.2015
1. Der langfristige Erfolg
der EE steht noch aus? Wieso das denn? Kostet doch den Verbraucher über 20 Milliarden € ohne Erfolg. Tja, in der Wirtschaft schafft man so etwas ab. Aber hier geht es ja um Ideologie.
rkinfo 12.09.2015
2. Moderne Kohlekraftwerke ersetze Alte
In Deutschland hängt der HGÜ - Netzausbau und nur das Können der Leute in den Leitwarten verhindert Blackouts. Die Energiewende beim Strom ist damit aus Sicht vieler Staaten sichtbar gescheitert. Selbst in Nahost / Gazastreifen wird der Bau fossiler Kraftwerke empfohlen - nicht EEs. Deutschland lebt von den Kohlekraftwerken welche das Netz noch stabilisieren. Man kommt ohne sie nicht aus weil das Gesamtkonzept EE nicht umgesetzt wird. CO2 spart man eh leichter wenn wir mehr ÖNV und weniger Auti fahren.
Ein_denkender_Querulant 12.09.2015
3. Es ist sinnlos
Wer sollte Menschen daran hindern, sämtliche in der Erde befindlichen fossilen Energieträger zu verbrennen? Nur weil nachfolgende Generationen große Probleme bekommen, unterwerfen sich Kulturen in Not nicht. Menschen aßen ihr Saatgut in strengen Wintern nach Missernten und verreckten dann im nächsten Sommer ohne neue Ernte. Wir feiern jetzt eine riesige Party, leben auf Kosten des Planeten und der Zukunft unserer Nachfahren und werden die Party weiter durchziehen. Menschen und Vernunft sind zwei gegensätzliche Dinge.
professorA 12.09.2015
4. Das ist auch sehr sinnvoll,
denn ohne Kohle und andere fossile Rohstoffe wird die Welt einige Milliarden Menschen nicht mehr ernähren und gesund erhalten können. Von Arbeitsplätzen und allen technischen Entwicklungen der vergangenen 100 Jahre ganz zu schweigen. Genau deshalb besteht nämlich China darauf, bis 2030 seine Kohleverstromung unbeschränkt und mit maximalem Tempo fortzusetzen: Ohne verlässliche Stromversorgung wird die riesige Bevölkerung meutern. 85% der globalen Energieversorgung beruhen heute auf Kohle+Öl+Gas, und das entspricht im Wesentlichen auch dem IPCC-Szenarium für 2100. Wozu also das Geschrei?
professorA 12.09.2015
5. Übrigens hat Herr Edenhofer
vor einiger Zeit selbst gesagt, dass es bei den "Klimakonferenzen" nicht um Umwelt oder Klima geht, sondern um GELD: globale Vermögensumverteilung. Und um den Leuten dieses Geld abpressen zu können, werden sie seit Jahrzehnten mit dem Klimamärchen weichgekocht. CO2 ist ja auch bei Weitem nicht das wirksamste Klimagas, aber im Gegensatz zu dem viel wirksameren Wasserdampf eignet es sich bestens zur Erzeugung eines schlechten Gewissens und zur Erhebung von Strafsteuern, denen man nicht entgehen kann, weil jeder CO2 erzeugt, sogar beim Atmen.
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