Eisbär, Hai und Co Uno erweitert Schutz für wandernde Tierarten

Eisbären, Haie und eine Vielzahl von Zugvögeln - 31 Arten sollen laut Uno-Konferenz zum Schutz wildlebender Tierarten künftig besser geschützt werden. Inwieweit sich das Vorhaben durchsetzen lässt, bleibt jedoch unklar.

DPA

Quito/Hamburg - Die Schutzmaßnahmen für bedrohte Tierarten sind auf einer Uno-Konferenz im ecuadorianischen Quito stark erweitert worden. Insgesamt 31 Arten wurden am Sonntag zum Abschluss der Vertragsstaatenkonferenz der Konvention zur Erhaltung wandernder wildlebender Tierarten (Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals, CMS) in die Schutzlisten der 120 Mitgliedsländer aufgenommen.

"Die Probleme, die die wandernden Arten gefährden, könnten uns alle betreffen", sagt Bradnee Chambers vom CMS. "Etwa Plastik in den Ozeanen, der Klimawandel oder Wilderei." Insgesamt war über die Aufnahme von 32 Arten in die Liste besonders gefährdeter Wandertiere verhandelt worden - der Löwe ging als einzige Art leer aus, weil sich die afrikanischen Staaten nicht auf einen Konsens einigen konnten.

Die wichtigste Untergruppe der neu aufgenommenen Tiere stellen 21 Hai-, Rochen- und Sägefischarten dar. Konferenzteilnehmer unterstrichen die Bedeutung, den zum Teil kommerziell gefangenen Arten bessere Überlebenschancen zu gewähren. Für Mantas und Teufelsrochen wird ein absolutes Fangverbot erlassen. Obwohl die großen Fischereiländer Russland, China und Japan nicht Teil der CMS sind, sei der internationale Druck zur Erhaltung dieser Arten eindeutig gestärkt worden.

Vogelzug ohne Netze

Auch der Eisbär soll nicht nur wie bisher von den Arktis-Anrainerstaaten in Schutz genommen werden. Die Konferenz beschloss, in internationaler Kooperation die ansteigenden Touristenfahrten und Ölbohrungsprojekte in der Arktis zu regeln. Der Eisbär ist das größte an Land lebende Raubtier der Erde und wird neben dem Tourismus und den Erdölbohrungen vor allem durch den Klimawandel und den Eisverlust am Nordpol bedroht.

Weitere Nutznießer der Konferenz waren der Schnabelwal, die zentralasiatischen Steppentiere und einige Zugvögel, darunter auch der in Europa heimische Blauracke. Letztere seien auf ihren Reisen vielfältigen Gefahren ausgesetzt, heißt es in einer Mitteilung der CMS. Besonderes Augenmerk liegt nun darauf, die illegale Jagd auf Zugvögel zu stoppen, die beispielsweise in Ägypten mit einem Hunderte Kilometer langen Fangnetz durchgeführt wird.

Kein zusätzliches Geld für den Tierschutz

Anträge zur Erhöhung des Etats von 8 Millionen Euro der CMS für die drei Jahre von einer Konferenz zur nächsten wurden abgewiesen. Mehrere Staaten, unter ihnen einige von der Finanzkrise betroffenen EU-Mitglieder, beanstandeten, sie könnten nicht ihre internationalen Beiträge erhöhen, wenn sie ihren eigenen Haushalt stark kürzen müssten.

In diesem Rahmen wurde auch der Antrag des CMS-Sekretariats abgewiesen, Verfahren zur Ahndung bei Nichteinhaltung der Schutzmaßnahmen auszuarbeiten. Dem Antrag hatte sich die Europäische Union wegen der unzulänglichen Haushaltslage entgegengestellt. Als Kompromiss soll sich der ständige CMS-Ausschuss mit der Frage befassen und seine Folgerungen auf der nächsten Konferenz 2017 vorstellen.

Die Konvention ist somit für die Erfüllung der erweiterten Aufgaben auf freiwillige Beiträge der Mitgliedsstaaten angewiesen. Deutschland erwägt zum Beispiel, die Finanzierung der ersten drei Jahre eines neuen Programms zu übernehmen, das eine nachhaltige Einrichtung erneuerbarer Energien vorsieht. Windparks sollen zum Beispiel nicht auf den afrikanischen Routen der Zugvögel installiert werden, um massive Kollisionen zu vermeiden.

Nach dem ersten südamerikanischen Treffen in Quito wird 2017 die Konvention erstmals in einem ozeanischen Staat tagen. Die nächste Vertragsstaatenkonferenz soll 2017 auf den Philippinen stattfinden.

jme/dpa

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Rolf 10.11.2014
1. Bedrohung des Eisbären durch Tourismus?
"Der Eisbär ... wird neben dem Tourismus ... bedroht" Ich würde gerne einen Beleg für die stereotyp vorgebrachte Behauptung sehen, dass Tourismus die Art Eisbär bedroht. Den gibt es nicht, weil es die Bedrohung nicht gibt. Es gibt einzelne Konfliktfälle, aber Größenordnungen unterhalb der Häufigkeit, die eine Bedrohung der Art zu befürchten gäbe.
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