• Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Uno-Gipfel Klimaschützer hoffen auf Wunder von Durban

Klimaaktivisten in Durban: Wenig Hoffnung auf Durchbruch bei der Uno-KonferenzZur Großansicht
AFP

Klimaaktivisten in Durban: Wenig Hoffnung auf Durchbruch bei der Uno-Konferenz

Der Weltklimagipfel im südafrikanischen Durban hat begonnen - doch die Chancen für einen Durchbruch stehen schlecht. Ein internationales Abkommen, das noch rechtzeitig zum Ende des Kyoto-Protokolls steht, wird es nicht geben. Sogar beim Hilfsfonds für ärmere Länder herrscht inzwischen Stillstand.

Durban - Christiana Figueres stapelte nicht eben tief: Es gehe um "nichts Geringeres als die größte energietechnische, industrielle und verhaltensrelevante Revolution der Menschheitsgeschichte", sagte die Chefin des Klimasekretariats der Vereinten Nationen (UNFCCC). Der Anlass ist die Weltklimakonferenz im südafrikanischen Durban: Ab dem heutigen Montag verhandeln Vertreter aus 194 Staaten über Schritte im Kampf gegen die Klimaerwärmung.

Offiziell ringen die Staaten immer noch um ein umfassendes, rechtlich verbindliches Abkommen, das das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll ablösen soll. Doch nach dem Scheitern der Konferenz von Kopenhagen Ende 2010 und den geringen Fortschritten im mexikanischen Cancún ein Jahr später rechnet nun niemand ernsthaft mit einem Durchbruch. Erwartet wird vielmehr, dass vor allem die Beschlüsse aus dem vergangenen Jahr zum Klimafonds oder zum Waldschutz präzisiert werden.

Vor allem die USA und China scheinen bisher kaum bereit, sich in absehbarer Zeit auf international verbindliche Abkommen einzulassen. Während China sich gemeinsam mit zahlreichen Entwicklungs- und Schwellenländern dafür einsetzt, dass Industrieländer die Hauptverantwortung für den Kampf gegen den Klimawandel tragen, meldeten Länder wie Japan, Russland und Kanada bereits Widerstand an. Sie wollen, dass sich sowohl China und die USA an einer neuen Lösung beteiligen.

Ärger um Klima-Hilfsfonds

Selbst beim Klima-Hilfsfonds für Entwicklungs- und Schwellenländer bahnt sich Ärger an. Der Green Climate Fund, der ärmeren Staaten eine Anpassung an den Klimawandel und klimafreundliche Entwicklungsprojekte ermöglichen soll, war eines der wenigen konkreten Ergebnisse der bisher 16 Uno-Klimagipfel. Geplant ist, dass ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar (74 Milliarden Euro) eingezahlt werden. Doch Ende Oktober endete ein Vorbereitungstreffen, auf dem die finanzielle Ausgestaltung des Fonds beschlossen werden sollte, ohne Ergebnis - die USA und Saudi-Arabien blockierten eine Einigung. US-Chefunterhändler Todd Stern sagte, die Verhandlungen seien zu hektisch verlaufen. "Aber ich bin zuversichtlich, dass wir die Probleme lösen werden", meinte Stern.

Die vorhergehende Konferenz 2010 in Cancún beauftragte die Delegierten von Durban auch, einen Zeitraum festzulegen, an dem der menschgemachte Treibhausgasausstoß nicht mehr ansteigen darf, sondern vermindert werden muss. Anders als in Kopenhagen waren in Cancún aber keine Regierungschefs aus den wichtigen Industriestaaten anwesend - und auch in Durban werden sie voraussichtlich nicht dabei sein.

Wie die meisten Beobachter erwartet auch Klaus Töpfer vom Klimagipfel in Durban keine klaren Zielsetzungen oder Zeitpläne. Trotzdem gelte: "Man darf nicht resignieren", sagte der Ex-Bundesumweltminister, der bis 2006 das Umweltprogramm der Vereinten Nationen leitete, am Montag im Deutschlandradio Kultur. Jetzt gehe es darum, Wege zu finden, die auch von den Entwicklungsländern mitgetragen werden könnten. Es sei richtig, dass die Verantwortlichen der Staaten wieder zusammenkommen, um die klimabelastenden Stoffe wie Kohlendioxid, Methan und Ozon in den Griff zu bekommen.

Die Industrieländer müssten mit gutem Beispiel vorangehen, forderte Töpfer. "Wir müssen belegen, dass es geht, ohne mehr fossile Energien und ohne Kernenergie wirtschaftliche Stabilität zu erhalten." Gelinge das hierzulande nicht, würde es auch extrem schwer, die Entwicklungsländer davon zu überzeugen. Deutschland sei bereits auf einem guten Weg. Schon jetzt würden etwas mehr als 20 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugt.

BDI-Chef fordert Entgegenkommen von China

Die deutsche Industrie dringt auf ein rasches international verbindliches Klimaabkommen, damit die Wirtschaft weltweit in gleichem Maße belastet wird. CO2-Strafzölle auf Produkte aus Ländern, die beim Klimaschutz nicht mitziehen, lehnte Hans-Peter Keitel aber strikt ab. "Diese Maßnahmen würden Vergeltungsmaßnahmen provozieren zum Schaden der europäischen und insbesondere der exportstarken deutschen Industrie", sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI).

Er forderte insbesondere von China verpflichtende Zugeständnisse zur Minderung der Treibhausgase. "Kyotos alte Zweiteilung der Welt in Industrie- und Entwicklungsländer funktioniert nicht mehr", so Keitel. In der Klimarahmenkonvention heiße es ausdrücklich, dass die Vertragsparteien das Klima "entsprechend ihren jeweiligen Fähigkeiten" schützen sollen. "Doch seit 1990 haben sich die Fähigkeiten beispielsweise Chinas enorm verbessert", betonte Keitel. Ähnlich äußerte sich Uno-Klimakommissarin Connie Hedegaard, die im Interview mit SPIEGEL ONLINE eine neue Klima-Weltordnung gefordert hatte.

Angesichts der zahlreichen Widerstände und unterschiedlichen Interessen kommt immer wieder die Forderung nach einer Koalition der Willigen auf: Ein kleiner Kreis von Staaten, die sich für den Klimaschutz engagieren wollten, könnte allein vorangehen - in der Hoffnung darauf, dass dadurch eine Sogwirkung auf die Unentschlossenen entstehe. Achim Steiner, Chef des Uno-Umweltprogramms Unep, warnte jedoch davor. "Wir brauchen das globale Instrument der Klimarahmenkonvention, um Klimapolitik mittel- bis langfristig auch weltweit umsetzen zu können", sagte Steiner.

Wenn sich die Staatengemeinschaft nicht auf einen gemeinsamen Ansatz in der Energiepolitik oder der Landwirtschaft verständige, drohe "ein Wettbewerbskampf, der die Klimapolitik nur zurückhalten wird". Zugleich verwies er darauf, dass ein Kontinent wie Afrika das Nachsehen haben könnte, "wenn jeder nur noch für sich selbst agiert". Es gehe jetzt daher auch darum, das Vertrauen nicht zu verspielen.

mbe/dapd/dpa/AFP

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
insgesamt 22 Beiträge
systemzweifler 28.11.2011
Von höherer Warte aus betrachtet wird das Ganze langfristig unter dem Begriff 'Evolution' abgehandelt! Oder?
Von höherer Warte aus betrachtet wird das Ganze langfristig unter dem Begriff 'Evolution' abgehandelt! Oder?
Nordstern12 28.11.2011
Nur einige Staatsoberhäuptern fliegen nach Durban. Das zeight das COP17 eigentlich ohne Bedeutung ist. Aber die Hollywood "aktivisten" werden da sein: [...]
Nur einige Staatsoberhäuptern fliegen nach Durban. Das zeight das COP17 eigentlich ohne Bedeutung ist. Aber die Hollywood "aktivisten" werden da sein: http://newnostradamusofthenorth.blogspot.com/2011/11/cop17-world-leaders-stay-home-but.html
thrasybulos 28.11.2011
Wenn die Faktenlage nicht ausreicht, muß eben auf "Wunder" gesetzt werden.
Wenn die Faktenlage nicht ausreicht, muß eben auf "Wunder" gesetzt werden.
taggert 28.11.2011
Ein kleiner Kreis von Staaten, die sich für den Klimaschutz engagieren wollten, könnten allein vorangehen - in der Hoffnung darauf, dass dadurch eine Sogwirkung auf die Unentschlossenen entstehe. ------------------- Wie Naiv [...]
Ein kleiner Kreis von Staaten, die sich für den Klimaschutz engagieren wollten, könnten allein vorangehen - in der Hoffnung darauf, dass dadurch eine Sogwirkung auf die Unentschlossenen entstehe. ------------------- Wie Naiv ist das denn bitte? Inzwischen sollte doch wohl Jeder wissen, das es zumindest den USA völlig egal ist wie viele Länder sich für eine Sache engagieren... Und so lange die Ammis eine Blockadehaltung aufweisen, werden die Chinesen es ihnen gleich tun. Wer sorgt denn Weltweit für die größten CO2 Emissionen? So lange die USA und China in der Geschichte stur bleiben, und ich bin mir sicher das werden Sie, wird sich genau mal gar nichts ändern. Und wenn alle anderen Staaten sagen "Ok, wir stoßen kein CO2 mehr aus" sehen diese beiden Länder das ganze doch nur als Einladung, dafür selbst das doppelte an CO2 rauszupusten. Also die Geschichte ist und bleibt in meinen Augen total hoffnungslos.
shechinah 28.11.2011
LOL, nur 0,00152 Prozent des CO2 in der Atmosphäre stammt vom Menschen. Welche Auswirkung auf das so genannte "Klima", hätten wohl die geforderten vwerminderung von 20 oder sogar 50 Prozent davon - das wären dann 0,0007 [...]
LOL, nur 0,00152 Prozent des CO2 in der Atmosphäre stammt vom Menschen. Welche Auswirkung auf das so genannte "Klima", hätten wohl die geforderten vwerminderung von 20 oder sogar 50 Prozent davon - das wären dann 0,0007 Prozent Einsparung? Und diese 0,0007% kosten uns dann Jährlich 74 Milliarden Euro. Tolle Wurst.
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Natur
alles zum Thema Uno-Klimakonferenz in Durban 2011

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Verwandte Themen

AP
Jeder Mensch trägt täglich weiter zur Erderwärmung bei - mit Steak-Konsum, Flügen nach Mallorca und der Autofahrt ins Büro. Kennen Sie Ihre persönliche CO2-Bilanz? Finden Sie es heraus im Klima-Quiz von SPIEGEL ONLINE.

Klimaforschung in der Krise




TOP



TOP