Uno-Klimatagung in Lima Verzockt

Die Uno-Konferenz in Lima ist an ihrem wichtigsten Ziel gescheitert: Statt die entscheidenden Voraussetzungen für ein Happy End der Klima-Verhandlungen zu schaffen, verheddern sich die Teilnehmer im Klein-Klein. Beim nächsten Gipfel in Paris droht ein Desaster.

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Was waren sie alle optimistisch. Als die USA und China Mitte November ihre gemeinsame Klimaschutz-Initiative verkündeten, reagierten Umweltschützer und -politiker geradezu euphorisch. Das größte Hindernis auf dem Weg zu einem neuen, umfassenden internationalen Klimavertrag sei beseitigt: Die beiden Anführer von Industrie- und Schwellenländern hätten sich zusammengetan, die Blockade der internationalen Klimaverhandlungen sei gelöst.

Bei genauerem Hinsehen gab es freilich schon damals Gründe, an dieser These zu zweifeln. Die Skeptiker wurden nun bestätigt. Die Klimakonferenz im peruanischen Lima hat eindrucksvoll bewiesen, dass gar nichts gelöst ist. Die tiefen Gräben zwischen Industrie- und Schwellenländern bestehen nach wie vor. Bei den zentralen Fragen - der genauen Gestaltung der Klimaschutz-Bemühungen und der Finanzhilfen für Entwicklungsländer - gab es kaum Fortschritte.

Dabei sollte das Weltklima eigentlich längst gerettet sein.

2009 kamen die Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen zusammen, um ein neues, für alle Länder verbindliches Klimaabkommen zu beschließen. Die Senkung der Treibhausgas-Emissionen, Anpassung an die nicht mehr vermeidbaren Folgen des Klimawandels, Waldschutz, Finanzhilfen für arme Länder - alles sollte auf einen Schlag geregelt werden. Das Resultat: Die Staaten verhedderten sich heillos in den komplexen Themen. Alle versuchten, ihre Trümpfe bis zur letzten Sekunde zurückzuhalten, um das für sie beste Resultat herauszuschinden. Die Konferenz scheiterte krachend.

Dass dergleichen nicht erneut geschieht, sollte die jetzt zu Ende gegangene Konferenz in Lima sicherstellen:

    • Ein Jahr vor der entscheidenden Konferenz in Paris sollten die zentralen Elemente des neuen Abkommens feststehen, so dass in Frankreichs Hauptstadt keine größeren politischen Fragen mehr offen sind.
    • Die Staaten sollten sich darüber einigen, wie sie ihre Klimaschutz-Beiträge definieren, die bis Mitte 2015 eingereicht werden sollen. Denn sie sind nur sinnvoll, wenn sie miteinander vergleichbar und international überprüfbar sind.
    • Es sollte entschieden werden, wie ärmeren Staaten im Kampf gegen den Klimawandel geholfen werden kann, bis 2020 die bereits zugesagten 100 Milliarden Dollar pro Jahr fließen.

Nichts davon ist gelungen - obwohl sich die meisten Beobachter zuvor darin einig waren, dass die Konferenz in Paris nur dann erfolgreich sein kann, wenn die Weichenstellung in Lima gelingt.

Doch die großen Spieler im internationalen Klima-Poker haben in Lima ihre Karten nicht auf den Tisch gelegt, sondern halten sie wie gewohnt eng an der Brust. Das Problem in Kopenhagen war, dass viele Spieler die letzte Sekunde verpasst haben, um noch etwas für sich herauszuholen. Nun steht zu befürchten, dass in Paris das gleiche geschehen wird.

Ein solches Scheitern wäre mit großer Wahrscheinlichkeit der Todesstoß für die internationalen Klimaverhandlungen unter dem Dach der Vereinten Nationen. Ohnehin gibt es viele, die die seit 20 Jahren ergebnisarmen Uno-Verhandlungen inzwischen für Zeit- und Energieverschwendung halten. Doch auf die Frage, wie man die dringend notwendigen Klimaschutz-Maßnahmen stattdessen hinbekommen könnte, haben auch sie noch keine überzeugende Antwort geliefert.

Zum Autor
Jeannette Corbeau
Markus Becker ist Ressortleiter Wissenschaft bei SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Markus_Becker@spiegel.de

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insgesamt 97 Beiträge
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Seite 1
koem 14.12.2014
1. Das Desaster
ist bereits in vollem Gange! Seit Jahren!
tom.le 14.12.2014
2. Gibt es...
überhaupt irgendeine Klimakonferenz, die mal etwas gebracht hat (außer dass die ganze Diplomaten ne schöne Reise machen konnten und damit noch mehr COs produziert haben)?
MisterD 14.12.2014
3.
Machen wir uns nichts vor, die Menschheit wird erst reagieren, wenn sie die Folgen des Klimawandels zu spüren bekommt. Und das wird dauern... China und Indien reagieren ja immer noch zaghaft, obwohl viele Städte über weite Teile des Jahres in hochgiftigem Smog versinken... Europa und die USA werden erst reagieren, wenn der Klimawandel spürbar wird, also wenn Holland unter Wasser steht und die Sahara bis an die Alpen herangewandert ist. Aber dann wird es zu spät sein... Ich für meinen Teil habe für mich entschieden meinen Beitrag zu leisten, indem ich keine privaten Flugreisen mehr mache. Weiter einschränken werde ich mich nicht... nicht solange sich andere keinen Millimeter rühren...
panzertom 14.12.2014
4. Ich hätte nichts dagegen
Lieber Herr Becker, hätten Sie bei Ihrem forschen Kommentar ("Nichts davon ist gelungen") nicht mal erwähnen sollen, dass der Klimawandel womöglich schon beendet ist? Seit nunmehr 16 Jahren wird keine Erwärmung mehr gemessen! Das sollte einem zumindest zu denken geben. Dabei hatte ich mich schon auf die Erwärmung gefreut. Uns Hamburgern wurde das Klima von Freiburg im Schwarzwald prophezeit. Ich hätte nichts dagegen!
simon.meister6 14.12.2014
5.
Solange jeden Sonntag während der Saison überall auf der Welt Rennautos, Rennmotorräder usw. ihre Runden drehen, solange die deutsche Bundeskanzlerin mal so eben mit einem ganzen Passagierflugzeug mit 10 Leuten zum Fussballgucken nach Brasilien fliegen kann, solange die gesamte europäische Politikerelite mehrmals wöchentlich in Europa herumfliegen kann, solange wir schnell zum Schoppen nach New York fliegen können und alleine in Deutschland 62 Millionen Kraftfahrzeuge angemeldet sind, solange wird das wohl nix mit dem Klima retten. Auf jeden Fall frage ich mich, wer sich denn überhaupt einschränken will....
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