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Unentdeckte Arten: Nie gesehen - und schon ausgestorben

Wie viele Tier- und Pflanzenarten gibt es? Diese Frage beschäftigt Forscher seit Jahrhunderten. Nun legen Wissenschaftler eine neue Schätzung vor. Sie zeigt: Neun von zehn Spezies sind noch gar nicht bekannt - viele könnten aussterben, bevor sie überhaupt entdeckt werden.

Census of Marine Life: Inventur in den Tiefen der Meere Fotos
Eduardo Klein

Auf der Erde gibt es insgesamt rund 8,7 Millionen Arten von Organismen. Davon leben 6,5 Millionen an Land und 2,2 Millionen in den Ozeanen. Diese Zahlen haben Forscher des internationalen Projekts "Census of Marine Life" jetzt mit Hilfe einer neuen Methode der Stammbaumanalyse ermittelt. Damit sei ihnen die genaueste jemals gemachte Schätzung der Artenzahl gelungen, so die Wissenschaftler.

Bisher schwankten Angaben dazu zwischen 3 und 100 Millionen Arten. Ein Großteil aller Organismen sei heute der Wissenschaft noch völlig unbekannt, schreiben die Forscher im Fachmagazin "PloS Biology". Lediglich 1,25 Millionen Arten seien bereits beschrieben und katalogisiert. 86 Prozent der Landlebewesen und 91 Prozent der im Meer lebenden warteten dagegen noch immer auf ihre Entdeckung.

"Die Frage, wie viele Arten existieren, beschäftigt Wissenschaftler seit Jahrhunderten", sagt Studienleiter Camilo Mora von der University of Hawaii. Die Antwort darauf sei heute wichtiger denn je, weil menschliche Eingriffe das Artensterben immer stärker vorantreiben. Für die offizielle Rote Liste der bedrohten Arten werden heute rund 59.508 Spezies erfasst. Dies mache nicht einmal ein Prozent der gesamten weltweiten Lebenswelt aus - doch zahlreiche noch unbekannte Spezies dürften ebenfalls vom Aussterben bedroht sein. "Viele Arten könnten verschwinden, bevor wir überhaupt von ihrer Existenz und von ihren einzigartigen Nischen und Funktionen im Ökosystem erfahren", sagt Mora.

Um die großen Lücken im derzeitigen Wissen zu schließen, sei es nötig, die Suche nach neuen Arten und die biologische Systematik mehr als bisher zu fördern, schreiben die Forscher. Das Wissen um die Artenvielfalt lohne sich nicht nur für die Grundlagenforschung, sondern auch ganz konkret beispielsweise für die Züchtung neuer Nutzpflanzensorten oder zur Gewinnung von Medikamenten. Als reichhaltigste noch zu erforschende Lebensräume nennen die Wissenschaftler Korallenriffe, den Schlamm des Meeresgrunds und die tropischen Böden.

Mengenverhältnis aus Stammbaum ermittelt

Für ihre Studie analysierten die Forscher die Verteilung der heute bekannten Organismenarten auf die verschiedenen Zweige des Stammbaums. Sie berücksichtigten dabei nur die Arten, die Zellen mit einem Zellkern besitzen - also sogenannte Eukaryoten von einzelligen Algen bis zum Säugetier. Bakterien, Viren und andere zellkernlose Mikroorganismen blieben außen vor.

Ähnlich einem sich immer feiner verzweigenden Baum besitzt auch der Stammbaum der Lebewesen mehr kleinere Äste (Arten) als dickere (Familien, Ordnungen). Das typische Mengenverhältnis zwischen diesen Ebenen des Stammbaums rechneten die Forscher aus und nutzten es, um die Artenzahlen auch der weniger vollständigen Zweige des Organismenreichs zu schätzen. So kamen sie auf 8,7 Millionen Arten, plus/minus 1,3 Millionen.

Noch mit am kleinsten sei die Kluft zwischen bekannten und unbekannten Arten bei den Pflanzen, schreiben die Forscher. Hier sind bereits 215.644 von geschätzten 298.000 Arten erfasst. Anders sieht es dagegen bei den Tieren aus: Die Forscher schätzen die tatsächliche Zahl der Tierarten auf 7,77 Millionen - katalogisiert sind davon nur 953.434. Bei den Pilzen liegt der Anteil der bekannten Arten sogar noch niedriger: Hier sind nur 43.271 von geschätzten 611.000 bekannt.

Um die noch fehlenden Spezies mit traditionellen Methoden zu finden, müssten 300.000 Forscher noch mindestens 1200 Jahre arbeiten, rechnen die Wissenschaftler vor. Ein solches Vorhaben würde 364 Milliarden Dollar (rund 250 Milliarden Euro) verschlingen. Doch neue Technologien wie der DNA-Vergleich könnten Zeit und Kosten drastisch reduzieren.

mbe/dapd/dpa

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insgesamt 49 Beiträge
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    Seite 1    
1. .
großwolke 24.08.2011
Nix für ungut, aber diese Schätzung ist allem Anschein nach so nahe dran am Kaffeesatzlesen wie alle bisherigen auch, und noch dazu total irrelevant. Als ob es die tatsächliche Suche nach unbekannten Arten (was man jetzt davon halten will, sei dahingestellt) irgendwie beeinflüssen würde, wenn man weiß, wieviele man noch nicht gesammelt hat. Die Biologie ist doch kein Panini-Album! Und SPON verkauft das ganze dann noch fröhlich als neueste Erkenntnisse der Wissenschaft...
2. --> Ja wie schade wäre das den?
Boy_Kott, 24.08.2011
Zitat von sysopWie viele Tier- und Pflanzenarten gibt es? Diese Frage beschäftigt Forscher seit Jahrhunderten. Nun legen Wissenschaftler eine neue Schätzung vor. Sie zeigt: Neun von zehn Spezies sind noch gar nicht bekannt - viele könnten aussterben, bevor*sie überhaupt entdeckt werden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,781929,00.html
Ja wie schade wäre das den? Ich meine, da hat doch möglicherweise die eine Spezies "schöne Federn" dran oder sogar nen "schicken Pelz" drumrum. Oder die würden lecker schmecken. Na das wäre aber schon schade für die Wissenschaft und Alle und mich.
3. Wo die Schöpfung
Rübezahl 24.08.2011
so viele Kreaturen hervorbringen kann, wird es ihr ein leichtes sein ,auf einen anderen Stern auch außerirdisches intelligentes Leben zu erzeugen. Zu Glauben der Mensch sei die Krone der Schöpfung, ist ein Irrglauben ! Im ganzen Kosmos sind wir nur ein chemisch biologischer Baustein, ein Staubkorn auf dem Diamanten Erde, und wenn es der Schöpfung gefällt,werden wir weggewischt. Und in der Zeit die uns hier verbleibt ,machen wir uns selbst das Leben schwer!
4. Zweifel...
einzweifler 24.08.2011
Bei aller Begeisterung für neue Methoden - bei Pflanzen wird geschätzt, dass die Hälfte der noch unbeschriebenen Arten derzeit in unseren naturwissenschaftlichen Sammlungen schlummert, aber meist unzugänglich ist (weggepackt, nicht präpariert, zuwenig Personal). Von der anderen Hälfte ist ein Teil wohl noch nie gesammelt oder gesehen worden, in entlegenenen Gegenden, und kann daher nicht analysiert werden. Die ersten Konsequenzen sollten also sein: Mehr Personal für Sammlungen (Museen), mehr Geld und Initiativen für Sammelreisen. Solche Artikel können bei einigen, fürchte ich, eher das Gegenteil bewirken ('mehr Geld für Labor, weniger für anderes').
5. ok, aber
MadMad 24.08.2011
Zitat von Rübezahlso viele Kreaturen hervorbringen kann, wird es ihr ein leichtes sein ,auf einen anderen Stern auch außerirdisches intelligentes Leben zu erzeugen. Zu Glauben der Mensch sei die Krone der Schöpfung, ist ein Irrglauben ! Im ganzen Kosmos sind wir nur ein chemisch biologischer Baustein, ein Staubkorn auf dem Diamanten Erde, und wenn es der Schöpfung gefällt,werden wir weggewischt. Und in der Zeit die uns hier verbleibt ,machen wir uns selbst das Leben schwer!
... ist es nicht so, das jeder sich selbst als das wichtigste ansieht? Auch wenn im Gesamtkontext der Mensch nur ein kleiner Baustein ist, so muss er sich doch selbst als das wichtigste ansehen. Das nennt man Überlebenstrieb und das ist beim Hund, beim Regenwurm und bei der Giraffe nicht anders - höchstens bei den Lemmingen, aber das ist ein anderes Thema. Mad von www.diemeinungen.de
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