Erste Sitzung: Neuer Uno-Rat tritt zur Artenrettung an

Der Raubbau des Menschen an der Natur gefährdet Tausende Tier- und Pflanzenarten. Jetzt ist der Weltrat für biologische Vielfalt zur ersten Sitzung zusammengekommen. Er soll ähnlich arbeiten wie der Uno-Klimarat IPCC. Die Frage ist, ob dieses Modell noch zeitgemäß ist.

Ausgetrockneter Fluss (in Spanien, August 2005): Uno-Rat soll Artensterben bremsen Zur Großansicht
REUTERS

Ausgetrockneter Fluss (in Spanien, August 2005): Uno-Rat soll Artensterben bremsen

Bonn - Der Mensch bedroht seine Umwelt. Ganze Meeresgebiete sind nahezu leergefischt, Verschmutzung und Klimawandel bedrohen die Lebensräume vieler Tiere. Die Weltnaturschutzunion IUCN hat im vergangen Jahr 64.000 Arten untersucht - und festgestellt, dass fast jede dritte vom Aussterben bedroht ist.

Mit dem neuen Weltrat für biologische Vielfalt soll der anhaltenden Umweltzerstörung nun Einhalt geboten werden. Der Rat traf am Montag in Bonn zu seiner ersten Plenarsitzung auf Uno-Ebene zusammen. Der Erhalt der natürlichen Umwelt sei "eine der drängendsten und schwierigsten Herausforderungen unserer Zeit", sagte Achim Steiner, Direktor des Uno-Umweltprogramms (Unep), zum Auftakt der Veranstaltung. Die sechstägige Konferenz mit mehr als 600 Teilnehmern will vor allem Organisationsfragen wie die Uno-Anbindung klären und auch die Mitglieder für den wissenschaftlichen Ausschuss berufen.

Der im Vorjahr eingesetzte Rat soll den Gefährdungszustand bei Pflanzen- und Tierarten sowie von ökologischen Lebensräumen wie etwa Meeren oder Wäldern erfassen. Zugleich soll er für die Politik Handlungsoptionen und Entscheidungshilfen zum Erhalt formulieren. Damit hat der Weltbiodiversitätsrat IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) eine ähnliche Aufgabe wie der Uno-Klimarat IPCC bei der Einschätzung der Erderwärmung: Er soll den Stand der Wissenschaft zusammenfassen und die Politik beraten.

Unep-Direktor Steiner unterstrich zum Auftakt der Konferenz die Bedeutung des IPBES. Es sei notwendig, unabhängige wissenschaftliche Erkenntnisse und Vorschläge bereitzustellen, damit die Politik handeln könne. "Wir brauchen Antworten auf viele Fragen über die komplexe Einwirkung des Menschen und seinen Einfluss auf die biologische Vielfalt und die Ökosysteme." Bisher gebe es keine Modelle, um die komplexe Naturvielfalt und ihre Gefährdung durch den Menschen darzustellen und brauchbare künftige Szenarien zu entwickeln, sagte Steiner. Es müssten bessere Daten und "politikrelevante Informationen" geliefert werden, um die Wirksamkeit von politischen Maßnahmen zu verbessern.

Ist das IPCC-Modell noch zeitgemäß?

Die Frage ist allerdings, ob eine Organisation nach dem Vorbild des IPCC noch zeitgemäß ist. Der internationale Klimaschutz unter dem Dach der Uno gilt als weitgehend gescheitert, die jährlichen Weltklimagipfel produzieren fast keine Ergebnisse. Als Gründe gelten der Zwang der Vereinten Nationen zur Einstimmigkeit und die teils extrem unterschiedlichen Interessen der Staaten. Besonders Schwellenländer wie Indien, China oder Brasilien geben meist der wirtschaftlichen Entwicklung Vorrang vor dem Klimaschutz. Ob es beim Artenschutz anders sein wird, ist offen.

Umweltschützer geben sich dennoch optimistisch, dass der IPBES erfolgreich sein kann. Die Arbeit des Rats müsse dazu führen, Entscheidungen im globalen Naturschutz zu beschleunigen, sagte Günter Mitlacher von der Umweltorganisation WWF Deutschland. Der IPBES könne die Dringlichkeit zum Schutz von Biovielfalt und Ökosystemen und deren "Wert als Lebensgrundlage" deutlich machen.

Die biologische Vielfalt werde "in rasantem Tempo zerstört", erklärte der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger. "Bislang werden die wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber in politische Entscheidungen viel zu wenig einbezogen." Der Weltrat müsse dies ändern und auch Handlungswege aufzeigen.

Die Bildung des Gremiums war im April 2012 in Panama City beschlossen worden. Das IPBES-Sekretariat wird mit Unterstützung durch die Bundesregierung in der deutschen Uno-Stadt Bonn eingerichtet.

mbe/dpa

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insgesamt 5 Beiträge
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1. hauptsache
otto_iii 21.01.2013
es wird wieder ein Anlass gefunden, warum sich irgendwelche Naturschützer, Funktionäre und Beamte auf Steuerzahlers Kosten die schönsten Tagungshotels der Welt anschauen können.
2. Es wird Zeit,
tonder 21.01.2013
dass sich mehr um die Naturzerstörung weltweit gekümmert wird. Das ist viel zu lange vernachlässigt worden. Ohne funktionierende Ökosysteme sind wir nichts, denn ohne sie gibt es keine sauberes Wasser, keine Luft zum Atmen und keine ausreichende Ernährung. Deshalb ist jeder Versuch gut, auch wenn man an Details Kritik üben kann. Neben allem Essenziellen, das uns die Natur liefert, beitet sie uns ja auch noch Inspiration, zum Beispiel durch grandiose Tierarten, s. Schüsse im Nebel - ZDF.de (http://www.zdf.de/aspekte/Sch%C3%BCsse-im-Nebel-24003770.html) Afrikas neuester Nationalpark: Das Großwild kommt zurück - manager magazin - Lifestyle (http://www.manager-magazin.de/lifestyle/reise/0,2828,796327,00.html) Neukaledonien: Taucher trifft auf Hai - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/neukaledonien-taucher-trifft-auf-hai-a-858920.html)
3. O.k.
besso 21.01.2013
Habe mich schon länger gefragt, welche Sau nach der Klimasau durch die Dörfer getrieben werden soll. Jetzt seh ich klarer: Die neuen, natürlich zusätzlichen Steuern werden Artenrettungssteuern sein. Muß ja einen Grund haben, die nächste Steuererhöhung..
4. Den notorischen Nörglern...
geri&freki 21.01.2013
... sollte man konsequent alles vom Teller und aus dem Arzneischrank wegnehmen, was natürlicher Artenvielfalt zu verdanken ist. Da würde sich so mancher Umweltignorant verwundert die Augen reiben, was von den vielen zivilisatorischen Errungenschaften noch übrig bleibt, die uns das Leben heute so angenehm machen... Wenn sich diese im Übrigen einmal mit der gleichen Vehemenz gegen den – um ein Vielfaches höheren – Einsatz von Steuermitteln einsetzen würden, mit denen die Zerstörung unserer Umwelt staatlich subventioniert wird, bräuchte es auch keine Rettungsprogramme mehr!
5. Wir können ohne Biodiversität leben,
capuccino 22.01.2013
wie Ratten in Käfigen, die gut mit Trockenfutter aus der Tüte gefüttert werden. Und vermutlich wird es dann auch noch Nachzuchten geben. Wer nur sparen und Profit maximieren will, möge das Rattenleben anvisieren. Wer allerdings für sich und seine Nachkommen Lebensqualität will, muss sich für den Erhalt der Artenvielfalt und funktionierender Ökosysteme kümmern.
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