Uno-Verhandlungen Der Bonner Klima-Poker

Arm gegen Reich, China gegen den Westen: In Bonn haben Verhandlungen um einen Welt-Klimavertrag begonnen. Zahlen zum Treibhausgas-Ausstoß in Deutschland sorgen für Ernüchterung.

Industrieabgase in Australien: Hoffnungen auf Klimakompromiss?
REUTERS

Industrieabgase in Australien: Hoffnungen auf Klimakompromiss?


Hamburg - Der große Poker geht weiter. In Bonn versucht die Staatengemeinschaft diese Woche einen neuen Anlauf bei der Suche nach Klimaschutz-Zielen. Die Uno ringt seit Montag um die Inhalte eines Textentwurfs, auf den sich spätestens auf der internationalen Klimakonferenz in Paris Ende 2015 alle Länder einigen sollen. Erste Forderungen machen die Runde.

"2014 muss das Jahr verstärkter Handlungen gegen den Klimawandel werden", sagt die Chefin des Uno-Klimasekretariats UNFCCC, Christiana Figueres, anlässlich der Bonner Tagung. Nie zuvor sei man näher am "positiven Wendepunkt zu einer kohlenstoffarmen Gesellschaft" gewesen. In Bonn erörtern Arbeitsgruppen, wie der Ausbau erneuerbarer Energieträger vorangebracht werden könnte.

Im Zentrum der Verhandlungen aber steht die Begrenzung des weltweiten Kohlendioxidausstoßes (CO2). Die Treibhausgas-Emissionen drohten aus dem Ruder zu laufen, warnte das UNFCCC in Bonn: Ohne drastische Einschränkung des weltweiten CO2-Ausstoßes sei die Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad im Vergleich zum Niveau vor Beginn der Industrialisierung nicht zu erreichen.

EU beschließt Grenzwerte für Autos

China, der weltgrößte CO2-Emittent, hat erneut deutlich gemacht, dass es vor allem den Westen in der Pflicht sieht. Aufgrund der "historischen Schuld" der alten Industrienationen fordert China drastische CO2-Einsparungen ab spätestens 2020. Entwicklungsländer haben sich der Forderung angeschlossen.

Die USA hingegen wollen, dass ein Klimavertrag 2015 das Wirtschaftswachstum aufstrebender Länder berücksichtigt, was China ebenfalls in die Verantwortung nehmen würde. Beschlüsse, die auf vergangenen Konstellationen der Wirtschaftsstärke beruhten, würde man nicht unterstützen.

Auch die EU möchte, dass die "veränderten Verantwortungen und Möglichkeiten der Staaten" berücksichtigt werden. Alle Staaten sollten bis zum Frühjahr 2015 Vorschläge machen, wie sie ihren CO2-Ausstoß überprüfbar begrenzen könnten.

Die EU-Staaten sind am Montag einen Schritt in diese Richtung gegangen: Sie haben neue Klimaauflagen beschlossen. Ab 2020 dürfen die Autos nicht mehr als 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Für jeden Hersteller gibt es allerdings Sondervorgaben. Elektroautos und andere schadstoffarme Fahrzeuge können sich die Autobauer auf ihre Klimabilanz anrechnen lassen.

Mehr Steinkohle in Deutschland

Wie schwer die Begrenzung der Treibhausgase werden dürfte, zeigt allerdings die ernüchternde Entwicklung in Deutschland. Trotz der Energiewende, die den Anteil erneuerbarer Energie erhöht hat, wurde 2013 hierzulande 1,5 Prozent mehr CO2 ausgestoßen als 2012, berichtet das Umweltbundesamt (UBA).

Die Ursachen lägen vor allem in der Abkehr von der Atomenergie: Bei der Stromerzeugung sei mehr Steinkohle verbrannt worden. Zudem sei witterungsbedingt mehr Öl und Gas beim Beheizen von Häusern und Wohnungen zum Einsatz gekommen.

In Zeiten hohen Energieverbrauchs kommen beide Energieträger verstärkt zum Einsatz, vor allem bei Windstille oder bedecktem Himmel, wenn die alternativen Energien nicht reichen. Auch der um über sieben Prozent gestiegene Stromexport ins Ausland habe die Emissionen erhöht, berichtet das UBA.

Auf der Bonner Konferenz wollen die Vertreter der Staatengemeinschaft auf den Beschlüssen des Uno-Klimagipfels von Warschau im November letzten Jahres aufbauen: Demnach soll 2015 in Paris ein Welt-Klimavertrag beschlossen werden, um die globale Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Zudem wollen die Industrieländer Entwicklungsstaaten dabei unterstützen, die Folgen des Klimawandels zu lindern. Die Industriestaaten wollen auch Aufforstungsprojekte weltweit finanzieren.

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u.loose 10.03.2014
1. Merkwürdig
vor ein paar Wochen war es noch ein milder Winter und es wurde getextet, dass sich die Mieter auf kräftige Heizkostenerstattungen einstellen können. Heute wird einem der "strenge Winter" als Grund für mehr CO2 verkauft, damit die Kernkraft Substitution durch Kohle nicht so auffällt. Und da sage noch mal einer, im UBA säßen keine grün roten die von selbigen ins Amt gehoben wurden.
günter1934 10.03.2014
2. Klimawandel, - böse oder gut?
Es ist seit der kleinen Eiszeit um 0,8°C wärmer geworden. Seit 15 Jahren stagnieren die Temperaturen auf diesem angenehmen Niveau, obwohl der CO2-Ausstoss exponentiell steigt. Oder will wieder jemand zurück zu den Verhältnissen der kleinen Eiszeit?
derdingens 10.03.2014
3. mehr CO2 aus Steinkohle
stimmt - aber warum wird nicht erwähnt, dass der Ausstoß aus Braunkohle geringer geworden ist? " Auch der um über sieben Prozent gestiegene Stromexport ins Ausland habe die Emissionen erhöht, berichtet das UBA." die 7 Prozent wage ich mal in Frage zu stellen. Laut Daten der ENTSOE und der EEX hat sich der Export 2013 gegenüber 2012 nahezu verdoppelt. Diese Daten enthalten zwar nicht alles, sind aber ein sehr guter Indikator. Um fair zu rechnen müßte man aber die im Ausland durch den deutschen Export eingesparte CO2 Menge gegenrechnen - und siehe da, in der Summe ist der Ausstoß gesunken. Man könnte daneben auch noch auf die Idee kommen, den wirtschaftlichen Aufschwung in D mit einzubeziehen, aber wir wollen den Redakteur ja nicht überfordern ...
gerhard38 10.03.2014
4. Der deutsche Irrweg
Die Energiewende mit einer Abkehr von der Atomenergie sowie der Förderung von Wind- und Solarstrom ist nach den vorliegenden Daten offensichtlich fehlgelaufen. Dank der "Energieakrobaten wie Sigi Pop werden jetzt mehr Schadstoffe in die Atmosphäre geblasen und die Stromrechnungen für Wirtschaft und Verbraucher sind ebenfalls höher. Wann kommen unsere Energiepolitiker zur Besinnung?
RenegadeOtis 10.03.2014
5.
Zitat von günter1934Es ist seit der kleinen Eiszeit um 0,8°C wärmer geworden. Seit 15 Jahren stagnieren die Temperaturen auf diesem angenehmen Niveau, obwohl der CO2-Ausstoss exponentiell steigt. Oder will wieder jemand zurück zu den Verhältnissen der kleinen Eiszeit?
Mich fröstelt schon fast. http://www.klimaschutz-netz.de/index.php/klimawandel/547-globaltemperatur-wird-trotz-gegenwaertiger-stagnation-langfristig-steigen
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