Blitze Unterschätzte Starkstromfackeln

Tödliche Unwetter in Deutschland: Blitze haben in Sachsen 51 Besucher eines Festivals teils schwer verletzt und in Hessen drei Frauen getötet. Experten warnen, die Gefahr durch die Starkstromfackeln werde unterschätzt. Für die beginnende Gewittersaison stellen sie Verhaltensregeln auf.

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DPA

Hamburg - Bei heftigen Unwettern in Deutschland sind zahlreiche Menschen zu Tode gekommen und schwer verletzt worden. Eine 24-Jährige wurde in Bayern von einem Baum erschlagen, etwa hundert weitere Menschen wurden durch herumfliegende Gegenstände teils schwer verletzt. Starkregen, Sturmböen und Hagel richteten Millionenschäden an.

Im Nordsächsischen Roitzschjora wurden am Sonntag auf einem Musikfestival 51 Menschen durch einen Blitzschlag verletzt. Einige der Opfer schleuderten durch die Luft; viele hatten Brandwunden. Zuvor waren drei Frauen auf einem Golfplatz in Nordhessen gestorben, eine weitere schwebt in Lebensgefahr. Am Unfallort, einem Unterstand aus Holz, zeugen eine Brandlinie im Boden, Holzsplitter und herausgerissene Grasbüschel von der Naturgewalt.

Die Unfälle zeigen, dass die Gefahr von Blitzen oft unterschätzt wird. Der Volksmund gibt ja gerne Entwarnung, wenn es um Gewitter geht: Das Risiko, vom Blitz getroffen zu werden, sei allenfalls so niedrig wie die Chance auf einen Lottogewinn, heißt es. Kein Grund zur Sorge also?

"Bis zu tausend Verletzte pro Jahr in Deutschland"

Tatsächlich trifft der Vergleich mit dem Lotto ungefähr zu - allerdings nur auf ein durchschnittliches Menschenleben. Für jemanden, der in ein Gewitter gerät, steigt das Risiko mitunter erheblich: Die Chance kann dann so weit erhöht sein, als ob bereits fünf Richtige gezogen worden sind und nur noch eine Lottozahl gelost wird - der Sechser ist plötzlich ganz nah.

Fachleute warnen davor, das Risiko zu unterschätzen: "Blitzunfälle, insbesondere auf großen freien Plätzen, sind gar nicht so selten", sagt der Mediziner Fred Zack von der Universität Rostock, ein erfahrener Experte auf dem Gebiet. In Deutschland gebe es pro Jahr bis zu tausend Verletzte und zehn Tote durch Blitze. Die Auswertung der Blitzunfälle habe gezeigt, dass die meisten Fälle mit richtigem Verhalten vermeidbar gewesen wären (Ratschläge zum richtigen Verhalten lesen Sie unten).

Und jetzt geht es erst richtig los, in Mitteleuropa hat die Hochsaison der Gewitter gerade begonnen. Im Juli und August krachen an manchen Tagen mehr als 100.000 Blitze auf Deutschland; die meisten treffen den Süden und Südosten. Die Ursache für die großen Unterschiede im Bundesgebiet sind vor allem Gebirge und das Temperaturgefälle: An den Anhöhen von Erzgebirge, Schwäbischer Alb, den Alpen und Mittelgebirgen stauen sich vor allem im Sommer feucht-schwüle Luftmassen. Steigen sie auf, sprießen oft mächtige ambossförmige Gewitterwolken - das perfekte Milieu für die Blitze.

Normale Reflexe können ins Verderben führen

Die aufsteigende Luft sorgt für erhebliche Turbulenz. Wie Blitze entstehen, ist noch immer nicht exakt verstanden. Der gängigen Erklärung zufolge laden sich Partikel in den Wolken mit unterschiedlicher Ladung auf. Hagelkörner reiben sich an Eiskristallen, wobei sich positive von negativen Ladungen trennen. Kleine Teilchen laden sich positiv auf, Aufwinde peitschen sie in die Höhe.

Bald schweben in zehn Kilometern Höhe vor allem Teilchen mit positiven Ladungen, während die Wolke in flacheren Gefilden negativ geladen ist. Am Boden werden dadurch positive Ladungen angezogen - in der Luft kann sich eine Spannung von Hunderten Millionen Volt aufbauen. Wird die elektrische Spannung zu groß löst sie sich mit einem Schlag, es blitzt.

In einem zentimeterschmalen Kanal schießt ein Strom von bis zu 20.000 Ampere zur Erde - Elektrogeräte laufen mit gerade mal zehn Ampere. Schließlich zucken die gefürchteten 30.000 Grad heißen Stromfackeln, sie sind sechsmal wärmer als die Oberfläche der Sonne. Die Hitze dehnt die Luft explosionsartig aus; es donnert. Am Boden schmelzen sogar Sandkörner. Steht ein Mensch im Umkreis von etwa 20 Metern, ist er in Lebensgefahr.

Normale Reflexe können ins Verderben führen: Wer sich in solcher Situation zum Schutz auf den Boden legt, vergrößert die Bedrohung - im Körper würde extremes Spannungsgefälle entstehen. Gleiches passiert bei Breitbeinigkeit: zwischen den Gliedmaßen baut sich Spannung auf - starker Stromfluss würde das Gefälle ausgleichen.

Das sind die wichtigsten Verhaltensregeln bei Gewitter:

  • Vorsicht ist spätestens geboten, wenn weniger als zehn Sekunden zwischen Blitz und Donner liegen - Blitze sind dann nur noch gut drei Kilometer entfernt.
  • Wenn möglich, sollte man ein Gebäude oder Auto aufsuchen.
  • Zu meiden sind: Bäume, Anhöhen, feuchte Wände und am besten auch feuchte Böden. Keine Metallteile anfassen und weg mit dem Regenschirm.
  • In die Hocke gehen, Füße zusammenhalten; am besten einen Graben oder eine Kuhle aufsuchen. Abstand halten zu anderen Menschen.
  • Absteigen von Fahrrad oder Motorrad; mindestens drei Meter Abstand zu den Zweirädern.
  • Raus aus dem Wasser. Im Boot weg vom Mast, und sich klein machen.

Wolkenarmer Himmel bedeutet bei Donner übrigens keine Entwarnung, in seltenen Fällen eilen Blitze der Unwetterfront voraus, so dass sie aus heiterem Himmel einschlagen. Doch tröstlicherweise zieht die Gefahr rasch vorüber; meist ist ein Gewitter spätestens nach 20 Minuten vorbei.



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insgesamt 121 Beiträge
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Seite 1
docgreve 01.07.2012
1. Blitzschlag auf dem Golfplatz
Wichtig auch auf dem Golfplatz ist, die Golfausrüstung mindestens 20 m weg zu parken. Bisher habe ich keine Information gefunden , ob die 4 Golferinnen in Hessen diese Empfehlung befolgt haben. Immer wieder Zehe ich Golfspieler, die ihre Ausrüstung mit in die Schutzhütte nehmen ( damit sie nicht nass wird).
Unterthan 01.07.2012
2. Schnell zusammengebastelt
Der Artikel wurde offensichtlich schnell zusammengebastelt und ist wenig hilfreich. Besonders überzeugend ist der Exkurs in die Statistik: "Tatsächlich trifft der Vergleich mit dem Lotto ungefähr zu - allerdings nur auf ein durchschnittliches Menschenleben. Für jemanden, der in ein Gewitter gerät, steigt das Risiko mitunter erheblich: Die Chance kann dann so weit erhöht sein, als ob bereits fünf Richtige gezogen worden sind und nur noch eine Lottozahl gelost wird - der Sechser ist plötzlich ganz nah."
felisconcolor 01.07.2012
3. Entschuldigung
Zitat von docgreveWichtig auch auf dem Golfplatz ist, die Golfausrüstung mindestens 20 m weg zu parken. Bisher habe ich keine Information gefunden , ob die 4 Golferinnen in Hessen diese Empfehlung befolgt haben. Immer wieder Zehe ich Golfspieler, die ihre Ausrüstung mit in die Schutzhütte nehmen ( damit sie nicht nass wird).
aber im Sinne des Blitzschutz vollkommener Blödsinn. Selbst wenn Metallteile in der Golfausrüstung leitfähiger sind als der menschliche Körper, ist ein ausgewachsener Mensch immer noch höher aus ein Golfcaddy. Und über seine Gummibereifung mindest genauso gut gegen über dem Untergrund isoliert. Ich kenne jetzt nicht den besagten Unterstand, gehe aber von einer offenen Hütte, ähnlich Buswartehäuschen, aus. Mit freiem Kontakt zum Boden (Erde). Die Frauen sind in der Hütte mit Sicherheit nicht durch einen direkten Treffer verstorben. Eher ist ein Stromschlag über den feuchten Boden die Ursache. Abhilfe schafft hier nur eine Ganzmetallhütte mit gegen Erde isoliertem Fussboden. Und guter Erdung des Schutzhäuschens. Siehe auch Faradayscher Käfig (http://de.wikipedia.org/wiki/Faradayscher_K%C3%A4fig)
mr.ious 01.07.2012
4.
Zitat von sysopDPATödliche Unwetter in Deutschland: Blitze haben in Sachsen 51 Besucher eines Festivals teils schwer verletzt und in Hessen drei Frauen getötet. Experten warnen, die Gefahr durch die Starkstromfackeln werde unterschätzt. Für die beginnende Gewittersaison stellen sie Verhaltensregeln auf. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,841930,00.html
"Buchen suchen und vom Zweirad absteigen" ? Jetzt habe ich es so lange geschafft den Verfasser solcher Artikel nicht zu lesen, und was muß ich nun für alle Interessierten feststellen ? Sogar die Ladungsverteilung in Schichten und dem Erdboden können angegeben werden. Wie sehen den die Instrumente dazu aus, oder ist das alles aus irgendwelchen klimatologischen Befunden hervorgegangen ?
donadoni 01.07.2012
5. Die Deutschen beherrschen die Physik nicht
Die früheren Bauern wussten, dass man die Sense bei Gewitter nicht auf der Schulter trägt. Heute weiß man es nicht mehr. Eine Golfhütte mit offener Tür ist kein Faradayscher Käfig, bei dem der Blitz an der Oberfläche abgleitet. Wenn wirklich kein Schutz bei schwerem Gewitter möglich ist, soll man sich flach auf dem Boden legen, auch wenn man dreckig wird und es komisch aussieht. Die Ladung Q wird niemals sich auf einem flachen Punkt entladen, sondern immer auf dem höchsten. Es erhebt sich aber die Frage, warum man bis ran an das Gewitter Golf spielen musste.
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