Uno-Bericht: Rohstoffsuche bedroht die Arktis

Die Veränderungen in der Arktis gelten als Warnhinweis auf den Klimawandel. Doch gleichzeitig nutzen Rohstoffsucher das Schwinden der Eisflächen für ihre Zwecke, beklagen Uno-Experten. 30 Prozent der weltweit unentdeckten Erdgasvorkommen werden im hohen Norden vermutet.

Gletscher vor Spitzbergen: Schmelzende Eismassen erleichtern die Rohstoffsuche Zur Großansicht
Corbis

Gletscher vor Spitzbergen: Schmelzende Eismassen erleichtern die Rohstoffsuche

Hamburg - Die Ausbeutung von Rohstoffen bedroht das empfindliche Ökosystem in der Arktis, warnt das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep). Ermöglicht werde die wirtschaftliche Nutzung durch das beschleunigte Schmelzen der Meereisdecke, heißt es in dem am Montag in Nairobi veröffentlichten Unep-Jahresreport 2013. Denn das zurückweichende Eis erleichtert den Zugang zu bislang ungenutzten Erdgas- und Ölvorkommen.

Die arktische Sommereisdecke sei 2012 auf ein Rekordtief von 3,4 Millionen Quadratkilometern geschrumpft. Dies sind den Angaben zufolge 18 Prozent weniger als der bisher registrierte Negativrekord im Jahr 2007 und 50 Prozent weniger als die Durchschnittswerte in den achtziger und neunziger Jahren. "Das Schmelzen des Eises verursacht einen Ansturm auf genau die fossilen Brennstoffe, die das Schmelzen überhaupt erst angetrieben haben", betonte Unep-Exekutivdirektor Achim Steiner. Auch das Landeis und die Permafrostböden tauen dem Report zufolge. Der Klimawandel trage so zur Erhöhung des globalen Meeresspiegels bei und gefährde Tiere wie Eisbären.

Nach Schätzungen der US-Bundesbehörde USGS (US Geological Survey), die sich auch mit Rohstoffen beschäftigt, befinden sich 30 Prozent der weltweit unentdeckten Erdgasvorkommen in der Arktis. Große Ölvorkommen vermuten Experten unter anderem im nördlichen Alaska.

Fotostrecke

10  Bilder
Großes Tauwetter: Die Rohstoffe der Arktis
Das Schmelzen der Meereisdecke öffnet laut Unep außerdem die nördlichen und nordwestlichen Seewege für Teile des Jahres. Dies könne bis 2020 zu einem 40-fachen Anstieg in der Schifffahrt führen.

Wilderei und Belastung mit Chemikalien

Die Unep-Studie, die jedes Jahr die größten globalen Umweltprobleme beleuchtet, verweist auch auf den bedrohlichen Anstieg des illegalen Nashorn- und Elfenbeinhandels. Allein 2012 seien in Afrika Zehntausende von Elefanten getötet worden. In Südafrika gab es einen Negativrekord von 668 gewilderten Nashörnern. Verantwortlich dafür seien die zunehmende Organisierte Kriminalität und Milizen. Vor allem Elfenbein werde von Rebellengruppen gegen Geld, Waffen und Munition eingetauscht.

Die Studie warnt auch vor wachsenden Gesundheits- und Umweltrisiken durch die immer intensivere Verwendung von Chemikalien. Der weltweite Jahresumsatz chemischer Erzeugnisse habe sich zwischen 2000 und 2009 verdoppelt. Bei einer Stichproben-Untersuchung in den USA seien bei den Teilnehmern 212 Chemikalien im Blut und Urin gefunden worden, von denen 75 noch nie zuvor im menschlichen Körper von Medizinern nachgewiesen worden waren.

wbr/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Atheist_Crusader 18.02.2013
Zitat von sysopDie Ausbeutung von Rohstoffen bedroht das empfindliche Ökosystem in der Arktis, warnt das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep).
Wird das Jemanden abhalten? Wohl kaum. So ein UNO-Bericht lässt sich noch leichter ignorieren als heimische Umweltprobleme. Denn erstens... naja, es ist nur die UNO. Und zweitens tendieren die Leute dazu, Probleme ernster zu nehmen, wenn sie vor ihrer Haustür stattfinden. Und oft nicht einmal das.
2. Deutsche sehen immer nur negative Seiten
dunnhaupt 18.02.2013
Die Erwärmung der nördlichen Erdhälfte wird gewaltige fruchtbare Regionen erstmals für den Ackerbau erschließen.
3.
herr_kleint 18.02.2013
Zitat von dunnhauptDie Erwärmung der nördlichen Erdhälfte wird gewaltige fruchtbare Regionen erstmals für den Ackerbau erschließen.
Die wir dann mit Genmais für Kraftstoffe und haufenweise Pestiziden vollballern. Supi!
4. Unfug!
snickerman 18.02.2013
Zitat von dunnhauptDie Erwärmung der nördlichen Erdhälfte wird gewaltige fruchtbare Regionen erstmals für den Ackerbau erschließen.
Sie haben definitiv nicht die leiseste Ahnung von der miserablen Qualität der sumpfigen auftauenden Permafrost- und Tundraböden. Und noch weniger von all den überhitzten und austrocknenden Flächen, wo heute Getreide, Mais, Soja und all die anderen Pflanzen angebaut werden, von denen unsere kontinuierliche Nahrungsmittelversorgung abhängt.
5. Ran an den Speck!
geisterfahrer7 18.02.2013
Zitat von sysopDie Veränderungen in der Arktis gelten als Warnhinweis auf den Klimawandel. Doch gleichzeitig nutzen Rohstoff-Sucher das Schwinden der Eisflächen für ihre Zwecke, beklagen Uno-Experten. 30 Prozent der weltweit unentdeckten Erdgasvorkommen werden im hohen Norden vermutet. Unep-Jahresbericht: Rohstoff-Boom bedroht die Arktis - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/unep-jahresbericht-rohstoff-boom-bedroht-die-arktis-a-884101.html)
Die Antarktis ist genau so auszubeuten, wie z.B. das Ruhrgebiet. Wo ist der Unterschied? Das Eis ... lol ? Ran an den Speck! Holen wir es uns!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Natur
RSS
alles zum Thema Arktis
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 14 Kommentare

Buchtipp