Uno zum Klimawandel "Größte Gefahr in der Geschichte der Menschheit"

Politiker haben auf dem Uno-Gipfel in New York eindringlich vor dem Klimawandel gewarnt. Die EU hat strikte Senkungen ihrer Treibhausgasemissionen angekündigt.

Präsident der Komoren Ikililou Dhoinine: Hilfe für arme Länder gefordert
AFP

Präsident der Komoren Ikililou Dhoinine: Hilfe für arme Länder gefordert


Hamburg/New York - Mit mehr als hundert Staats- und Regierungschefs haben die Vereinten Nationen versucht, auf ihrem Gipfel neuen Schwung in die Debatte um den Klimaschutz zu bringen. Abgesandte aus allen Teilen der Welt forderten am Dienstag konkrete Schritte, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wurde von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) vertreten.

EU-Kommissionschef José Manuel Barroso hat verbindliche Klimaziele der Europäischen Union und Unterstützung von Entwicklungsländern versprochen. Bis 2030 würden die Länder der EU 40 Prozent ihrer Treibhausgasemissionen und 30 Prozent ihres Energieaufwands einsparen, sagte Barroso am Dienstag am Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York. Bis 2050 sollen sogar bis zu 95 Prozent der Emissionen eingespart werden. "Die EU wird bereit sein", sagte Barroso. "Wir werden in diesem entscheidenden Kampf nicht versagen."

Frankreich will den Klimafonds der Vereinten Nationen mit einer Milliarde Dollar unterstützen. Sein Land werde die umgerechnet etwa 780 Millionen Euro "innerhalb der nächsten Jahre" zur Verfügung stellen, sagte Präsident François Hollande am Dienstag auf dem Uno-Klimagipfel in New York. "Klimawandel führt zu mehr Flucht und Vertreibung als Krieg", sagte Hollande. Frankreichs Beitrag sei eine "Investition in die Zukunft" und ein "Beitrag zur Solidarität innerhalb der Menschheit".

"Sie können Geschichte schreiben"

Auch Deutschland und andere Staaten planen Milliarden-Hilfen für arme Länder. Entwicklungsländern versprach der EU-Kommissionschef zudem in den kommenden sieben Jahren finanzielle Subventionen in Höhe von drei Milliarden Euro zur Unterstützung ihres Aufbaus von nachhaltigen Energieformen.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon nannte den Klimawandel die größte Gefahr in der Geschichte der Menschheit. "Wir haben uns noch nie solch einer Herausforderung gegenüber gesehen. Die menschlichen, ökonomischen und ökologischen Kosten des Klimawandels werden bald untragbar sein", sagte der Koreaner.

"Der Klimawandel bedroht den so hart errungenen Frieden, unseren Wohlstand und die Chancen für Milliarden Menschen. Er ist die prägende Aufgabe unserer Zeit. Unsere Antwort wird die Zukunft entscheiden." Ban forderte alle Regierungen auf, bis zum Klimagipfel in Paris zum Ende des nächsten Jahres "ernsthafte Zusagen" zur Reduzierung ihres CO2-Ausstoßes zu machen.

Der Vorsitzende des Weltklimarats IPCC, Rajendra Pachauri, mahnte zu Taten. "Unsere Zeit zum Handeln läuft aus", sagte er. Ansonsten drohten unter anderem Wasser- und Lebensmittelmangel. Geld sei keine Ausrede. "Uns wird gesagt, dass der Kampf gegen den Klimawandel zu teuer sein wird. Das stimmt nicht. Wartet ab, bis wir die Rechnung für das Nichthandeln bekommen."

"Dieses Gremium muss vielleicht mehr als irgendein anderes Gremium jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit diese schwierige, aber machbare Aufgabe angehen", sagte Hollywood-Star Leonardo DiCaprio. "Sie können Geschichte schreiben oder von der Geschichte verteufelt werden."

Zehn Fakten zu den Klimaverhandlungen

boj/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hansulrich47 23.09.2014
1. Was für eine Geldverschwendung!
Die 'armen' Länder sehen doch hier nur eine Chance einafch an Geld zu kommen! Wenn ich an das Bild aus Freetown denke, auf dem am total versiften Flussufer jede Menge Menschen im Müll stehen und einer davon wohl gerade ein Geschäft verrichtet, da gäbe es was zu tun. Und zwar etwas ganz simples: Aufräumen. Aber die brauchen dort sogar Helfer aus der ersten Welt, die Latrinen bauen, obwohl das nicht so kompliziert ist, oder??? Aber Geld zum Kauf von Luxusgütern für die herrschende Clique, das ist willkommen und geht vor jeder Verbesserung der sozialen Struktur. Ziemlich hoffnungslos!
spiegelinator 23.09.2014
2. Was ist mit China???
China mit vielen Städten geht im Smog unter und vergiftet mit seiner Unterlassungs Politik Millionen von Menschen und schaut zu. So ein Land soll im Klimagipfel was beitragen???
atheltic-dept. 24.09.2014
3.
Woher nimmt Frankreich 780 mio €uro? Wieder wurde ein Mythos erschaffen, an dem sich ordentlich verdienen lässt. Siehe auch: Zugang zur Bildung, Sexismus, Integration.
LouisWu 24.09.2014
4. Dollars...
Was werden die "Entwicklungsländer" wohl mit dem Geld machen? Sich entwickeln? Das ist wohl nicht zu erwarten, betrachtet man den nicht vorhandenen Effekt der Milliarden an EW-Hilfe, die schon in Afrika versenkt wurden. So wird das Geld wieder zurückfließen in unsere Industrien zum Kauf von Waffen, Luxuslimousinen und anderem Schnickschnack, von dem die Bevölkerung nichts hat. Wartet lieber ab, was das Klima wirklich macht und handelt erst dann. Der Klimawandel wird eher positive Wirkungen haben, wenn man die Epochen der Erdgeschichte zum Massstab nimmt, in denen es wesentlich heißer war als heute. Warme Zeiten waren immer(!) gute Zeiten für das Leben auf der Erde. Kaltzeiten waren die Hölle....
Fricklerzzz 24.09.2014
5. Jetzt bekunden alle wieder Unterstützung
Tun aber alles um den CO² Ausstoss zu maximieren. Das ist zwar nicht ihr Ziel, aber das Ergebnis ihrer Bemühungen. Ob dann 1 Mrd. Schmerzensgeld gezahlt wird ist doch völlig egal. Der CO² Austoß wird nicht fallen sondern steigen, das war bis jetzt immer so und die Staaten haben auch dieses mal genau das selbe Geschwafel von sich gegeben wie immer. Die UNO-Klimakonferenz ist eine reine Alibi-Veranstaltung. So in etwa wie die Schmerzensgeldzahlung von Vielfliegern mit schlechtem Gewissen. Wie ich aus informierten Kreisen weiß, ist auch die Zahlungsmoral bei den versprochenen Schmerzensgeldbeträgen nicht sonderlich gut. Ohne Restriktionsschwert ist das UNO-Klimarefferrat ein machtloser Papiertiger ohne jeglichen Erfolg. Aber das wollen die Politiker ja auch so. Ausserdem gibts da viele gut dotierte Pöstchen. Man hatte ja auch gehofft, das mit dem Emissionszertifikatehandel noch Geld reinkommt, das ist aber wegen zu vieler Freikarten zum Witz degradiert worden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.