Erdgipfel Rio+20 Uno will Wende zur grünen Weltwirtschaft

Eindämmung der Armut, Schonung von Klima und Umwelt - die Uno-Erklärung des Gipfels von Rio sieht einen Umbau der Weltwirtschaft vor. Naturschutzverbände sprechen von einer Farce, Umweltminister Altmaier verteidigt den Kompromiss.

Debatte auf dem Uno-Gipfel Rio+20: "Der Hammer ist gefallen"
UN/ Mark Garten

Debatte auf dem Uno-Gipfel Rio+20: "Der Hammer ist gefallen"


Hamburg/Rio de Janeiro - Der Uno-Gipfel in Rio, an dem über hundert Staats- und Regierungschefs teilnehmen, will am Freitag eine Deklaration mit dem Titel "Die Zukunft, die wir wollen" verabschieden. Die rund 50 Seiten starke Deklaration soll ein klimafreundliches Wirtschaftsmodell auf den Weg bringen. Zudem soll der Verbrauch von Öl, Kohle und Gas eingedämmt werden.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hat davor gewarnt, den Kompromiss schlecht zu reden. Mit Blick auf die geplante Deklaration, die Umweltschützer als viel zu unverbindlich und inhaltsarm bezeichnen, sagte er dem rbb-Inforadio: "Sie ist alles andere als armselig." Dank des Einsatzes der Europäer und Deutschlands sei es möglich gewesen, die Papiere, die allesamt nicht sehr ehrgeizig waren, noch einmal wesentlich zu verbessern.

"Dieser Text hat zumindest den Vorteil, dass wir zum ersten Mal anerkennen, dass sich die Weltwirtschaft umbauen muss in eine grüne Wirtschaft, in der man schonend mit den natürlichen Lebensgrundlagen Luft, Wasser und Rohstoffen umgeht", sagte Altmaier. Außerdem hätten sich alle Beteiligten zur Aufwertung des Uno-Umweltprogramms bekannt.

Die geplante Abschlusserklärung wird nach allgemeiner Einschätzung ohne Veränderungen bei dem Gipfel angenommen werden. "Das Dokument von Rio+20 ist in den Verhandlungen schon abgeschlossen. Der Hammer in Rio de Janeiro ist gefallen", sagte Mexikos Umweltminister Juan Rafael Elvira Quesada der Nachrichtenagentur dpa. Bundesumweltminister Altmaier sieht in dem Text eine "tragfähige Grundlage". Es zeichne sich ab, dass die große Mehrheit der Staaten damit leben könne.

Betriebsanleitung für eine bessere Zukunft?

In der rund 50 Seiten starke Deklaration heißt es unter anderem: "Die Beseitigung der Armut ist die größte globale Herausforderung, vor der die Welt heute steht, und unverzichtbare Bedingung für nachhaltige Entwicklung." Eine zentrale Rolle spielt in dem Dokument das Konzept einer "Green Economy" (grünen Ökonomie). Zudem soll ein Prozess zur Entwicklung von Nachhaltigkeitszielen angeschoben werden.

Den Europäern geht die Erklärung in einigen Punkten gleichwohl nicht weit genug. Brasiliens Gipfelkoordinator Luiz Alberto Figueiredo Machado aber betonte mit Blick auf solche Ansprüche: "Man kann nicht ehrgeizigere Aktionen fordern und keinen Ehrgeiz bei der Finanzierung haben. Man muss Geld auf den Tisch legen." Ansonsten sei dies "zumindest unstimmig".

Umweltschutzorganisationen halten den Gipfel für gescheitert, da es beim Meeres- oder Waldschutz keine Fortschritte gebe. Auch fehlten klare Ziele und Fristen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte am Donnerstag die Staats- und Regierungschefs auf, die derzeitige Rio-Abschlusserklärung abzulehnen. "Nachhaltigkeit droht in Rio endgültig zur Farce zu werden", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.

"Was wir uns von Rio erhofft hatten, war eine Art konkrete Bau- oder Betriebsanleitung für eine bessere Zukunft", teilte der Naturschutzpolitische Direktor der Naturschutzstiftung Euronatur, Lutz Ribbe, mit. "Was wir stattdessen bekommen haben, ist ein aufgewärmter Abklatsch längst beschlossener und vereinbarter Erklärungen."

Der Bundesverband der Industrie (BDI) wies eine zu harsche Kritik zurück. "Enttäuscht sein kann nur, wer mit unrealistischen und überhitzten Erwartungen nach Rio gereist ist", teilte der BDI in Berlin mit.

boj/dpa



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insgesamt 5 Beiträge
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otto_iii 21.06.2012
1. Zur Schonung von Umwelt und Steuerzahler
sollten solche "Umweltgipfel" künftig nicht mehr durchgeführt werden. Es kommen sowieso nur schwammige Absichtserklärungen dabei raus, über die man sich ganz offensichtlich schon vorher online verständigen konnte. Ich habe kein Verständnis dafür, wenn jetzt ein paar hundert oder gar tausend Leute nach Rio jetten und sich dort ein paar schöne Tage auf Kosten der Allgemeinheit machen. Wenigstens wertet Angela Merkel diesen Quatsch nicht noch durch ihre Anwesenheit auf, sondern fährt lieber nach Danzig zum Fußballgucken.
audax 21.06.2012
2.
Zitat von sysopUN/ Mark GartenEindämmung der Armut, Schonung von Klima und Umwelt - die Uno-Erklärung des Gipfels von Rio sieht einen Umbau der Weltwirtschaft vor. Naturschutz-Verbände sprechen jedoch von einer Farce, Umweltminister Altmeier verteidigt den Kompromiss. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,840215,00.html
Hat dort in Europa überhaupt jemand die kleinste Idee was in diesem "Rio+ 20" eigentlich so passiert? Die Herrschaften sprechen von "grüner Wirtschaft" ?? Hier sollte mal ein Reporter vom Spiegel nachschauen wieviel abertausende Liter Sprit PRO TAG von dieser pathetischen "Versammlung" in die Luft gejagt werden ! Die ganze Südzone von Rio ist von tausenden MIlitärs und Polizei abgesperrt. Damit wohl ein Typ wie Ahmadineschad gemütlich mit Geleitzug von seinem feudalen Hotel ins RioCentro "gleiten" kann. Die halbe Stadt steht still, abertausende ARBEITENDE Brasilianer stehen stundenlang im Stau. Diese ganzen "Umwelttouristen" hängen uns hier zum Hals heraus, die quasseln allen möglichen Mist geben aber OH NEIN kein Beispiel! Der einzige Lichtblick war das junge Mädchen das die pompösen Herrschaften fragte: " Wollt Ihr euren Hals retten oder unseren, den der nächsten Generation die diese ganze Farce ausbaden wird? Wohlweislich war der Generalsekretaer der UNO
gudrunvth 21.06.2012
3. 2. der Beiträge
Selbst in Rio lebend seit 51 Jahren kann ich dem 2. Beitrag in jeder Hinsicht nur zustimmen. Man hat das Gefühl man lebe in einer sich im Kriege befindlichen Stadt, so gross das Sicherheitsaufkommen. Einzugehende Kompromisse sind noch lascher geworden als bisher in dem zu unterzeichnenden Protokoll. Alle streben nach einem Rio 40 oder Rio sogar Rio 60: nach mir die Sintflut. Rio Eco 2002 wurde durch diesen Gipfel mehr zerstört als aufgebaut. Es sollte eigentlich nicht von einem Aufbau geredet werden, sondern von einer Umwelt-Lösung. Die hiesigen Tageszeitungen berichten bereits von einem grossen Misserfolg in jeder Hinsicht. Wahrscheinlich mit etwas Schönreden und Umwelt-Make-up wird dieser aufwendige Wahnsinn gerechtfertigt. Sehr, sehr traurig.
Ursprung 22.06.2012
4. Wachstumschimaere (1)
Zitat von sysopUN/ Mark GartenEindämmung der Armut, Schonung von Klima und Umwelt - die Uno-Erklärung des Gipfels von Rio sieht einen Umbau der Weltwirtschaft vor. Naturschutz-Verbände sprechen jedoch von einer Farce, Umweltminister Altmeier verteidigt den Kompromiss. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,840215,00.html
Die Erde waechst nicht ausser zeitlich und raumveraendernd ihrem Hitzetod in der Sonne entgegen. Es kann also kein Wachstum auf der Erde geben, nur rumpendeln um den gleichen Gesamtneutralpunkt. Auch 7 Milliarden von uns waren fuer die Erde oder Biosphaere kein Wachstum, nur Verschiebung innerhalb der Biomasse (andere oder die Vielfalt werden um den gleichen "Betrag" weniger). Gleiches gilt in der Technologie: ist auch nur Verschiebung von Rohstoffen von A nach B. Im Gegenteil: je mehr Technologie wir machen, umso mehr strahlt die Erde Energie in den Weltraum, schrumpft also. Physikalisch, logisch, wissenschaftlich kann es also nie Wachstum auf dem Raumschiff Erde geben, sondern nur Verluste. Schon nach dem Energieerhaltungssatz. Meteoriten lasse ich mal aus. Es passiert -aus die Maus- oder halt nicht bisher, wir haben noch Dusel. Zurueck zum Wachstum: wer Wachstum schreit, Hollande, neuerdings wieder Merkel oder die Oekonomie und Finanzakrobaten, sagen in Wahrheit: wir wollen jemandem anderem was wegnehmen, damit dies bei mir mehr wird! Wobei Hollande in F vielleicht die bisher reich gewordenen der Welt als Zielpersonen meint, die Finanzakrobaten dagegen Jene, die ohnehin wenig haben oder sie wollen Gleichgesinnte auffressen und sich deren geldmateriellen Wert selber aneignen. Dieser Kannibalismus heisst bei uns zur Zeit euphemistisch Weltwirtschaftsystem oder "freier Handel" oder Schutzzoelle oder Marktwirtschaft oder wirtschaftliche Sanktionen oder Ausbeutung anderer: es hat viele kreative Namen, ist aber immer dasselbe. Also kein Ausweg?
Ursprung 22.06.2012
5. Entwicklung (2)
Zitat von sysopUN/ Mark GartenEindämmung der Armut, Schonung von Klima und Umwelt - die Uno-Erklärung des Gipfels von Rio sieht einen Umbau der Weltwirtschaft vor. Naturschutz-Verbände sprechen jedoch von einer Farce, Umweltminister Altmeier verteidigt den Kompromiss. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,840215,00.html
Es gaebe Wege zur gedeihlichen Weiterexistenz der Menschen bei einigermassen akzeptabler Biospaere bis zum Zeitpunkt ein bisschen vor dem endgueltigen Vergluehen in der Sonne. Und wir haetten die Werkzeuge aus der Technologie dazu schon jetzt in der Hand. Wir braeuchten die Erde womoeglich nur ein paar Minuten frueher in der Sonne vergluehen lassen, das wird keiner von uns oder unseren Biogenossen auf der Erde je merken, weils uns dann schon lange nicht mehr geben wird, waere also subjektiv unschaedlich und objektiv egal. Wir koennten naemlich die Gravitation unserer Erde anzapfen, sie damit notgedrungen (Energieerhaltungssatz) etwas relativ im Raum abbremsen oder an einen anderen Ort mit niedrigerem Energiegehalt bringen (eine vermutbare Folge bei Gravitatiosnklau). Die daraus abgezweigte Energie jedenfalls ist ueberall auf dem Erdball abgreifbar, man braeuchte nicht mal Fernnetze fuer den Strom, den man in Huelle und Fuelle dann ueberall dezentral haette. Da koennten wir auch das Vielmehrfache der bisherigen Milliarden von uns versorgen und nichts aber auch gar nichts wird dadurch versaut, vergiftet, aufgeheizt. Ist eine deutsche Technologie, Funktionsfaehigkeit nach allen und besten Ingenieursregeln schon durchgerechnet, verwendbare Industriestandardteile schon in Produktion. Bei dem daraus nachfolgenden, wohl noch staerkerem Gedeihen unserer Spezies haetten wir dann allerdings die Scheisse von 50 Milliarden am Hals, kein Pappenstil mehr. Und die Tiere und Baueme haetten auch weniger Platz. Aber wir koennten ja auf die Weltmeere ausweichen. Die Fische wirds auch nicht stoeren, eher im Gegenteil. Auch dort koennten wir unsere Energie aus der Gravitation ziehen und von mir aus neue Kontinente dort schwimmen und sich selber versorgen lassen. Die haetten zudem noch den Vorteil einer Erdbeben- und Tsunamiresistenz. Auch fuer unsere Hauptabfaelle: Kot, Urin und Plastik gibts bereits eine Verwendungs-Technologie, sogar gleich zwei: unsere Ausscheidungen kann man umweltverbessernd mitsamt allen je anfallenden Plastikabfaellen (je mehr von beiden umso besser) zu Dieseloel DIN 590 machen. Ist ein deutsches Patent, Pilotanlage laeuft schon. Und einen abgezweigten Teil unserer Ausscheidungen koennten wir mit Aktivkohle zu Terra preta machen und damit unseren Nahrungsmittelbedarf ohne weitere Waldrodungen bei gesundestem Pflanzenwuchs (Eiweissbedarf aus Insektenzuechtungen) schon nach heutigem Wissen um rund das Vielffache des jetzt Moeglichen erhoehen. Auch diese Technologie gibts schon: die Hamburger Abwasserwerke duengen damit Parks (welch ein Treppenwitz!) und eine Firma in der Eiffel verschickt Terra preta als hochwirksamen Blumentopfhumus. Die Hollander verschicken schon Insektensteaks a la carte.
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