Umweltpolitik: Vorsitzender des Welt-Klimarats kündigt Abschied an

Aus Stockholm berichtet

Rajendra Pachauri: Vorsitzender des IPCC seit 2002 Zur Großansicht
REUTERS

Rajendra Pachauri: Vorsitzender des IPCC seit 2002

Die globale Umweltpolitik steht vor einem Umbruch: Nach elf Jahren im Amt kündigt der Vorsitzende des Uno-Klimarats IPCC, Rajendra Pachauri, seinen Abgang an. Er werde 2015 als Vorsitzender aufhören, sagte er SPIEGEL ONLINE. Der Streit um die Nachfolge ist eröffnet.

Die Weltklimapolitik verliert ihren wichtigsten Mann. Der Vorsitzende des Uno-Klimarats IPCC, Rajendra Pachauri, kündigt seinen Abschied an. Er werde nach dem Ende seiner zweiten Amtszeit 2015 nicht mehr erneut für den Vorsitz kandidieren, sagte Pachauri SPIEGEL ONLINE in Stockholm, wo am Montag die finalen Verhandlungen über den neuen Klimareport begonnen haben.

Für die Nachfolge werden unter den Delegierten zahlreiche Namen prominenter Umweltfunktionäre ins Feld geführt, einen Favoriten gibt es aber bislang wohl nicht. Die Wahl des neuen Vorsitzenden dürfte für den IPCC zur Herausforderung werden. Pachauris Wahl im April 2002 zog sich über eine Woche hin, das Verfahren musste geändert werden, es herrschte großes Durcheinander.

Seit elf Jahren leitet Rajendra Pachauri den Weltklimarat IPCC. Er nahm den Friedensnobelpreis entgegen, den das Uno-Gremium 2007 zugesprochen kam. 2010 überstand er zweifelhafte Anschuldigungen, die sich gegen angebliche Interessenkonflikte richteten. Im selben Jahr widerstand Pachauri auch der größten Krise des Klimarats, als krasse Fehler im IPCC-Bericht bekannt geworden waren.

Vorzeitigen Rücktritt abgelehnt

2011 empfahl das InterAcademy Council IAC, das die Arbeit des IPCC begutachtet hatte, der Vorsitzende des Klimarats sollte nur eine Amtszeit fungieren. Da war Pachauri gerade am Beginn seiner zweiten Amtszeit; er lehnte einen Rücktritt ab.

2015 endet seine zweite Amtszeit. Dann werde für ihn Schluss sein, sagte der IPCC-Vorsitzende. Ein vorzeitiger Rücktritt sei nicht notwendig. "Die Regeln des IAC lassen sich nicht rückwirkend anwenden", rechtfertigt Pachauri sein Festhalten am Vorsitz über eine Legislaturperiode hinaus.

Der 73-jährige Inder Pachauri ist Ökonom und Eisenbahningenieur; er fungierte lange als Vorsitzender des Energieforschungsinstituts Teri in Neu-Delhi und ist in der Energiebranche bestens vernetzt. Nachdem 2010 hoch dotierte Beraterverträge mit Großunternehmen bekannt geworden waren, wurde er zum Rücktritt vom IPCC-Vorsitz aufgefordert. Der Finanzdienstleister KPMG prüfte Pachauris Einkommen und entlastete den Ökonomen: Alle Tantiemen seien an seine Firma geflossen; Pachauri habe lediglich sein Gehalt bezogen.

Jeder ein Nobelpreisträger?

Den Vorwurf, es bestünden Interessenkonflikte, wies Pachauri von sich. Er sei bezahlter Angestellter seines Instituts, nicht des IPCC. Er sehe keinen Konflikt zwischen seinen Tätigkeiten. Wissenschaftler dürften sich nicht in den Elfenbeinturm zurückziehen. Er fühle sich in seiner Rolle als jedermanns Berater sehr wohl, sagte er dem Magazin "Science".

In die Kritik geriet Pachauri, als er den Gewinn des Nobelpreises des IPCC 2007 allen beteiligten Wissenschaftlern widmete: "Jeder von euch ist ein Nobelpreisträger", teilte er den Tausenden Forschern mit, die dem Klimareport zuarbeiten. Erst 2012 nahm der IPCC diese Ansicht offiziell zurück. Der Nobelpreis sei nur dem Klimarat als Organisation verliehen worden; einzelne Forscher dürften sich nicht als Nobelpreisträger bezeichnen.

Unter Druck von allen Seiten

Überschwang wurde Pachauri auch immer wieder vorgehalten, wenn er Forschungsergebnisse an politische Mahnrufe knüpfte. Häufig appellierte er an die Weltgemeinschaft, auf alternative Energien umzusteigen, um einen gefährlichen Klimawandel abzuwenden. "Es ist fünf Minuten vor zwölf", warnte er vor der IPCC-Konferenz in Stockholm.

"Der Klimawandel ändert alle Lebensbereiche", rief er den Vertretern der Staatengemeinschaft am Montag in Stockholm zu. "Die wissenschaftlichen Beweise dafür werden von Jahr zu Jahr stärker."

In Stockholm verhandeln Regierungsvertreter und Klimaforscher um jedes Wort der sogenannten Zusammenfassung für Politiker des IPCC-Reports, die am Freitag veröffentlicht werden soll. Industrieverbände setzen den Klimarat mit eigenen Veröffentlichungen unter Druck. Auch die politischen Delegierten der Regierungen wollen den Klimareport beeinflussen. Die Zustimmung der Politik "bereitet die Bühne für ein gutes Ergebnis", meint Pachauri.

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insgesamt 36 Beiträge
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1.
Methados 23.09.2013
Zitat von sysopREUTERSDie globale Umweltpolitik steht vor einem Umbruch: Nach elf Jahren im Amt kündigt der Vorsitzende des Uno-Klimarates IPCC, Rajendra Pachauri, seinen Abgang an. Er werde 2015 als Vorsitzender aufhören, sagte er SPIEGEL ONLINE. Der Streit um die Nachfolge ist eröffnet. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/uno-klimarat-ipcc-rajendra-pachauri-kuendigt-abschied-an-a-923939.html
mich würde eine detaillierte und offene berichterstattung über die vollkommen neue betrachtungsweise des klimawandels durch die IPCC auf SPON wesentlich mehr freuen, als die diskussion um einen nachfolger.
2.
Flinsenberger 23.09.2013
Zitat von Methadosmich würde eine detaillierte und offene berichterstattung über die vollkommen neue betrachtungsweise des klimawandels durch die IPCC auf SPON wesentlich mehr freuen, als die diskussion um einen nachfolger.
Es gibt keine vollkommen neue Betrachtungsweise des Klimawandels. Welche soll das sein? Es gibt den Stand der Fachliteratur, und der wird wiedergegeben. Wo gibt es da neue Betrachtungsweisen? Manche Dinge ändern sich negativer als erwartet (Arktisches Seeeis, Schelfeis Schmelzrate). Manche Dinge ändern sich nicht so schnell wie erwartet (Oberflächentemperatur). Manche Dinge sind im Rahmen des Erwarteten (Ozeanerwärmung, Zunahme Niederschlagsmenge bei Wetterereignissen, Zunahme von Dürren).
3.
günter1934 23.09.2013
Zitat von Methadosmich würde eine detaillierte und offene berichterstattung über die vollkommen neue betrachtungsweise des klimawandels durch die IPCC auf SPON wesentlich mehr freuen, als die diskussion um einen nachfolger.
Richtig. Das gibt jetzt sicher interessante Tage, wenn sich die Delegierten in Schweden um den neuen IPCC-Bericht in die Haare kriegen. Die Klimaflüsterer aus Potsdam haben ja anscheinend die Bundesregierung dazu gebracht, sich dafür einzusetzen, dass dieser Bericht gefälscht wird.
4. Wenn das der Weltuntergangsprophet war
nana22 23.09.2013
der jetzt geht - prima. Wer ständig was von globaler Erwärmung faselt und diese tritt nicht ein schadet nicht nur seinem Wissenschaftlichen Ruf. Vielleicht kommen wir jetzt weg von den Sektierern hin zu den Wissenschaftlern, die sich zmindestens um ein politisch unbeeinflusstes Ergebnis bemühen.
5. Wir wollen einmal zu den Fakten kommen
KlausErmecke 23.09.2013
1. Pachauri ist reich, steinreich. Wie kommt es, daß jemand, der definitiv wohlhabend ist, sich ausgerechnet danach drängt, eine Behörde führen zu dürfen? 2. Für den "Klimawandel", den Pachauri beschwört, gibt es noch nicht einmal eine abgrenzungsscharfe Definition. (Die müßte es erlauben, ein meteorologisches Datenpaket dahingehend zu berwerten, ob es einen "Klimawandel" oder einen "Nicht-Klimawandel" zeigt.) 3. Der (nicht definierte) "Klimawandel" wird zurückgeführt auf einen "Treibhauseffekt". Dieser sei in "der Wissenschaft" unbestritten. Fakt ist, daß es eine Vielzahl von Beschreibungen gibt, wie der angebliche Treibhauseffekt funktionieren soll - und die widersprechen sich alle. 4. Seit 1983 gibt es fortlaufende Satellitenbeobachtungen der Wolkenbedeckung, und die zeigen, daß sich der Anteil des Blauen Himmels über die Zeit hinweg stark verändert. Von 1987 (dem bisher erkannten Minimum) bis 2000 ist dieser Anteil weltweit um fast 19 Prozent angestiegen. Der Bevölkerung wird das aber verheimlicht - sie soll glauben, ein leichter Temperaturanstieg in dieser Zeit sei vom CO2 verursacht worden. 5. "Treibhausgase" KÜHLEN die Erde. Sie wärmen sie also nicht. 70 Prozent der Energie, die die Erde ständig ins Weltall abstrahlt, werden von den "Treibhausgasen" emittiert. Nachlesen kann man das mitsamt Quellen hier: www.ke-research.de/downloads/Klimaretter.pdf
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