Unheimliche Kraterfotos: Riesiger Lavasee bedroht afrikanische Großstadt

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Alarm am Nyiragongo-Vulkan: In seinem Kessel schwillt ein gewaltiger Lavasee an, jederzeit könnte die 1200 Grad heiße Masse zu Tal stürzen und die kongolesische Großstadt Goma fluten. Vulkanologen präsentieren auf SPIEGEL ONLINE Fotos vom Gipfel.

Anschwellender Lavasee: Vulkanalarm im Kongo Fotos
VolcanoDiscovery / Tom Pfeiffer

Die Forscher hatten den Gipfel des Vulkans Nyiragongo im Kongo gerade erst verlassen, als die Lavamassen losbrachen. Eben noch hatte im Krater der glutrote Lavasee geschwappt, doch dann riss der Kessel auf - er lief aus wie eine aufgeschnittene Milchtüte: Die dünnflüssige Lava rauschte mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde sturzflutartig die Bergflanken hinunter, sie tötete 72 Menschen. Die Forscher waren gerade noch einmal davongekommen.

Das war im Januar 1977. Nahezu auf den Tag genau 34 Jahre später, im Januar 2011, campierten nun erneut Vulkanologen und Abenteurer am größten Lavasee der Welt auf dem Nyiragongo im zentralafrikanischen Regenwald. Auch sie fühlten sich sicher. Und auch sie hatten Glück, sie kamen unbeschadet davon. Ihre Fotos aber dokumentieren eine gruselige Veränderung des Vulkans: Der Lavasee sei in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen, berichten sie SPIEGEL ONLINE. Diesen Befund bestätigt auch eine Studie, die im März auf einer Tagung der Amerikanischen Geologischen Gesellschaft vorgestellt werden soll.

Damit steht fest: Im Vulkan steigt Magma auf. Der See mit der dünnflüssigsten Lava der Welt steht jetzt fast so hoch wie vor früheren Ausbrüchen. Anzeichen für einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch gibt es zwar nicht, doch spätestens seit seiner letzten Eruption im Januar 2002 gilt der fast 3500 Meter hohe Nyiragongo als unberechenbar.

Lava rauschte durch die Straßen

Am 17. Januar 2002 waren seine Lavamassen bis in die zehn Kilometer entfernte Stadt Goma geschossen, wo sie etwa 170 Menschen töteten; 120.000 wurden obdachlos. Die viele hundert Grad heiße Lava mit ihrer ungewöhnlich wässrigen Konsistenz rauschte durch die Straßen, entflammte Häuser und erstarrte schließlich zu einem buckligen silbrigen Steinpanzer. Er bedeckt seither ganze Stadtviertel und Teile des Flughafens wie eine riesige Grabplatte. Autos, Häuser und Verkehrschilder ragen aus dem Gestein; Straßen wurden umgeleitet. Den benachbarten Kivu-See brachten die Lavamassen zum Kochen.

Seit dem Desaster von 2002 versuchen Geoforscher den Nyiragongo zu überwachen. Doch Expeditionen sind gefährlich, Überfälle drohen; und fest installierte Messinstrumente werden meist geklaut. So gelangen Forscher nur an wenige Daten.

Umso bedeutender erscheinen die Fotos, die Teilnehmer einer privaten Exkursion um den Vulkanologen Tom Pfeiffer vom Kratersee des Nyiragongo nun präsentieren (siehe Fotostrecke). Die Bilder liefern den derzeit besten Einblick in einen der gefährlichsten Vulkane der Welt.

Zelten am Kraterrand

Vulkanologen wissen: Der Pegel im Krater ist der beste Gradmesser für die Bedrohungslage am Nyiragongo. Je höher er steigt, desto größer ist der Magmadruck. Noch steht der See deutlich unterhalb des Kraterrandes. Doch nicht erst sein Überschwappen bedeutete die Katastrophe. Der See bildet nur die Spitze eines riesigen Magmareservoirs, das tief in die Erde reicht. Wie im Januar 2002 könnten Erdbeben den einen Kilometer breiten Lavakessel bersten lassen und das Magma freisetzen.

Beim Ausbruch vor neun Jahren war der Krater des Nyiragongo vollständig ausgelaufen. Bereits 2006 hatte sich wieder ein stattlicher Lavasee angesammelt. Seither sei der Pegel um weitere 50 Meter angeschwollen, berichtet Vulkanologe Pfeiffer. Er stehe nun 450 Meter unterhalb des Kraterrandes. Damit hat er nahezu den Pegel bei vergangenen Eruptionen erreicht.

Die 21 Expeditionsteilnehmer um Tom Pfeiffer - unter ihnen drei bewaffnete Parkwächter - campierten mit ihren Zelten direkt am Krater hinter einer Klippe. Fünf Stunden hatte der Aufstieg im feuchtheißen Klima gedauert. Versteinerte Lavaflüsse auf den Bergflanken, Lavafetzen an den Bäumen und Erdspalten zeugten von früheren Ausbrüchen. Unvergleichliche Eindrücke am Gipfel belohnten die Forscher für ihre Strapazen.

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insgesamt 50 Beiträge
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    Seite 1    
1. Also ehrlich
PromotorFidei 17.02.2011
Da wäre ich jetzt gerne. Sieht ja faszinierend aus.
2. Energie ohne Ende
niebelheim 17.02.2011
Mutige Konzepte sind gefordert diese natuerliche und unendliche Energiequelle, zum Wohle ganzer Regionen Zentralafrikas nutzbar zu machen. Gleichzeitig koennte das unkontrollierte Ausbrechen der Hoellensuppe verhindert bzw. das Risiko entscheident verringert werden.
3. Ich gebe keinen Titel mehr an
GyrosPita 17.02.2011
Tolle Aufnahmen. So stell ich mir den Schicksalsberg bei Herr der Ringe vor...
4. Wunderschöne Bilder mischen sich...
ratxi 17.02.2011
Zitat von sysopAlarm am Nyiragongo-Vulkan: In seinem Kessel schwillt ein gewaltiger Lavasee an, jederzeit könnte die 1200 Grad heiße Masse zu Tal stürzen und die kongolesische Großstadt Goma fluten. Vulkanologen präsentieren auf SPIEGEL ONLINE Fotos vom Gipfel. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,745303,00.html
...mit beängstigen Szenarien. Wir sehen, dass die Natur letztlich nicht berechenbar ist. Alle unsere Berechnungen beziehen sich auf vorhergehende Erfahrungen. Mutter Erde bleibt so unberechenbar wie der Mensch, der aus ihr hervorging...
5. Ja. Eine schier unerschöpfliche...
ratxi 17.02.2011
Zitat von niebelheimMutige Konzepte sind gefordert diese natuerliche und unendliche Energiequelle, zum Wohle ganzer Regionen Zentralafrikas nutzbar zu machen. Gleichzeitig koennte das unkontrollierte Ausbrechen der Hoellensuppe verhindert bzw. das Risiko entscheident verringert werden.
...Wärmequelle bietet viel Raum für Fantasie. Aus jetziger Sicht vielleicht weit davon entfernt, könnte man dies vielleicht in Zukunft nutzen und ganz nebenbei dadurch dem Berg etwas von seiner gefährlichen Energie entziehen.
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