Weltklimakonferenz Amerikas Klima-Rebellen

Die offizielle US-Delegation hat sich 2015 noch dem Klimaschutz verschrieben. Unter Trump sind die Verhandler zum Schweigen verdonnert. Eine alternative Abordnung der USA will nun den Klimaschutz an sich reißen.

Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown beim Weltklimagipfel in Bonn
AFP

Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown beim Weltklimagipfel in Bonn

Von , Bonn


US-Delegation II gegen US-Delegation I: Am Montagabend wurde es auf der Weltklimakonferenz in Bonn plötzlich krawallig. Regierungsvertreter der USA wollten über "saubere fossile Energien" sprechen, also zum Beispiel über Kohleverbrennung, bei der weniger Treibhausgas entsteht. Doch die Debatte wurde von Hunderten Aktivisten überschrien.

Der Vorwurf der Demonstranten: Die US-Regierung unter ihrem Präsidenten Donald Trump würde den Treibhausgasausstoß der USA nicht bremsen, das Klima weiter erwärmen. Die Rebellen beriefen sich ihrerseits auf eine Abordnung der USA auf der Klimakonferenz, aber auf eine neue: Auf jene mit dem größten Vertretungsbüro einer US-Vertretung aller Zeiten und dem größten auf der Bonner Konferenz: einem 2500 Quadratmeter großen Zelt, dem "Climate Action Dome".

Bonn: US-Vertreter wollen auf Podium (im Hintergrund) über saubere Kohle sprechen, Aktivisten singen sie nieder
WITTEK/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Bonn: US-Vertreter wollen auf Podium (im Hintergrund) über saubere Kohle sprechen, Aktivisten singen sie nieder

Auch dort treten Politiker der USA auf - allerdings als Gegner ihrer Regierung, die nach dem von Trump angekündigten Austritt der USA aus dem Weltklimavertrag erstmals kein Vertretungsbüro auf einer Klimakonferenz eröffnet hat. "Grüße vom offiziellen Widerstand gegen die Trump-Regierung", rief dort beispielsweise der kalifornische Senator Ricardo Lara.

Die USA sind gespalten, auch auf der Weltklimakonferenz.

"Wir sind mächtig"

"We are still in" - "Wir sind noch dabei" - steht als Leitspruch über dem Zelt der inoffiziellen US-Delegation, die angeführt wird vom kalifornischen Gouverneur Jerry Brown und Michael Bloomberg, dem Uno-Sondergesandten für Klimaschutz und ehemaligen New Yorker Bürgermeister. Der verglich die Kohle-PR-Veranstaltung mit Werbung für Tabak auf einem Krebskongress.

"We are still in" ist ein Versprechen - und genauso hat sich das Bündnis genannt: "America's Pledge". Der Zusammenschluss von 250 Städten und Landkreisen sowie neun US-Bundesstaaten und 1700 Unternehmen - darunter Amazon, Apple, Facebook, Google und Microsoft - soll die Ehre der USA retten und das Klima gleich mit. Im Gegensatz zur Regierung will das Bündnis jene CO2-Menge einsparen, die die USA in den Selbstverpflichtungen zum Klimavertrag 2015 versprochen haben.

Zusammengerechnet verfüge "America's Pledge" über die drittstärkste Wirtschaft der Welt, nach den USA und China. Doch würde das Bündnis dem aktuellen Stand seiner CO2-Einsparung zufolge die Ziele der USA aus dem Klimavertrag ebenso verfehlen.

Ihre Anstrengungen könnten die ausbleibenden Anstrengungen der US-Regierung bislang nicht wettmachen, räumte die alternative US-Delegation in Bonn ein.

"Er ist ein Held"

Doch das soll sich ändern: "Die USA sind ein föderales System, Bundesstaaten sind mächtig", sagt Brown, der seine Initiative am Dienstag in der deutschen Delegation vorstellt. Ein "Held" sei Brown, lobte der deutsche Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth.

Schon 2015 hatte Brown gemeinsam mit dem Land Baden-Württemberg und zehn weiteren Partnern ein internationales Bündnis für den Klimaschutz ins Leben gerufen. Diese "Under2 Coalition" sei nun in Bonn mit einer weiteren Gruppe verschmolzen und bestehe weltweit aus mehr als 200 Partnern.

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Die weltweite Initiative repräsentiert nach Browns Angaben 1,3 Milliarden Menschen und ein Drittel der globalen Wertschöpfung. Deutschland unterstütze die "Under2 Coalition" vollumfänglich, sagte Flasbarth. Die Trump-Regierung fördere indirekt den Klimaschutz, indem sie alternative Bewegungen wie die "Under2 Coalition" anstachelte.

Mitleid mit offiziellen US-Delegierten: "Sie wirken verloren"

Die Uno-Klima-Chefin ist begeistert: "Ich applaudiere, ich liebe euch dafür", sagte Patricia Espinosa in Bonn. Dass die CO2-Einsparungen aber offiziell im Klimavertrag angerechnet werden, scheint Delegierten rechtlich einstweilen unmöglich.

Trotz aller Proteste - bei manchen Teilnehmern der alternativen US-Delegation überwiegt Mitleid mit Verhandlern in der offiziellen Delegation der USA, schließlich handelt es sich meist um jene, die erfolgreich den Weltklimavertrag 2015 in Paris mitverhandelt hatten.

"Sie wirken verloren, müssen nun einer neuen Politik folgen und haben anscheinend Angst, Dinge zu machen, die der Trump-Regierung nicht passen", sagt ein erfahrener Teilnehmer.

Eben noch waren sie die Führer der Klimaverhandlungen, jetzt sind die zum Schweigen verdonnert. Nicht nur der Krawall, auch das Schweigen beweist die Spaltung der USA.



insgesamt 12 Beiträge
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lomax3030 14.11.2017
1. Sonnenenergie
Gerade in den von Ihnen genannten Staaten Kalifornien und Texas steht Sonnenenergie in Hülle und Fülle zur Verfügung. In Oregon gibt es viele Projekte des Clean Energy Centers. New York ist da schon Problematischer, aber auch dafür wird es Lösungen geben. Es gibt keine Alternativen zum Verzicht auf Kohle für kommende Generationen.
tinnytim 14.11.2017
2. Clean Coal
Jedes mal, wenn ich etwas über Clean Coal lese, frage ich mich, ob die gleichen Ingenieure damals auch den Katalysator für den Zweitaktmotor empfohlen hätten, damit er nicht mehr so dreckig ist. Eine ineffektive alte Technologie durch etwas neues -im Fall von Clean Coal hochexperimentelles- etwas sauberer zu machen, ist schlicht Resourcenverschwendung.
urbanism 14.11.2017
3. Mehr Show als Klimarettung...
m.E. erinnert mich das Szenario stark an die CSU. Einfach mal Krawall und Kontra geben um zu Retten was zu retten ist. Saubere Fossile Energiegewinnung hört sich blumig an, ist aber unter dem Strich einen riesen Verlustgeschäft da die technische Umsetzung sehr teuer ist. Der Bau von Windkrafträder oder Solaranlagen wäre hier günstiger und würde der Umwelt weit aus mehr bringen. Das man sich dazu noch auf die Unterstützung von Weltkonzernen beruft, die nicht dafür berühmt sind in mittelalterliche Technologien Geld zu Pumpen sondern eher in Zukunftsweisende Neuentwicklungen, zeigt eigentlich dass hier mehr Show betrieben wird als dass die USA Delegation 2, ernsthaft daran interessiert ist, bestimmte Klimaziele zu erreichen
Das Pferd 14.11.2017
4.
Bildunterschrift: "Bonn: US-Vertreter wollen auf Podium (im Hintergrund) über saubere Kohle sprechen, Aktivisten singen sie nieder" Auch wenn ich inhaltlich natürlich bei den jungen Leuten bin, die Form ist unter aller Sau. Man lässt Menschen, die eine andere Meinung haben, ausreden. Man kann ja seine Meinung dagegen setzen, wenn man, wie in Bonn derzeit, in der erdrückenden Mehrheit ist, ist das sogar sehr einfach. Aber ich habe mein Problem mit Trillerpfeiffen, Trommen, Niedersingen, Sprechchören, entlarven usw. Auch und grade wenn ich in der Sache mit den Schreihälsen einer Meinung bin.
veleg 14.11.2017
5. Radioaktiver Abfall
Man könnte ja auch mal auf den radioaktiven Abfall hinweisen der durch Windkraftanlagen entsteht!!! http://instituteforenergyresearch.org/analysis/big-winds-dirty-little-secret-rare-earth-minerals/
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