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Warschauer Klimakonferenz: Teilsieg für die Armen

Ein Kommentar von , Warschau

Flut in Pakistan: Anerkennung der Wetterextreme Zur Großansicht
dpa

Flut in Pakistan: Anerkennung der Wetterextreme

Selten gab es an einen Uno-Klimagipfel so geringe Erwartungen wie jetzt in Warschau. Gemessen daran hat die Konferenz Beachtliches erreicht: Die alte Trennung der Welt in Industrie- und Entwicklungsländer ist ins Wanken geraten.

Aus Sicht der meisten Klimaschützer war der Uno-Gipfel von Warschau alles andere als ein Triumph. "Farce" und "Fiasko" sind nur einige der Begriffe, mit denen Umweltverbände die Konferenz - die sie vorzeitig verließen - nun belegen. Allerdings: Von der Tagung, die nur eine Etappe auf dem Weg zum nächsten großen Klimaabkommen sein sollte und die im kohlefreundlichen Polen stattfand, hatte ohnehin niemand Großes erwartet. Gemessen daran hatte sie zwei beachtliche Ergebnisse, die in Zukunft eine ungeheure Wirkung entfalten könnten.

Das vielleicht wichtigste Resultat: Die jahrzehntealte starre Trennung nach Industrie- und Entwicklungsländern, einst festgeschrieben im Kyoto-Protokoll, existiert in dieser Form nicht mehr. Sie hatte in den vergangenen Jahren jedes Vorankommen verhindert. In Warschau wurde nun beschlossen, dass der neue internationale Vertrag, der 2015 in Paris verabschiedet werden soll, für alle Staaten gelten wird. Rechtskräftig.

Natürlich heißt das nicht, dass Papua-Neuguinea seine CO2-Emissionen demnächst ebenso senken muss wie die USA. Die künftigen Aufgaben in Sachen Klimaschutz werden sich nach Verantwortung und Fähigkeiten der Einzelstaaten richten. Welche Kriterien das sein werden und wie man sie gewichtet, wird noch lange Verhandlungen erfordern, viel Streit auslösen. Aber: Es werden im besten Fall Kriterien sein, die auf nachprüfbaren Daten basieren. Etwa auf dem CO2-Ausstoß pro Kopf, den historischen Emissionen, der Wirtschaftsleistung oder dem individuellen Einkommen.

Die alte Trennung der Welt in zwei Blöcke war schon lange von der Realität überholt. China etwa ist schon seit Jahren der mit Abstand größte CO2-Emittent der Welt und hat auch bei den Pro-Kopf-Emissionen die Industrieländer eingeholt. Der durchschnittliche Chinese bläst inzwischen ebenso viel CO2 in die Luft wie der durchschnittliche EU-Bürger.

Dennoch haben China und andere Schwellenländer auch in Warschau jenes Argument bemüht, das in den vergangenen Jahren jeden Fortschritt blockierte: Die Entwicklungsländer hätten ein Recht auf ungebremste wirtschaftliche Entwicklung, die Industrieländer die Verantwortung für den bisherigen Klimawandel und damit auch den Klimaschutz.

So zu argumentierten, dürfte nun schwieriger werden: Die Verantwortung für den Klimawandel muss sich China künftig mit den Industrieländern teilen. Für andere Schwellenländer wie Indien oder Brasilien wird eher früher als später das gleiche gelten. Der Knoten ist noch nicht zerschlagen, aber er ist gelockert. Der Beschluss von Warschau lässt es möglich erscheinen, dass es in Zukunft zügiger vorangeht.

Der zweite große Fortschritt: Die Verluste und Schäden durch Wetterextreme, die der Klimawandel künftig zu verschärfen droht, werden als solche von der Uno anerkannt. Sie bekommen einen eigenen Platz in den Verhandlungen. Zwar konnten sich die Entwicklungsländer nicht mit der Forderung durchsetzen, diesen Prozess weit oben in der Hierarchie der Uno-Klimarahmenkonvention einzuordnen.

Dennoch ist es den armen Staaten gelungen, einen Teilsieg davonzutragen: Die Weltgemeinschaft hat nun offiziell anerkannt, dass die Milderung von Verlusten und Schäden ("Loss and Damage") nicht einfach nur zur Anpassung an die Klimawandelfolgen gehört. Sie stellt vielmehr fest, dass die Erwärmung an vielen Orten schon jetzt Spuren hinterlässt, es dort also für reine Anpassungsmaßnahmen schon zu spät ist. Wie wichtig den Entwicklungsländern das war, zeigte sich im dramatischen Finale des Warschau-Gipfels. Er wäre an dieser Frage beinahe noch gescheitert.

Auch hier besteht kein Grund zur Euphorie: Was die Entwicklungsländer am Ende von der neuen Arbeitsgruppe haben, ist ebenso offen wie die Frage, ob der "Warschau-Mechanismus für Schäden und Verluste" tatsächlich ab 2016 einen höheren Status genießen wird.

Mit einigem Glück wird der Gipfel von Warschau als derjenige in die Geschichte eingehen, der dem Klimaschutz nach dem Debakel der Kopenhagen-Konferenz von 2009 und dem Zusammenbruch des Kyoto-Prozesses endlich wieder eine Perspektive gegeben hat.

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insgesamt 15 Beiträge
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1. Co2
derweise 23.11.2013
CO2 entsteht bei jeder Verbrennung. Ohne CO2 geht es nicht!
2. ha ha ha
edtru 23.11.2013
das ich nicht lache das die Leute auch was bekommen das geld verschwindet in den Taschen der Politiker genau wie jetzt in den Philippinen wo ich lebe wenn die Menschen hier was bekommen dann mal eine Tüte Wasser und ein paar Kekse höchstens bekommen Sie was von den Helfern vor Ort
3. zum totlachen
edtru 24.11.2013
da ich auf den Philippinen lebe kann ich vieles anders beurteilen als von Europa aus .Umweltschutz ist hier ein Schimpfwort das interessiert hie nimand und gelder die hierher fließen gelangen mit Sicherheit nicht dahin wo sie sollen sondern finanzieren den Luxus einzelner aber da wir die Trottel der Welt sind und sich sowieso die Menschheit über uns totlacht ist das ja auch kein Problem das kann man ja wieder bei den deutschen einsparen und wer braucht Rentner
4. Ein Teilsieg?
Klartext 2013 24.11.2013
Für wen, die Menschheit? Die zukünftigen Generationen? Nein, schämen müssen wir uns!!! Also, bevor wir dann den Bach runter gehen...
5. Hoffentlich gibt es nicht einen Wettlauf um Geld für
analyse 24.11.2013
Klimawandelfolgeschäden ! Unabhängige Experten sind gefragt,also keine Regierungsvertreter und keine NGOs !
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