Uno-Weltbank-Report Experten warnen vor dramatisch höheren Katastrophenschäden

Die Welt wird immer verwundbarer für Naturkatastrophen - und daran ist längst nicht nur der Klimawandel Schuld. Uno und Weltbank warnen jetzt vor einer Verdreifachung der Schadenssummen bis zum Jahr 2100. Doch schon erstaunlich simple Maßnahmen können Leben und Eigentum retten.

Überflutungsopfer in Sri Lanka (November 2010): "Vorsorge zahlt sich aus."
AP

Überflutungsopfer in Sri Lanka (November 2010): "Vorsorge zahlt sich aus."


Washington - Wohin steuert unsere langsam immer wärmer werdende Welt? Immer wieder ist in den vergangenen Jahren über die Rolle des Klimawandels bei der Entstehung von Naturkatastrophen gestritten worden. Ein neuer Bericht legt nun nahe, dass die weltweiten Schäden durch Extremereignisse völlig unabhängig davon massiv ansteigen könnten - unter anderem, weil auf einer zunehmend bevölkerten Erde immer mehr Menschen in Städte ziehen.

Bis zum Jahr 2050 werden durch Bevölkerungswachstum und Landflucht voraussichtlich rund 1,5 Milliarden Menschen in sturm- und erdbebengefährdeten Städten leben - doppelt so viele wie heute. Das ist das Fazit der 250-seitigen Berichts "Natural Hazards, Unnatural Disasters", den Weltbank und Vereinte Nationen jetzt gemeinsam vorgestellt haben. An dem Papier hatten 70 Experten, vor allem Wirtschaftswissenschaftler, zwei Jahre gearbeitet.

Werde die Vorsorge nicht besser, dürften die Schäden bis zum Ende des Jahrhunderts mit 134 Milliarden Euro jährlich dreimal höher ausfallen als bisher. Rechne man noch die Folgen des Klimawandels etwa durch tropische Wirbelstürme ein, könnten pro Jahr noch einmal rund 50 Milliarden Euro hinzukommen.

Der Studie zufolge kamen seit 1970 weltweit rund 3,3 Millionen Menschen durch Naturgewalten ums Leben. Beinahe eine Million davon entfiel allein auf Dürrekatastrophen in Afrika. Die Schäden an Hab und Gut beziffern die Experten für die vergangenen 40 Jahre auf inflationsbereinigt etwa 1,7 Billionen Euro.

Schutzmaßnahmen relativ billig

Dabei, so wirbt der Report, könnten Schutzmaßnahmen vergleichsweise billig sein - wenn Regierungen intelligenter investierten: "Vorsorge zahlt sich aus, aber man muss nicht immer mehr dafür bezahlen." So könnten die Behörden die Bürger einfach umfassender vor Gefahren warnen oder Infrastruktur wie Brücken und Straßen besser in Schuss halten, um Schäden durch Naturgewalten zu verringern. Bei Neubauten könne darauf geachtet werden, dass zum Beispiel wie in Bangladesch Schulen gezielt auch als Notunterkünfte für Wirbelsturm-Opfer konstruiert werden. Und Straßen könnten als Entwässerungskanäle angelegt werden, wie es bereits in Malaysia passiere.

Ein anderes, kostengünstiges Mittel seien Gesetzesänderungen wie beispielsweise die Stärkung von Besitzrechten: Sind Menschen sich ihres Eigentums sicher, kümmern sie sich nach Ansicht der Autoren der Studie mehr um dessen Zustand und Unterhalt. "Weil Städte wachsen, sind mehr Menschen und Eigentum Naturgefahren ausgesetzt, aber wachsende Städte bedeuten auch steigende Einkommen", sagt Apurva Sanghim, Chefautor des Berichts. "Die Verwundbarkeit muss nicht unbedingt steigen, wenn Städte ein gutes Management haben."

Die Studie fordert verstärkte staatliche Ausgaben für Frühwarnsysteme. Vor allem bei Wettervorhersagen könne viel mehr getan werden. Drei-Tages-Prognosen seine inzwischen äußerst zuverlässig. "Der Bericht zeigt klar, dass technologische Fortschritte besser genutzt werden müssen", sagte Michel Jarraud, Generalsekretär der Weltorganisation für Meteorologie. Der Bericht fordert Regierungen auf, mehr in ihre Wetter- und Hochwasserwarndienste zu investieren.

Wie dramatisch die Folgen von Wetterextremen sind, beweist auch eine Ende September veröffentlichte Statistik des Versicherungskonzerns Münchner Rück. Demnach starben von Januar bis September dieses Jahres weltweit rund 21.000 Menschen allein durch Wetterkatastrophen. Die gesamtwirtschaftlichen Schäden summierten sich nach den Statistiken der Firma auf mehr als 48 Milliarden Euro. In den Jahren 2000 bis 2009 hatten die Versicherer im Zeitraum von Januar bis September im Mittel 550 wetterbedingte Naturkatastrophen gezählt. Dieses Jahr seien es 725 gewesen. Die Zahlen der Versicherung sollten allerdings mit etwas Distanz betrachtet werden - schließlich profitiert das Unternehmen auch vom Verkauf von Klimaschutz-Policen.

chs/dpa



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