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Uno-Bericht: Menschheit verursacht größtes Artensterben seit Sauriertod

Biologen beobachten derzeit das größte Artensterben seit 65 Millionen Jahren. Verantwortlich dafür seien Eingriffe des Menschen in die Natur, heißt es in einem Bericht der Vereinten Nationen.

Curitiba - Die Tier- und Pflanzenwelt ist in Gefahr - und die Bedrohung geht von der Menschheit aus. "Wir sind verantwortlich für das sechste große Artensterben der Erdgeschichte", heißt es in einer neuen Studie, die auf der 8. Uno-Konferenz über Biologische Vielfalt im brasilianischen Curitiba vorgestellt wurde. Das derzeit stattfindende Artensterben sei das größte seit dem Verschwinden der Saurier vor 65 Millionen Jahren. Lebensräume von Korallenriffen bis zu tropischen Regenwäldern seien in Gefahr.

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Die "Großen Fünf" des Artentods liegen lange zurück: 440, 375, 250, 205 und 65 Millionen Jahre. Als Ursachen des Verschwindens Tausender Spezien gelten Asteroideneinschläge, Vulkanausbrüche sowie plötzliche Klimaveränderungen.

Das derzeitige Artensterben führen die Autoren des "2. Global Biodiversity Outlook" auf Umweltverschmutzung, Zersiedlung, Abholzung, den Klimawandel und auf die Einschleppung von Arten in fremde Biotope zurück. Die derzeitige Geschwindigkeit des Artensterbens sei 1000 Mal höher als zu früheren Zeiten. Es sei keine Verbesserung der Situation erkennbar, heißt es in der Studie.

Zum Auftakt der Konferenz in Curitiba sagte die brasilianische Umweltministerin Marina Silva vor Vertretern von rund 180 Staaten, seit dem Uno-Umweltgipfel in Rio de Janeiro 1992 seien nur wenige Fortschritte erzielt worden. Es gebe sogar Hinweise, dass es Rückschritte beim Schutz einzigartiger Tiere und Pflanzen gegeben habe. Daraus ergebe sich die Notwendigkeit besonderer Anstrengungen, um das in Rio formulierte Ziel zu erreichen, wonach bis 2010 die Zerstörung von Umwelt und Biodiversität entscheidend verringert werden muss.

Zu den 188 Unterzeichnern der Uno-Konvention über biologische Vielfalt aus dem Jahr 1992 gehört auch die Europäische Union. Zehn Jahre später wurde in Johannesburg beschlossen, die Geschwindigkeit des Artensterbens bis 2010 "deutlich zu reduzieren". "Die bisher erzielten Erfolge sind aber zu gering", klagte Ministerin Silva.

Obwohl einige Länder energische Umweltschutzaktionen durchgeführt hätten, gebe es vier Jahre vor Ablauf der in Johannesburg gesetzten Frist noch "sehr viel zu tun". Vor allem die Entwicklungsländer, in denen die größte Artenvielfalt bestehe, bräuchten Entschlossenheit und politischen Willen, damit die Konventionsbeschlüsse und -verpflichtungen in die Realität umgesetzt würden.

hda/Reuters/dpa/AFP

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