Ungewollter Beifang: Hunderttausende Wale und Delfine sterben im Netz
Eine Flucht ist unmöglich: Umweltschützer haben im Auftrag der Uno das traurige Schicksal vieler Meeressäuger ermittelt. Demnach stirbt die Mehrheit mancher Arten als ungewollter Beifang in Fischernetzen - obwohl es längst Methoden gibt, die dies verhindern könnten.
Berlin - Fischernetze und Fangleinen gefährden den Bestand vieler Zahnwalarten - dazu zählen zum Beispiel Tümmler oder Schweinswale. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der Vereinten Nationen, der von der Umweltschutzorganisation WWF (World Wide Fund For Nature) mitfinanziert und erstellt wurde. "Die weltweiten Bestände von Zahnwalen sind in den vergangenen zehn Jahren dramatisch geschrumpft", berichtete der WWF am Montag in Berlin.
"Die Haupttodesursache bei Zahnwalen, vor allem für kleinere Arten wie Delfine, ist der Beifang", sagt Roland Gramling. Dem Report zufolge sind 86 Prozent der heute noch 72 Zahnwalarten bedroht. Die kleineren Zahnwale - zu denen neben den Delfinen unter anderem Schnabelwale zählen - sind nach Angaben der Organisation vom Beifang stärker betroffen als die großen Bartenwale.
"Obwohl Wale weitgehend nicht mehr kommerziell gejagt werden, sind ihre Bestände zunehmend stärker bedroht", so WWF-Artenschutzexperte Volker Homes. Er fordert: "Um das Aussterben von Walarten zu verhindern, müssen kommerzielle Fischereimethoden verbessert werden."
Schallschirm als Rettung
Zahnwale können laut WWF die sogenannten Langleinen sowie Stell- und Schleppnetze häufig nicht orten. Sie verfangen sich darin, ertrinken und werden als ungewollter Beifang wieder ins Meer geworfen. Weitere Todesursachen sind dem UN-Bericht zufolge die in manchen Regionen immer noch praktizierte Jagd, Zusammenstöße mit Schiffen und die Zerstörung der Lebensräume.
Längst haben Experten Methoden entwickelt, die ungewollten Beifang verringern: So können Schallquellen Delfine abschrecken. Außerdem wurden Netze mit Fluchtklappen konzipiert, aus denen Jungfische entkommen können.
Bereits frühere Erhebungen des WWF wiesen auf das Problem hin: Demnach würden jährlich mehr als 300.000 Kleinwale, Delfine und Tümmler in Fischernetzen verenden. Der Baiji-Yangtze-Delfin sei ausgestorben, weil er Opfer von Beifang wurde.
Doch es gibt auch gute Nachrichten über Delfine: Bei einer Expedition im Mekong-Delta sichteten Biologen nun 20 seltene Irawadi-Delfine. Weltweit gibt es nur noch einige hundert Tiere. Zu ihrem Schutz startet nun ein neues Artenschutz-Programm.
boj/dpa
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
- alles aus der Rubrik Wissenschaft
- Twitter | RSS
- alles aus der Rubrik Natur
- RSS
- alles zum Thema Überfischung
- RSS
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Montag, 09.01.2012 – 18:58 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren | 13 Kommentare
- Vietnam: Bedrohte Delfine im Mekong-Delta entdeckt (09.01.2012)
- Neue Stämme: Die Turbo-Evolution der Königslachse (08.01.2012)
- Norwegen: Forscher rätseln über Massen toter Heringe am Strand (02.01.2012)
- Ostsee: Forscher staunen über Rückkehr der Dorsche (02.01.2012)
- Fischfangquoten: EU schmiedet Notplan gegen Plünderung der Meere (08.09.2010)
- Tanganjikasee: Wildes Fischen mit Moskitonetzen (07.11.2009)
- Eingewanderte Fischarten: Invasion aus südlichen Gewässern (16.09.2011)
- Uno-Fischereireport: Jeder fünfte Fisch stammt aus Chinas Farmen (31.01.2011)
- Kampf auf Europas Meeren: Im Netz der Fisch-Feilscher (13.12.2010)
- Neue Quoten: EU beschränkt Fischfang in der Ostsee (27.10.2010)
für die Inhalte externer Internetseiten.
MEHR AUS DEM RESSORT WISSENSCHAFT
-
Klimawandel
Erderwärmung: CO2, Treibhauseffekt und die Folgen - alle Nachrichten und Hintergründe -
Satellitenbilder
Blick von oben: Entdecken Sie die Schönheit der Welt - im Satellitenbild der Woche -
Artensterben
Kampf um die Vielfalt Wie der Mensch die Natur ausbeutet - und einen Massentod unter Tieren und Pflanzen verursacht -
Numerator
Rechenkunst: Zahlen und Logik - die Kolumne über die Wunderwelt der Mathematik -
Graf Seismo
Geheimnisvoller Planet: Erde, Wasser, Luft - die Kolumne über die größten Rätsel der Geoforschung

