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Uno-Studie: Vergeudung von Trinkwasser bedroht Menschheit

Uno-Experten warnen vor einer weltweiten Wasserkrise. Weil mit dem kostbaren Nass vielerorts immer noch verschwenderisch umgegangen wird, drohen Engpässe in der Versorgung und regionale Konflikte.

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DPA

Lebenselixier: Sauberes Wasser ist nicht selbstverständlich

Die Menschheit kann sich die Vergeudung von Trinkwasser nicht weiter leisten. Darauf weist die Uno in ihrem vierten Welt-Wasser-Bericht hin, der zu der am Montag beginnenden Welt-Wasser-Konferenz im südfranzösischen Marseille erscheint. Auch die Umweltorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) warnte, die steigende Nachfrage nach Energie, Nahrung und sauberem Wasser werde die weltweite Wasserkrise weiter verschärfen und vermehrt zu Konflikten führen.

Im neuen Welt-Wasser-Bericht, der alle drei Jahre erscheint, macht ein Team von Hydrologen, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern auf die Gefahren aufmerksam, die durch die Verschwendung von Wasser und das gleichzeitige Bevölkerungswachstum entstehen. Teilaspekte sind der steigende Fleischkonsum, der Klimawandel und die mangelhafte sanitäre Versorgung von 2,5 Milliarden Menschen.

Die Trinkwasservorräte würden durch verschiedene Entwicklungen angegriffen, erklärte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon vor der sechstägigen Konferenz. Dazu zählten der wachsende Bedarf der Landwirtschaft, die Umweltverschmutzung und Mängel in der Infrastruktur. Bis 2050 werde die Weltbevölkerung von sieben auf neun Milliarden Menschen wachsen. Wenn die Wasservorräte nicht sorgsam genutzt würden, müssten mehrere hundert Millionen Menschen mit Hunger und Krankheiten rechnen.

Missmanagement und ineffiziente Bewässerung

Die Experten rechnen bis 2050 mit einer Zunahme des Wasserverbrauchs in der Landwirtschaft um knapp 20 Prozent. Weltweit liegt der Anteil der Landwirtschaft am Wasserverbrauch bei 70 Prozent. Zusehends werden dafür auch die Grundwasservorräte angezapft. Innerhalb von 50 Jahren hat sich der Grundwasserverbrauch dem Bericht zufolge verdreifacht. Zum Gegensteuern empfehlen die Experten unter anderem den Anbau von Pflanzen mit geringem Wasserverbrauch und die Nutzung von Gebrauchtwasser für Toilettenspülungen. Derzeit verbraucht jeder Mensch auf der Erde im Schnitt 8600 Badewannen-Füllungen pro Jahr.

Seit der Jahrtausendwende habe es weltweit bereits mehr als 50 gewalttätige Konflikte um die Nutzung von Wasser gegeben, erklärte der WWF. Dass die Ressource immer knapper werde, sei in erster Linie eine Folge von Verschwendung, Missmanagement und ineffizienter Bewässerung.

Allein die Tatsache, dass neun Staaten - Brasilien, Russland, China, Kanada, Indonesien, Indien, Kolumbien, die Demokratische Republik Kongo und die USA - mehr als 60 Prozent der weltweit verfügbaren Süßwasservorkommen hätten, könne bei einer Verschärfung der Wasserkrise wie ein Brandbeschleuniger wirken.

Auch wenn die Situation in Deutschland und Westeuropa bislang "weitgehend entspannt" sei, könne eine Verschärfung der Krise auch Deutschland und die EU treffen, warnte der WWF-Süßwasser-Experte Martin Geiger. Es drohten Landflucht in Südeuropa, ein Kollaps der Landwirtschaft in Teilen des Mittelmeerraums und ein Ende des Tourismus in einigen beliebten Urlaubsregionen.

Der WWF fordert einen globalen und verbindlichen Aktionsplan. Das Weltwasserforum solle klare Zielvorgaben definieren, die als Beschlussgrundlage für den Umweltgipfel Rio+20 im Juni dienen könnten, forderte Geiger. Außerdem sollten die Delegierten ihre Regierungen auffordern, die Uno-Fluss-Konvention zu unterzeichnen. Das Papier ist nach WWF-Einschätzung wichtig, um Wasserkonflikte zwischen Nationalstaaten zu verhindern oder zu schlichten.

hda/AFP

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