Unwetter Starkregen bringt ARD und ZDF in Erklärungsnot

Unwetter haben Orte verwüstet, vier Menschen starben: Nun steht das öffentlich-rechtliche Fernsehen in der Kritik. Neun Regeln, wie man sich bei Überschwemmungen und Blitzschlag verhalten soll.

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Gewitterlagen wie diese Woche gehören zum gefährlichsten Wetter in Mitteleuropa. Immer wieder verursachen die großen Regenmengen Katastrophen; so auch diesmal: Menschen ertranken, Ortschaften wurden verwüstet.

Trotz der Wiederholung solcher Desaster werden Menschen meist von den Fluten überrascht. Kommunikationsprobleme sind offensichtlich.

Der Meteorologe Jörg Kachelmann erhob am Montag schwere Vorwürfe gegen die ARD: Regionalsender des öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramms hätten ihr Programm wegen des Unwetters umstellen, die Bevölkerung warnen müssen, meint er.

Die ARD hatte in Wettervorhersagen zwar allgemein vor Gewittern gewarnt. Ausmaß und Orte der Unwetter lassen sich aber nur kurzfristig ankündigen, meist nur Minuten im Voraus, sodass auch diesmal Betroffene sich überrascht fühlten. Vier Menschen in Süddeutschland starben.

In den "Tagesthemen" hinterfragte die ARD ihre Berichterstattung. Es würde sich lohnen zu diskutieren, wie man die Bevölkerung besser mit kurzfristigen Warnungen versorgen könnte, sagte der ARD-Meteorologe Karsten Schwanke in der Sendung.

Starkregen wie früher

Denkbar wäre etwa die Übertragung von Live-Bildern des Regenradars, von Gewitterzugbahnen samt Kommentar von Fachleuten. Diese Warnsignale lassen sich zwar auch im Internet abrufen. Bei Unwetter aber, sagt Kachelmann, bräche die Internetverbindung oft ab; umso mehr seien Fernsehen und Radio gefragt.

Der andere öffentlich-rechtliche Sender, das ZDF, schob im "heute journal" die Regenkatastrophen im Wesentlichen auf den Klimawandel; als Kronzeugen wurden zwei Wissenschaftler interviewt.

Zwar scheint es plausibel, dass Gewitter im Zug der Erwärmung weltweit häufiger werden. In Deutschland aber scheint der Effekt noch klein: Das "heute journal" unterschlug Daten des Deutschen Wetterdienstes DWD, denen zufolge starke Niederschläge in Deutschland bislang konstant geblieben sind: Es gebe keinen Trend zu heftigeren Regenfällen, schreibt der DWD; siehe Grafik:

Zahlen des Deutschen Wetterdienstes: Kein Trend bei Starkregen in Deutschland
DWD

Zahlen des Deutschen Wetterdienstes: Kein Trend bei Starkregen in Deutschland

Was aber können Menschen tun, wenn sie in ein Unwetter geraten? Mit drei einfachen Maßnahmen lässt sich bei Überschwemmungen wenigstens Lebensgefahr vermeiden:

  • Nach Gewittern niemals in Wasserlachen gehen oder fahren.
  • Nicht in einen Keller gehen, der mit Wasser vollläuft. Neben Fluten droht dort auch Stromschlag.
  • Nicht in Unterführungen, Tunneln oder Garagen Schutz suchen.

Und das sind die wichtigsten Vorsichtsmaßnahmen bei Blitzschlag:

  • Obacht ist spätestens geboten, wenn weniger als zehn Sekunden zwischen Blitz und Donner liegen - Blitze sind dann nur noch gut drei Kilometer entfernt.
  • Wenn möglich, sollte man ein Gebäude oder Auto aufsuchen.
  • Zu meiden sind: Bäume, Anhöhen, feuchte Wände und am besten auch feuchte Böden. Keine Metallteile anfassen und weg mit dem Regenschirm.
  • In die Hocke gehen, Füße zusammenhalten. Abstand halten zu anderen Menschen.
  • Absteigen von Fahrrad oder Motorrad; mindestens drei Meter Abstand zu den Zweirädern.
  • Raus aus dem Wasser. Im Boot weg vom Mast, und sich klein machen.

Gewitter wie jene dieser Tage lassen gewaltige Wassermengen vom Himmel fallen; vielerorts brachten sie die Regenmenge eines normalen Monats. Ursache sind die hohe Feuchtigkeit und Langsamkeit der Luftmasse: Warme Luft, die mit Feuchtigkeit aus dem Mittelmeer vollgesogen ist, schiebt sich so langsam voran, dass Regenfälle lange auf dieselbe Stelle prasseln.

Die Folgen entziehen sich dem Alltagsdenken: Die Wassermassen verhalten sich exponentiell, sie nehmen also nicht gleichmäßig zu, sondern kaskadenartig: Bäche schwellen nicht allmählich an wie bei einer Flutwelle, sondern binnen Minuten oder Sekunden: Denn von allen Seiten schwemmt Wasser herbei, es sammelt sich auf Straßen, in Senken und Rinnen - Sturzfluten entstehen.

Von den Beinen gerissen

Bereits ein Wasserstand von wenigen Zentimetern reißt in solchen Strömen Menschen von den Beinen. Gegen kniehohe Sturzfluten kommen auch Autos nicht mehr an. Senken werden zu Wasserfallen; allen vier Todesopfern vom Sonntag wurden entweder Unterführungen, Keller oder Tunnel zum Verhängnis.

Gerade Siedlungen in Tälern sind in Gefahr. In vielen Orten mit kleinen Bächen zeugen Gedenktafeln von hohen Fluten. Besucher fragen sich dort oft, woher das Wasser gekommen sein mag - das örtliche Rinnsal scheint nicht infrage zu kommen. Ein Irrtum.

Wissenschaftler arbeiten an Warnsystemen: Bei Starkregen und alarmierenden Pegelständen an kleinen Bächen sollen sie Feuerwehr und Behörden informieren. Noch laufen aber nur Testsysteme an einzelnen Orten.

Eine direkte Warnung der Bürger unter Umgehung der Behörden sieht die deutsche Rechtslage ohnehin nicht vor. Weil hierzulande zudem viele Alarmsirenen abgebaut wurden, bleibt Anwohnern am ehesten die eigene Wachsamkeit - gerade in dieser Woche: Wetterdienste warnen vor weiteren Unwettern.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 145 Beiträge
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Seite 1
svizzero 31.05.2016
1. Was nie zur Diskussion steht
Strassen und Siedlungsgebiete wurden in den letzten Jahrzehnten stark ausgebaut. Jeder Quadratzentimeter Strasse, jeder kleine Vorplatz, jedes neue Haus verhindern, dass Wasser im Boden versickern kann. Der kluge Mensch sammelt das Wasser und leitet es über unterirdische Schächte in offene Gewässer. So landen mehr und mehr Regentropfen am gleichen Ort. Kein Wunder, dass in kürzester Zeit kleine Bäche zu reissenden Fluten werden. Aber eben, der Mensch lenkt, ob er auch denkt? Das ist fraglich.
Referendumm 31.05.2016
2. Ja, ja, das ZDF
Gibt es irgendwo eine Petition um diesen Propagandasender ZDF endgültig abzuschalten? Wenn ich das schon lese: ″Der andere öffentlich-rechtliche Sender, das ZDF, schob im "heute Journal" die Regenkatstrophen im Wesentlichen auf den Klimawandel; als Kronzeugen wurden zwei Wissenschaftler interviewt.″ Die sollten mal den obersten Klimahysteriker Stefan Rahmstorf vom PIK fragen. Selbst dieser Ober-Klimawandelmahner sagte bereits mehrfach, dass regional stattfindende Unwetter überhaupt nix mit dem Klimawandel zu tun hätten. Aber das ZDF will selbstverständlich vom eigenen Totalversagen mit irgendwelchen Märchen ablenken. Und die diversen Wetterdienste sind auch nur noch die reinsten Witzveranstaltungen, um am anderen Tag genügend Gesprächsthema mit den Arbeitskollegen zu liefern. Denn die können ja noch nicht mal das Weter für die nächste 5 Minuten vorhersagen. Meterologie und Wissenschaft? Vergisst es! P.S.: Erst am letzten Sonntag sagte Sabine Schmitz beim 24h-Rennen aufm Nürburgring: Wenn sie ans Steuer gehen muss, ruft sie kurz vorher ihre Mutter an, die kann das Eifelwetter 10-mal besser vorhersagen als alle Meterologen mit ihren zig Supercomputer zusammen.
Tiananmen 31.05.2016
3.
Nun, ich wohne auf einer Hochebene zwischen zwei Fluss-Systemen im Schwäbischen, da hat man mit Hochwässern normalerweise nichts zu tun. Die Alb ist ja eh kein Gebiet, das Wasser hält, dafür sprudelts unten in Blaubeuren dann heftiger. Mir kommt es aber schon ein bisschen so vor, dass es in hochwassergefährdeten Gebieten so ist, wie es uns allen mit Weihnachten geht: es kommt halt so unvorhergesehen.
mimas101 31.05.2016
4. Hmm Tja
was nicht ins vorab geplante Sendeschema reinpaßt wird auch nicht behandelt, so einfach ist das bei den selbstgefälligen Sende-Anstalten. Zumindest das Radio sollte auf UKW Warnungen senden, passiert auch nicht weil das Abnudeln von durch die Multimediaindustrie vorproduzierten Sendungen wichtiger ist und u.U. die Werbeblöcke stören könnte. Dafür gefällt sich dann zumindest die ARD in reißerischen NewsFlashs weil das dann vermutlich Quote bringen soll. Das jedoch fällt eher in die Rubrik Boulevardpresse. Und nicht nur das: Wichtiger war denen wohl eine reichliche Sendeeinheit RasenpflegerInnen anstelle dem Senden von Verhaltensregeln im Hochwasserfall (was möglicherweise auch Menschenleben geschont oder gerettet hätte).
markus.sitzmann 31.05.2016
5. Staatlich oder Nicht-Staatlich?
Zitat: "Der Meteorologe Jörg Kachelmann erhob am Montag schwere Vorwürfe gegen die ARD: Regionalsender des staatlichen Fernsehprogramms hätten ihr Programm wegen des Unwetters umstellen, die Bevölkerung warnen müssen, meint er." Ich dachte, wir zahlen den Rundfunkbeitrag, damit wir nicht-staatliches Fernsehprogramm bekommen - jetzt ist es doch staatlich - verwirrend.
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