Uno-Konferenz Weltgemeinschaft verhandelt in Bonn über Klimaschutz

Neuer Anlauf im Klimaschutz: Nach dem gescheiterten Gipfel in Kopenhagen wagt die Uno in Bonn einen neuen Versuch, einen Weltklima-Vertrag vorzubereiten. Doch manche Teilnehmer äußern sich pessimistisch: Vor 2011 sei nicht mit einem Kyoto-Nachfolgeabkommen zu rechnen.

EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard: "Eine politische Entscheidung"
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EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard: "Eine politische Entscheidung"


Auf einer Uno-Konferenz in Bonn soll nach Lösungen für den weltweiten Klimaschutz gesucht werden. Die Weltgemeinschaft möchte den Stillstand und die Konfrontationen nach dem weitgehend gescheiterten Gipfel von Kopenhagen Ende 2009 überwinden. Rund 5000 Teilnehmer aus aller Welt werden zur Verhandlungsrunde erwartet, die am Montag beginnt und knapp zwei Wochen dauern wird.

Hauptziel der sogenannten Zwischenkonferenz auf Ebene der Klima-Unterhändler ist die Vorbereitung des nächsten Weltklimagipfels in Cancún (Mexiko) im November/Dezember. Die Erwartungen bei dem neuen Anlauf sind gedämpft. Es sei "höchst unwahrscheinlich", dass bereits in Cancún ein verbindliches Abkommen erreicht werde, sagte der Chef des Uno-Klimasekretariats, Yvo de Boer, vor den Bonner Verhandlungen.

Zunächst wird es darum gehen, sich auf neue Verhandlungstexte zu verständigen. Ob dieses Minimalziel gelingt, ist ungewiss. Bisher ist noch offen und strittig, wie es mit den Uno-Verhandlungen weitergehen soll und was genau in Cancún angestrebt werden soll.

Nicht entschieden ist auch, wie mit der in letzter Minute zustande gekommenen Kopenhagen-Vereinbarung verfahren werden soll. Rund 70 Länder haben ihr bisher eine Anerkennung verweigert. Auf der anderen Seite haben sie alle wichtigen Industrie- und Schwellenländer akzeptiert und auch freiwillig eigene Ziele zur Minderung ihrer klimaschädlichen Treibhausgase genannt.

Die Zeit für Entscheidungen drängt, da ein neues Abkommen nicht in Sicht und auch die Fortführung des 2012 auslaufenden Kyoto-Protokolls in der Schwebe ist. Es müsse hier rasch Klarheit geschaffen werden, um auch dem Markt mit dem Emissionshandel und der privaten Wirtschaft klare Signale zu geben, sagte der Ende Juni aus dem Amt scheidende Yvo de Boer. Er rechne mit einem Kyoto-Nachfolgeabkommen erst beim übernächsten Uno-Klimagipfel 2011 in Südafrika.

EU äußert sich zurückhaltend

Auf dem Weg nach Cancún soll es noch eine Vielzahl von formellen und informellen Verhandlungen geben. Darunter sind auch zwei größere Uno-Konferenzen geplant, eine vom 2. bis 6. August in Bonn und eine weitere im Herbst an einem noch nicht festgelegtem Ort.

Zuletzt war Anfang Mai in Bonn bei einem Klimagipfel versucht worden, die seit der gescheiterten Uno-Klimakonferenz in Kopenhagen Ende 2009 festgefahrene Debatte in Schwung zu bringen. Am Rande der jetzigen Konferenz will ein Bündnis von Naturschutzverbänden mit Demonstrationen auf die Notwendigkeit einer Einigung der internationalen Gemeinschaft aufmerksam machen. Die Gespräche in Bonn sollen bis zum 11. Juni dauern.

Die EU hatte sich zuletzt zurückhaltender als noch in Kopenhagen über ihre Klimaziele geäußert. Angesichts der Wirtschaftskrise will die EU-Kommission nicht mit schärferen CO2-Reduktionszielen voranpreschen. "Die Frage, ob unser Reduktionsziel von 20 Prozent auf 30 Prozent angehoben werden soll, ist eine politische Entscheidung", sagte die EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard. Und diese müsse zu gegebener Zeit von den leitenden Politikern getroffen werden. Jetzt aber solle die Europäische Union angesichts der stockenden Weltklimaverhandlungen mit der Erhöhung ihrer Klimaschutzziele warten, empfahl die Dänin.

boj/dpa/ddp

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