Vor "Rio+20"-Gipfel: Uno-Experten warnen vor Öko-Kollaps

Es ist eine Anklage auf 525 Seiten. Zwei Wochen vor dem Gipfel "Rio+20" in Brasilien warnen Experten der Vereinten Nationen eindringlich, dass der internationale Umweltschutz kaum Fortschritte macht.

Dürre in Kenia (im September 2009): "Leben im Zeitalter der Verantwortungslosigkeit" Zur Großansicht
DPA

Dürre in Kenia (im September 2009): "Leben im Zeitalter der Verantwortungslosigkeit"

Rio de Janeiro - Experten der Vereinten Nationen haben der weltweiten Umweltpolitik ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Das Uno-Umweltprogramm (Unep) warnt in seinem neuen Bericht "Geo-5", bei einem Drittel von 90 wichtigen Umweltzielen seien in den vergangenen fünf Jahren keine Fortschritte erzielt worden. Bei 40 gebe es gewisse Verbesserungen.

Deutliche Fortschritte habe es nur in vier Bereichen gegeben. Konkret gebe es

Die schlechten Nachrichten sind dagegen weit zahlreicher, weshalb die Autoren der Studie vor einem Kollaps von Ökosystemen warnen. "Dies ist eine Anklage", sagte der Unep-Chef Achim Steiner auf einer Pressekonferenz in Rio de Janeiro. "Wir leben in einem Zeitalter der Verantwortungslosigkeit, was in diesem Bericht dokumentiert ist." Ein Wandel sei jedoch möglich. Steiner forderte umgehende Maßnahmen, um den Raubbau an der Umwelt zu stoppen.

"Während der menschliche Druck auf die Erde wächst, sind mehrere kritische globale, regionale und lokale Grenzen bereits erreicht oder überschritten", heißt es in dem Bericht. "Wenn sie überschritten sind, kommt es wahrscheinlich zu jähen und möglicherweise unumkehrbaren Veränderungen der lebenserhaltenden Funktionen des Planeten."

Auf 525 Seiten zeichnen die Experten der Organisation ein düsteres Bild von unserem Planeten. So bedrohten unter anderem das Abschmelzen der Polarkappen, die Ausbreitung der Wüsten in Afrika und die Abholzung der Tropenwälder das Leben auf der Erde. Schon jetzt seien 20 Prozent der Wirbeltiere vom Aussterben bedroht, die Korallenriffe seien seit 1980 um 38 Prozent geschrumpft, und die Treibhausgasemissionen könnten sich in den kommenden 50 Jahren verdoppeln.

"Wenn der Trend so weitergeht und die Verhaltensweisen von Produktion und Verbrauch natürlicher Ressourcen nicht umgekehrt werden können, dann werden die Regierungen eine beispiellose Dimension von Schäden und Verlusten erleben", warnte Steiner.

In gut zwei Wochen findet in Brasilien der Uno-Umweltgipfel "Rio+20" statt. Der Name erinnert an den Uno-Erdgipfel aus dem Jahr 1992. Aus diesem Treffen entwickelte sich unter anderem die Klimarahmenkonvention und später das Kyoto-Protokoll sowie die Biodiversitätskonvention.

Bisher konnten sich die Industriestaaten und die Entwicklungsländer allerdings nicht über die Ziele von "Rio+20" einigen. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon räumte ein, die Verhandlungen über ein Abschlussdokument seien schwierig. Er sei jedoch "vorsichtig optimistisch", dass die 193 Uno-Mitglieder sich auf eine Vereinbarung verständigen könnten.

Umweltorganisationen wie der WWF warnten dagegen vor einem Scheitern. Es gebe zwei wahrscheinliche Szenarien, sagte WWF-Generaldirektor Jim Leape dem "Guardian": Entweder verabschiede die Konferenz ein windelweiches und inhaltsloses Dokument - oder sie scheitere ganz.

chs/dapd/dpa

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insgesamt 35 Beiträge
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1.
günter1934 07.06.2012
. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon räumte ein, die Verhandlungen über ein Abschlussdokument seien schwierig. Er sei jedoch "vorsichtig optimistisch", dass die 193 Uno-Mitglieder sich auf eine Vereinbarung verständigen könnten. Mit anderen Worten, - es wird wieder nichts. Nur die braven Deutschen machen den Vorreiter. Koste es, was es wolle!
2. Brave Deutsche?
seldon-x 07.06.2012
Der brave Deutsche hat einen ökologischen Fußabdruck (http://www.eduhi.at/dl/Scattolin_2005_11_24.pdf) vonca dem Dreifachen des Durchschnitts (ja, andere (USA...) haben mehr..) Quelle (http://www.nachhaltigkeit.info/artikel/kologischer_fussabdruck_733.htm) Er fährt mit dem Zweitwagen zum Bäcker, trägt die Brötchen im Wegwerfplastikbeutel nach Hause, fliegt einmal im Jahr nach Übersee, trägt Billigklamotten aus Bangladesh, telefoniert mit Handies die seltene Resourcen aus Krisengebieten enthalten (Stichwort Coltan, Kongo) , trinkt Wasser aus Plastikflaschen, findet shopping eine akzeptable Freizeitbeschäftigung, predigt Wachstum über alles....
3.
günter1934 07.06.2012
Zitat von seldon-xDer brave Deutsche hat einen ökologischen Fußabdruck (http://www.eduhi.at/dl/Scattolin_2005_11_24.pdf) vonca dem Dreifachen des Durchschnitts (ja, andere (USA...) haben mehr..) Quelle (http://www.nachhaltigkeit.info/artikel/kologischer_fussabdruck_733.htm) Er fährt mit dem Zweitwagen zum Bäcker, trägt die Brötchen im Wegwerfplastikbeutel nach Hause, fliegt einmal im Jahr nach Übersee, trägt Billigklamotten aus Bangladesh, telefoniert mit Handies die seltene Resourcen aus Krisengebieten enthalten (Stichwort Coltan, Kongo) , trinkt Wasser aus Plastikflaschen, findet shopping eine akzeptable Freizeitbeschäftigung, predigt Wachstum über alles....
Sie haben ja recht. Aber durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz wird mit all diesem Unfug gründlich aufgeräumt. Wenn dann die Stromrechnung beglichen ist, bleibt für all das kein Geld mehr übrig.
4.
rolandjulius 07.06.2012
520 Seiten lang wird lamentiert. Wo ist das Gedrukte? Wer sind die Verschmutzer? Warum werden sie nicht zur Rechenschaft gezogen? Wer deckt die Suender? Warum nennt man nicht Ross und Reiter? Wo bleibt das Rechts- empfinden der in Mitleidenschaft gezogenen Buerger? Die "Rechtsstaaten"verplempern ihre Zeit indem sie die Buerger schikanieren ansstatt auch die Bandenchefs der Umweltverschmutzer zur Rechenschaft zu ziehen. In jedem Land gibt es ausreichende Rechtsmittel,um Verstoesse ge-gen die Umweltverschmutzung zu ahnden. Warum wird das nicht konsequent verwirklicht? Der Buerger ist doch fast machtlos.Die staaten muessen in die Pflicht genommen werden. Allein schon, um das Praedikat eines Rechtstaates aufrechtzuerhalten. Der Umweltschutz kann auch die Ekonomie anheizen. Stellen Sie sich nur vor, Sie moechten in Spanien zum Beispiel eine Milliarde Olivenbaeume oder dergleichen pflanzen, das gaebe sehr viel Arbeit, und die ganze Welt wuerde durch die Klimaverbesserung fast schlagartig pro- fitieren. Ahnliche Ideen kann man in jeglichem von arbeitslosigkeit geplagtem Land realisieren. Woimmer auch dies geschieht, der Nutzen der Klimaverbesserung kaeme allen Buergern der Welt zugute . Die schlagfestigste Art der Luftverbesserung,und die Kontrolle des Temperaturanstiegs kann durch eine inten- sieve Aufforstung erzielt werden, denn jeder Strauch ,jeder Baum bedarf mehr Energie denn ein Mensch,und fuenfzig Baeume garantieren im Schnitt den Ausgleich seiner Umweltsuenden. Anstatt Milliarden zu veschrwenden um die Banken zu retten,helfen wir Millionen von Menschen um zu ueberleben, und retten zugleich die Welt vor einem ins Haus stehendem Umweltkollapps
5. Lernresistenz
mhwse 07.06.2012
Zitat von günter1934Sie haben ja recht. Aber durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz wird mit all diesem Unfug gründlich aufgeräumt. Wenn dann die Stromrechnung beglichen ist, bleibt für all das kein Geld mehr übrig.
Sogar unser vier jährigen Kinder haben verstanden, dass man die Stromrechnung ganz einfach reduduzieren kann: 1.) Sinnvolle Produkte kaufen. (LEDs z.B.) 2.) Alles was nicht benötigt wird ausschalten. (vom Netz trennen!) (wir kommen so unter € 80/ Monat - es ist einer unserer geringsten Posten bei den Ausgaben..) Vermutlich aber haben Sie gar keine Kinder und erlauben es sich deshalb den Planeten zu versauen .. und jammern dann, wenn es zu Ihren Lebzeiten schon Einschränkungen gibt...
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