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Unterschrittene Quoten: Norwegen fängt zu wenige Wale

Fast jedes Jahr fordern Norwegens Walfänger, die Regierung möge ihnen erhöhte Fangquoten zubilligen. Inzwischen fragt man sich, weshalb: Schon zum wiederholten Mal gelang es den Harpunierern nicht einmal, ihre aktuelle Quote zu erfüllen.

Die Walfangsaison ist eben zu Ende gegangen, nun zog das für Fischerei zuständige Ministerium Norwegens Bilanz. 30 Walfangschiffe waren unterwegs vor der norwegischen Küste. 639 Zwergwale erlegten sie - weit über 100 weniger, als ihnen erlaubt worden war. Die von der Regierung zugestandene Anzahl war 769 gewesen. Geht es nach der Internationalen Walfangkommission, sollten weltweit überhaupt keine Wale gejagt werden - seit 1986 ist ein Moratorium in Kraft, das von Norwegen aber ignoriert wird.

Zwergwal: Fangquote nicht erfüllt
DPA

Zwergwal: Fangquote nicht erfüllt

Ein Ministeriumssprecher sagte der Agentur AFP, die Unterschreitung der Quote bedeute aber nicht, "dass wir die Quoten im nächsten Jahr reduzieren werden". Er schob das schwache Fangergebnis auf schlechtes Wetter vor der Küste Norwegens, insbesondere um die Jan Mayen Insel. Dort wurden statt der zugestandenen 145 nur fünf Wale harpuniert. Schon in den vergangenen Jahren waren die Quoten immer wieder unterschritten worden, nicht zuletzt deshalb, weil die Jagd weitab der Küste für die Walfänger nicht profitabel ist.

"Das Wetter war nicht gut, und weil der Ölpreis deutlich gestiegen ist, wollten die Walfänger nicht so weit fahren, mit so unvorhersehbaren Ergebnissen", so der Sprecher. Die Quote dieses Jahres war die höchste, seit Norwegen 1993 den Walfang wieder aufgenommen hat. Die norwegische Regierung vertritt die Meinung, dass die Zwergwaljagd die Spezies nicht bedroht. Im Nordatlantik gibt es Schätzungen zufolge 100.000 Zwergwale.

Japan, das ebenso wie Island den Walfang unter dem Vorwand "wissenschaftlicher Forschung" gestattet, kündigte vergangene Woche an, man wolle die Jagd in der antarktischen Region ausweiten. Betroffen wären Buckel- und Finnwale ebenso wie Zwergwale. Bei der Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission im Juni hatte Japan vorgeschlagen, das Jagdverbot durch ein Bewirtschaftungsverfahren zu ersetzen, das die kontrollierte Jagd gestattet. Ohne Erfolg: Mit 29 zu 23 Stimmen lehnte die Mehrheit der anwesenden Mitgliedstaaten den Antrag ab.

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