Studie von Klimaforschern Versinken Ferrara und Venedig im Meer?

Rund um das Mittelmeer liegen etliche historische Unesco-Welterbestätten. Dutzende von ihnen sind wegen des Klimawandels bedroht, warnen Forscher.

imago/ Manfred Segerer

Der Meeresspiegel steigt, so viel ist sicher. Erst im Februar hatten Wissenschaftler nach der Auswertung von Satellitendaten berichtet, dass sich der Anstieg künftig noch beschleunigen wird.

Zudem bedrohen Sturmfluten und Küstenerosion etliche Städte und Küstenbereiche. Doch nicht nur heutige Siedlungen sind betroffen - auch kulturelles Erbe könnte im Wasser versinken. Wissenschaftler haben in einer neuen Studie nun gezeigt, dass Dutzende Unesco-Welterbestätten am Mittelmeer langfristig bedroht sind oder verschwinden könnten.

Viele Touristenattraktionen vor allem in Italien, Kroatien und Griechenland seien betroffen, schreiben die Autoren um Lena Reimann von der Universität Kiel im Journal "Nature Communications". Deshalb müssten die Kulturdenkmäler besser vor den Folgen des Klimawandels geschützt werden.

Bereits jetzt seien von den 49 untersuchten Welterbestätten in niedriggelegenen Küstengebieten des Mittelmeers 37 von einer sogenannte Jahrhundertsturmflut bedroht - ihr Risiko beträgt in jedem einzelnen Jahr ein Prozent. 42 Stätten seien durch eine mögliche Küstenerosion gefährdet. Bis zum Jahr 2100 könnte das Flutrisiko in der gesamten Region um bis zu 50 Prozent steigen und das Erosionsrisiko um bis zu 13 Prozent - wobei einzelne Denkmäler weit stärker betroffen sein dürften.

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Wracks aus der Antike: Schiffsfriedhof in der Ägäis

Die Gefahr von Überflutungen ist demnach besonders hoch im nördlichen Adriaraum: Die Lagune von Venedig, die Renaissancestadt Ferrara im Po-Delta und die Basilika von Aquileia. In Kroatien zähle die historische Stadt Trogir und die Kathedrale des Heiligen Jakob in ŠSibenik dazu, erklärte Autorin Reimann. Das bedeute aber nicht, dass gesamte Stätten untergehen werden, es könne auch nur ein Teil der Denkmäler betroffen sein.

Erosion ist der Studie zufolge besonders gefährlich für die archäologischen Stätten Tyros im Libanon, Pythagorio und Heraion auf der griechischen Insel Samos und Ephesos in der Türkei sowie in Tarragona in Spanien. Nur zwei untersuchte Unesco-Stätten, Medina in Tunesien und Xanthos-Letoon in der Türkei, seien von keinem der beiden Risiken bis Ende des 21. Jahrhunderts betroffen, schreiben die Forscher.

In ihrer Studie nutzten die Wissenschaftler vier unterschiedliche Klimaszenarien dafür, wie stark der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 ansteigen könnte. Durch die Erderwärmung schmelzen Eis und Gletscher, so erhöht sich der Pegel. Je mehr der Meeresspiegel steigt, desto höher ist das Risiko. Schutzmaßnahmen, die an einigen Stätten schon ergriffen wurden, seien in der Studie nicht einberechnet worden, sagte Reimann.

Karte mit Welterbestätten am Mittelmeer

UNESCO

Die Forscher zeigen verschiedene Möglichkeiten auf, das Problem anzugehen. Es müsse ein allgemeines Bewusstsein für die Gefahr geschaffen werden. Den Menschen solle klar gemacht werden, was ein Verlust der Stätten bedeuten würde. Zum anderen könnte besserer Küstenschutz helfen, der aber sehr teuer sei. Ein Beispiel ist Venedig. Dort entstehen mechanische Barrieren in der Lagune, die bei Hochwasser ausgefahren werden können.

Doch ob das auf Dauer hilft? "Venedig werden wir verlieren, das ist nicht umstritten", sagte Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, der zum selben Thema forscht. Die Frage sei nur wann. "Es kann Jahrhunderte dauern." Die Entwicklung sei langsam, aber "unaufhaltsam". Es gebe zwar Anpassungsmöglichkeiten. Diese müssten jedoch sehr groß angelegt sein. "Das Mittelmeer kann man aber nicht dicht machen."

Könnte man im Notfall gar das ganze Kulturdenkmal versetzen, wie es etwa in Ägypten bei der berühmten Tempelanlage von Abu Simbel passiert ist? In manchen Fällen wie bei der Kathedrale von SŠibenik in Kroatien sei das sogar möglich, heißt es in der Studie. Es sei aber keine wirkliche Option, da die Bauten stark mit ihrer Lage verbunden seien und viele genau deshalb so reizvoll und wichtig seien. Zudem wäre es bei sehr großen archäologischen Anlagen auch gar nicht möglich, oder mit gigantischen Kosten verbunden.

Video: Klimawandel - Ist die Welt noch zu retten?

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joe/dpa



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