Starkregen in Deutschland Das Unwetter und der Klima-Bluff

Medien und Wissenschaftler machen den Klimawandel für den Starkregen der letzten Tage verantwortlich - dabei sagen Wetterdaten etwas anderes.

Gewitter Ende Mai in Brandenburg
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Gewitter Ende Mai in Brandenburg

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Die australische Regierung will durchgreifen: Ganze Institute der Klimaforschung des Landes sollen geschlossen werden, anerkannte Spitzenforscher sollen gehen. Wesentliche Fragen zum Klimawandel seien geklärt, heißt es zur Begründung.

Weltweit hegen Klimaforscher die Sorge, dass ihr Thema instrumentalisiert wird: Jedes Wetter wird reflexhaft mit dem Klimawandel begründet. Zurück bleibt der Eindruck: Über den Klimawandel ist alles bekannt. Und: Es wird alles immer schlimmer. Forschung? Scheinbar überflüssig.

Die Berichte der vergangenen Tage zum Starkregen in Deutschland scheinen diese Sorge zu stützen: Dutzende Medien führten das Extremwetter auf den Klimawandel zurück. "Der Starkregen ist eine Folge des Klimawandels", titelte etwa "Bild"; "Wetterexperten deuten Unwetter als Zeichen für Klimawandel", schrieb die "Berliner Morgenpost", "Mehr Starkregen durch Klimawandel", meldet der Bayerische Rundfunk.

Irreführende Kronzeugen

Sowohl die Medien als auch Wissenschaftler sorgen für falsche Schlagzeilen: Oft werden Klimaprognosen, die für die kommenden Jahrzehnte vermehrt Starkregen vorhersagen, fälschlich als Beweis für das aktuelle Wetter umgedeutet. Oder es äußern sich Klimaforscher oder Umweltexperten missverständlich oder irreführend gegenüber den Medien.

"Die heftigen Regenfälle und das Hochwasser sind Indizien des Klimawandels und zeigen sehr deutlich, was passiert, wenn sich die Erde infolge von Treibhausgasen weiter erwärmt", sagte ein Forscher in der "Bild". "Die Tendenz zu noch stärkeren Unwettern ist in den Klimamodellen erkennbar", orakelte ein Meteorologe in der "Morgenpost".

"Forscher begründen das Unwetter mit dem Klimawandel", berichtete auch das ZDF im "Heute Journal". Ein Interview mit dem Klimaforscher Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sollte die Behauptung beweisen.

Rahmstorf - ein begehrter Stichwortgeber bei Wetterkatastrophen - sagte in der Sendung: "Auch für Deutschland ist es gut belegt, dass die Gewitter-Starkregenfälle deutlich zugenommen haben."

Eine Karte wurde dazu eingeblendet, die für Mitteleuropa eine Zunahme der Niederschläge zeigte - aber nicht Starkregen. Zwar fällt in Deutschland tatsächlich mehr Regen, allerdings nur im Winter - und dann eben nicht häufiger als früher gefährlicher Starkregen.

Falsche Fährte

Auch ein Geophysiker einer großen Versicherung kommt im "Heute Journal" zu Wort, der auf zunehmende Sachschäden durch Wetterextreme in Deutschland verweist.

Zunehmende Versicherungsfälle verraten allerdings wenig über den Klimawandel, dafür mehr über die Höhe der versicherten Güter und die Auswirkungen von Extremwetter: Auch bei gleichbleibendem Starkregen können die Schäden zunehmen, weil etwa weniger Wasser versickern kann und stattdessen Städte überschwemmt werden.

In sozialen Netzwerken herrscht ebenfalls eine merkwürdige Sehnsucht nach dem Klimawandel: Dort machen Meldungen Furore, die eine Zunahme von Starkregen in den vergangenen 15 Jahren nahelegen - sie legen allerdings eine falsche Fährte: Wetterschwankungen über weniger als 30 Jahre gelten bei Fachleuten nicht als Klimatrend - das Wetter ist allzu variabel, mal geht es in die eine, mal in die andere Richtung.

Der Deutsche Wetterdienst DWD will solch kurzfristigen Schwankungen deshalb kein Gewicht einräumen: "Hinweise auf ein vermehrtes Auftreten von Starkregen in den letzten 15 Jahren", sagt der DWD auf Anfrage, seien lediglich "interessant beim Nachdenken über mögliche Entwicklungen."

Doch auch der DWD macht nicht immer eine gute Figur während der aktuellen Unwetterphase: Im "Deutschlandfunk" sagte ein DWD-Sprecher auf die Frage, ob das Unwetter etwas mit dem Klimawandel zu habe: "Es geht in diese Richtung".

Was ist die Wahrheit?

Das Unwetter, sagt der DWD-Mann, sei "ein Indiz" für die verstärkten Auswirkungen des Klimawandels. Man habe "festgestellt in den letzten 10, 20, 30 Jahren, dass diese Starkregen-Ereignisse schon etwas zugenommen haben."

Auch auf sozialen Netzwerken teilte der DWD in den Unwettertagen diverse Postings, die auf zunehmenden Starkregen in Deutschland aufgrund des Klimawandels hinweisen sollten - auch einen Bericht von Sueddeutsche.de, der konstatiert: "Der Deutsche Wetterdienst sieht in Deutschland bereits einen 'Trend zu mehr Tagesniederschlägen von mehr als 30 Litern pro Quadratmeter'".

Die Daten des DWD aber zeigen: Es gibt in Deutschland keinen Trend zu mehr Tagen mit Starkregen von mehr als 30 Liter pro Quadratmeter (oder 30 Millimeter, was derselben Menge entspricht).

Zahlen des Deutschen Wetterdienstes: Kein Trend bei Starkregen in Deutschland
DWD

Zahlen des Deutschen Wetterdienstes: Kein Trend bei Starkregen in Deutschland

"Ein Trend ist klimatologisch nicht nachgewiesen", bestätigt der DWD auf Anfrage. Aber diese simple Botschaft wird während des Unwetters nicht verbreitet.

Ein Bericht des Umweltbundesamts von 2015 kommt zum gleichen Schluss: Es gebe keine erkennbare Zunahme von Starkregen in Deutschland; das Ergebnis gelte auch für den Sommer: "Die Zahl der Tage mit einer Niederschlagssumme von 20 Millimeter und mehr im Sommer ist seit 1951 nahezu unverändert geblieben", heißt es in dem Bericht.

Grundsätzliche Überlegungen lassen gleichwohl vermuten, dass die Klimaerwärmung künftig mehr Starkregen bringen wird - darauf weisen auch die Prognosen der Klimasimulationen hin: Erwärmte Luft kann mehr Feuchtigkeit halten, weshalb es häufiger heftig regnen dürfte. Über den ganzen Globus gesehen meinen Forscher, bereits Hinweise für mehr Extremregen erkennen zu können.

Für Deutschland jedoch fehlt der Nachweis. "Starkniederschläge", schrieb der Deutsche Wetterdienst vor zwei Jahren, "sind durchaus typisch für die Sommermonate bei uns in Mitteleuropa. Dabei kann es in vielen Jahren lokal auch zu hundertjährigen Ereignissen kommen" - also zu extremen Regengüssen, die nur alle hundert Jahre vorkommen.


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Lesen Sie hier eine Zusammenfassung über die wichtigsten Erkenntnisse zum Klimawandel.



insgesamt 255 Beiträge
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Seite 1
harald441 08.06.2016
1. Ein
von Daten setzt immer eine Bezugsgröße voraus, und die ist der entscheidende Punkt. Man kann zum Beispiel die jetzigen Starkregenfälle auf das Vorjahr beziehen, dann ist es vielleicht eine Zunahme. Bezieht man aber die Regenfallmenge der letzten fünf Jahre auf die vorangegangenen fünf Jahre, dann ist das vielleicht eine Abnahme. Wiederum kann man den Zehnjahreszeitraum von 2006 bis 2016 mit dem von 1996 bis 2006 vergleichen, dann kann das wiederum eine Abnahme bedeuten. Und so weiter in immer größeren Jahreszeiträumen zurückgehend. Man braucht sich also nur den passenden Jahreszeitraum herauszusuchen, um eine Zu- oder Abnahme z. B. der Regenmenge bestätigt zu finden. Aber das ist dann keine Wissenschaft mehr, sondern reine Kaffeesatzleserei. Und wie sieht es mit der Gegend aus? Derzeit fällt im Westen und im Südwesten sehr viel Regen, wohingegen in Berlin und Brandenburg die Regenmenge eher normal sich verhält? Ich erinnere mich gut an meine Studienjahre von 1969 bis 1974. Damals gab es eine Folge von strengen und kalten Wintern, während denen der Mittellandkanal monatelang zugefroren war. Die BILD-Zeitung orakelte damals "Gehen wir eine rneuen Eiszeit entgegen?" Man sieht also, das Wetter macht das, was es schon immer macht. Es gibt trockene und nasse Jahre, warme und kalte Jahre, und dies wiederum ist noch unterschiedlich an unterschiedlichen Orten. Fazit: Wir wissen, daß wir nichts wissen, und müssen demütig hinnehmen, was die Wettergötter uns bringen. Und daran ändert auch eine Weltklimakonferenz nicht das geringste!
rst2010 08.06.2016
2. das regenwetter war
angeblich ganz normal; verändert hat sich in den letzten jahren nur, wo wir leben, es werden häuser an stellen gebaut, die vor 10 jahren niemand bebaut hätte aufgrund des risikos; oder was wir alles planieren und versiegeln ... ich stell mir vor, dass überm atlantik die sonne brennt und einen haufen wasser verdampft; das muss irgendwo wieder runter, vorzugsweise an staulagen auf dem kontinent, wie dem alpenraum; deshalb hat auch münchen mehr regen als hamburg ... da find ich gar nicht lustig...
AufJedenFall 08.06.2016
3.
Können Sie bitte damit aufhören, das tolle Phänomen des Klimawandel wissenschaftlich und statistisch zu untersuchen. Die Wahrheit soll die Menschen nicht interessieren, man kann einfach viel zu viel Geld und Macht erlangen, wenn die Leute diesen quatsch glauben. Und zum Glück tun sie das bereitwillig.
karl_maria_renz 08.06.2016
4. Sehnsucht und Angstlust
Das ist gut beobachtet, nicht der Regen fließt vermehrt sondern die Tränen ob angeblicher katastrophaler Entwicklungen. Das bezieht sich nicht nur aufs Klima sondern. z.B. auch auf die Lage in der 3. Welt. Die Analyse der Milleniumsziele hat in vielen Bereichen massive Verbesserungen gezeigt, trotzdem kommen immer wieder Beiträge die das große Elend dort beschwören. Das Klima eignet sich auch gut um jetzt schon einen weiteren scheinbar plausiblen Fluchtgrund aufzubauen. Dabei las ich dass es jetzt in der Sahelzone, dem klassischen Krisengebiet eher mehr regnet. Grund ist vermutlich eine komplexe seelische Störung als Massenphänomen im Westen. Die gesellschaftlichen Visionen und die Zuversicht sind weg, bei gleichzeitigem Wohlstand und einer gewissen Langeweile. Da fühlt man Schuld und innere Leere, will büßen, irgendetwas ändern, und zur Not eben die Apokalypse, Angstlust.
ulrich g 08.06.2016
5. Endlich
Endlich merkt es mal einer, dass das Gerede vom Klimawandel pure Panikmache ist mit der auch noch Geld gemacht wird. Ganze Forschungsinstitute leben von diesem Genre. Das einzige was sich wirklich wandelt ist die Dummheit der Menschheit. Sie wächst geradezu in galoppierendem Ausmass. Schon Albert Einstein sinnierte: zwei Dinge sind unendlich, das Weltall und die menschliche Dummheit, beim ersten ist es allerdings noch nicht nachgewiesen. Im Zeitalter des Internets glauben wohl wirklich einige Menschen, dass man Starkregenfälle punktgenau am besten noch in Google Maps vorhersagen kann. Ein Blick an den Himmel statt aufs Smartphone würde manche "Überraschung" verhindern.
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