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Neuer IPCC-Präsident: Vorsitzender des Uno-Klimarats tritt zurück

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Rajendra Pachauri: Rücktritt nach 13 Jahren Zur Großansicht
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Rajendra Pachauri: Rücktritt nach 13 Jahren

Rajendra Pachauri, Chef des Uno-Klimarats IPCC, ist zurückgetreten. Sein Amt übernimmt ein Sudanese.

Nairobi/Hamburg - Der Uno-Klimarat IPCC hat einen neuen Vorsitzenden. Der Sudanese Ismail El Gizouli, bisher Vizechef des IPCC, übernimmt zumindest vorläufig den Vorsitz. Die endgültige Entscheidung über die Nachfolge von Rajendra Pachauri solle im Oktober fallen, teilt der IPCC mit.

Pachauri stand dem IPCC 13 Jahre vor und ist am Dienstag zurückgetreten. Gegen ihn hatten Angestellte Vorwürfe wegen Belästigung erhoben haben. Eine Forscherin von Pachauris Institut Teri wirft dem 74-jährigen Inder vor, sich wiederholt unangemessen verhalten zu haben, unter anderem mit anzüglichen E-Mails und Kurznachrichten. Pachauri bestreitet das.

Ismail El Gizouli (rechts): Neuer IPCC-Vorsitzender Zur Großansicht
IPCC

Ismail El Gizouli (rechts): Neuer IPCC-Vorsitzender

Die Amtsübergabe erfolgte auf der IPCC-Konferenz in Nairobi, an der Pachauri nicht teilnimmt. Eigentlich hatte Pachauri geplant, auf der nächsten IPCC-Sitzung im Oktober sein Amt an einen Nachfolger zu übergeben.

"Die Schritte, die wir heute getätigt haben, werden sicherstellen, dass die Mission des IPCC ohne Unterbrechung fortgeführt werden kann", erklärt Achim Steiner, Direktor des Umweltprogramms der Uno (Unep).

Ismail El Gizouli hat an der University of Khartoum im Sudan Mathematik und Physik studiert, laut IPCC ist er Experte für Energie und Umwelt. Er hat seit 1971 in der sudanesischen Regierung gearbeitet und wirkt seit 1998 für das Unep. Dem IPCC gehört er seit 2002 an.

"Jedermanns Berater"

Rajendra Pachauri nahm für den IPCC den Friedensnobelpreis entgegen, den das Uno-Gremium 2007 zugesprochen bekam. In die Kritik geriet er, weil er den Gewinn des Nobelpreises allen beteiligten Wissenschaftlern widmete. Erst 2012 nahm der IPCC diese Ansicht offiziell zurück. Der Nobelpreis sei nur dem Klimarat als Organisation verliehen worden.

Überschwang wurde Pachauri auch immer wieder vorgehalten, wenn er Forschungsergebnisse an politische Mahnrufe knüpfte. 2010 überstand der Ökonom und Eisenbahningenieur Anschuldigungen, die sich gegen angebliche ökonomische Interessenkonflikte richteten; Pachauri hatte Beraterverträge mit Großunternehmen geschlossen.

Er sehe keinen Konflikt zwischen seinen Tätigkeiten, erklärte Pachauri damals. Wissenschaftler dürften sich nicht in den Elfenbeinturm zurückziehen. Er fühle sich in seiner Rolle als Jedermanns Berater sehr wohl, sagte er dem Magazin "Science".

IPCC-Reform geplant

Der Finanzdienstleister KPMG prüfte Pachauris Einkommen und entlastete den Ökonomen: Alle Tantiemen seien an seine Firma geflossen; Pachauri habe lediglich sein Gehalt bezogen. 2010 widerstand Pachauri auch der größten Krise des Klimarats, als mehrere Fehler im IPCC-Bericht bekannt geworden waren.

Auf seiner Sitzung in Nairobi berät der IPCC derzeit um eine Reform seiner Klimaberichte. Plänen zufolge sollen sie häufiger erscheinen, fokussierter werden und Maßnahmen jedes Landes zum Klimaschutz bewerten.

Denkbar sei, dass künftig jedes Jahr ein kurzer IPCC-Bericht erscheine, hatte Pachauri vor dem Treffen gesagt. Der Klimarat könnte so zur jährlichen großen Uno-Klimakonferenz für jedes Land bilanzieren, wie wirksam dessen Klimaschutzmaßnahmen sind. "Solch ein Produkt wäre von enormem Wert für die Weltgemeinschaft", meint Pachauri.

boj

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insgesamt 2 Beiträge
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1. zu politisch
vonhier 24.02.2015
Ich bin nicht für die Auflösung, sondern für die Entpolitisierung von Wissenschaft überhaupt. Alle Politiker raus aus dem Klimarat und nur Untersuchungen vorlegen, die auch wissenschaftlichen Aspekten genügen. Das heißt auch ein "Für und Wider" zu präsentieren, nicht nur eine Meinung. Diese dann auch öffentlich erklären. Aber nicht sowas. Nicht, wir bringen nur die Themen, die politisch so gewollt sind, wie die E-Mail-Affaire einst aufzeigte.
2.
stiefelriemen93 25.02.2015
Zitat von vonhierIch bin nicht für die Auflösung, sondern für die Entpolitisierung von Wissenschaft überhaupt. Alle Politiker raus aus dem Klimarat und nur Untersuchungen vorlegen, die auch wissenschaftlichen Aspekten genügen. Das heißt auch ein "Für und Wider" zu präsentieren, nicht nur eine Meinung. Diese dann auch öffentlich erklären. Aber nicht sowas. Nicht, wir bringen nur die Themen, die politisch so gewollt sind, wie die E-Mail-Affaire einst aufzeigte.
Unterschiedliche Meinungen zu präsentieren ist nicht Aufgabe der Wissenschaft. Diese soll sich allein darauf beschränken die Wahrheit durch die Erhebung und Ana- lyse objektiver Daten zu erkunden. Ansonsten müsste in den USA unter Geographen diskutiert werden ob die Erde flach ist und alle Arten in 7 Tagen von "Gott" geschaffen wurden, bloß weil manche ihre religiösen Ansichten (also subjektive Wahrnehmungen) über wissenschaftliche Erkenntnisse stellen. Und das wäre das Ende der Wissenschaft. Abgesehen davon woran machen Sie fest dass dort Politiker drinsitzen? An dem neuen IPCC-vorsitzenden? Sind Sie sich da sicher dass er während seiner Tätigkeit für die sudanesische Regierung kein wissenschaftlicher Berater war?
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