Uno-Report zu Wilderei: Afrikas Elefanten droht die Ausrottung
Wilderer schlachten jährlich Tausende afrikanische Elefanten ab. Jetzt schlägt die Uno Alarm: Sollte das illegale Töten ungebremst weitergehen, droht den Dickhäutern die Ausrottung in freier Wildbahn.
Bangkok - Noch Ende der siebziger Jahre wurde die Zahl der afrikanischen Elefanten auf bis zu drei Millionen geschätzt. Es folgte ein rund zehnjähriges Schlachten, das nur noch 300.000 bis 600.000 Elefanten übrig ließ. Nach dem internationalen Verbot des Elfenbeinhandels von 1989 wuchsen die Bestände zwar wieder - doch auch diese Erfolge sind nun in Gefahr, wie aus einem neuen Bericht hervorgeht.
Seit 2006 steigt die Wilderei in Afrika massiv, heißt es in dem Report, den das Uno-Umweltprogramm Unep am Mittwoch bei der Cites-Artenschutzkonferenz in Bangkok vorstellte. Der illegale Handel mit Elfenbein hat sich demnach seit 2007 mehr als verdoppelt. Allein in den Gebieten, die im Rahmen des Washingtoner Artenschutzabkommens (Cites) überwacht werden und etwa 40 Prozent der gesamten Elefantenpopulation Afrikas enthalten, seien rund 17.000 Tiere illegal getötet worden.
Die Zahl der sichergestellten Elfenbeinladungen von mehr als 800 Kilogramm, die auf Verbrechersyndikate hinwiesen, hat sich laut dem Bericht seit 2009 ebenfalls verdoppelt und 2011 einen Rekord erreicht. Vorläufige Daten von 2012 zeigten, dass sich die Situation im vergangenen Jahr nicht gebessert habe. Der Report "Elefanten im Staub: Der afrikanische Elefant in der Krise" entstand unter anderem zusammen mit Experten der Naturschutzunion IUCN und der Hilfsorganisation Traffic, die Schmuggel bekämpft. Die Umweltorganisation WCS schätzt die Zahl der wilden Elefanten in Afrika auf noch etwa eine halbe Million.
Elfenbeinpreis drastisch gestiegen
Unep-Direktor Achim Steiner rief die Unterzeichner des Washingtoner Artenschutzabkommens auf, die internationalen Verbrechersyndikate gemeinsam zu bekämpfen. Die Banden lassen in Afrika wildern und verkaufen ihre Ware in Asien. Als größter Absatzmarkt gilt China. Wilderei "bedroht nicht nur die Tierarten, sondern auch die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen, die vom Tourismus leben", sagte Steiner.
Die Drahtzieher des illegalen Handels würden selten gefasst, kritisierte Traffic-Experte Tom Milliken: "Organisierte Kriminelle schmuggeln Elfenbein in nie dagewesenen Mengen und müssen nur wenig Angst haben, erwischt oder bestraft zu werden." Inzwischen schrecken die Wilderer selbst vor spektakulären Einzelaktionen nicht mehr zurück. Im Februar 2012 etwa wurden im Bouba-Ndjida-Nationalpark in Kamerun rund 400 Elefanten auf einen Schlag abgeschlachtet.
Die unregulierten Elfenbeinmärkte in afrikanischen Städten und die Tatsache, dass immer mehr Asiaten in Afrika leben, beflügeln laut Unep den Schmuggel. Die gigantischen Einkünfte aus dem illegalen Elfenbeinhandel gelten auch als eine wichtige Geldquelle für Terroristen und Rebellen in Afrika. Das verwundert kaum angesichts der drastisch gestiegenen Preise für Elfenbein.
Das Wissenschaftsmagazin "Nature" berichtete im August 2011, dass sich die Schwarzmarktpreise seit 2007 verdoppelt und seit 1990 sogar verzehnfacht hätten. Die Stoßzähne eines einzelnen ausgewachsenen Elefantenbullen könnten in Kenia so viel einbringen, wie ein Wildhüter in eineinhalb Jahren verdient - oder ein ungelernter Arbeiter in 15 Jahren. In China wird das Material auf dem legalen Markt dann je nach Qualität für 500 bis 5000 Euro pro Kilogramm gehandelt.
Hinzu komme die größte langfristige Bedrohung für das Überleben Elefanten, heißt es im Unep-Report: der Verlust von Lebensraum durch die zunehmende Ausbreitung des Menschen. Schon jetzt hätten die Elefanten 29 Prozent ihres früheren Bewegungsraums verloren. Bis 2050 könnten es manchen Schätzungen zufolge 63 Prozent sein.
mbe/dpa
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