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Spanien: Ursäuger mit Stachelfrisur

125 Millionen Jahre altes Säugetier (Illustration): Evolutionär erstaunlich weit entwickelt Zur Großansicht
Oscar Sanisidro

125 Millionen Jahre altes Säugetier (Illustration): Evolutionär erstaunlich weit entwickelt

Paläontologen haben ein 125 Millionen Jahre altes Fossil einer neu entdeckten Säugetierart ausgegraben. Es hatte stachelige Haare, gute Ohren und war nach Angaben der Forscher erstaunlich niedlich.

Schon zur Zeit der Dinosaurier gab es hochentwickelte Säugetiere. Das konnten Forscher nun anhand eines Ur-Säugers aus Spanien nachweisen, der vor 125 Millionen Jahren gelebt hat. Das Tier hat erstaunlich viele Ähnlichkeiten mit heutigen Säugern und ernährte sich von Insekten.

Ausgegraben haben das erstaunlich gut erhaltene Skelett des Säugers Wissenschaftler um Thomas Martin von der Universität Bonn in Las Hoyas in Ostspanien. Laut ihren Analysen wog das Tier etwa 60 Gramm. Damit war es zwei- bis dreimal so schwer wie eine Hausmaus, ähnelte mit seinem langen Schwanz aber eher einer zu klein geratenen Ratte. "Es war sehr niedlich", sagt Martin.

Der neueste Fund belege eindrucksvoll, dass die Säuger der Kreidezeit keineswegs primitiv, sondern vielfältig in ihrer Anpassung waren, sagt Martin. "Die gesamten Weichteile sind sensationell erkennbar. Unter dem Raster-Elektronenmikroskop konnten wir sogar einzelne Haarspitzen und innere Organe erkennen."

Spinolestes xenarthrosus: Das Fossil war ungewöhnlich gut erhalten Zur Großansicht
Georg Oleschinski

Spinolestes xenarthrosus: Das Fossil war ungewöhnlich gut erhalten

Stachelhaar, erstaunlich gute Ohren und eine Pilzinfektion

Zu den besonders fortschrittlichen Merkmalen gehört das Rückenfell mit Stacheln, das ähnlich wie bei heutigen Igeln aussah. Es gibt dem Tier auch seinen Namen: Spinolestes xenarthrosus - etwa stacheliger Räuber mit einer speziellen Wirbelsäulenstruktur.

Die Forscher vermuten, dass die zu Stacheln verhärteten Haarbüschel auf dem Rückenfell vor Angreifern schützen sollten: "Statt das Tier zu schnappen, blieben die Feinde wohl eher mit einem Maul voller Stacheln zurück", so Martin.

Dabei sei Spinolestes selbst ein Räuber gewesen: Seine Zähne wiesen ihn als Insektenjäger aus, berichten die Forscher im Fachmagazin "Nature". Die verstärkte Wirbelsäule deute zudem darauf hin, dass sich das Urtier ähnlich wie die heute lebende Panzerspitzmaus in Hohlräume zwängen konnte, um dort verborgene Larven zu erbeuten.

Ähnlichkeit mit einer Ratte (Illustration): Der Ursäuger wog gerade mal 60 Gramm Zur Großansicht
Oscar Sanisidro

Ähnlichkeit mit einer Ratte (Illustration): Der Ursäuger wog gerade mal 60 Gramm

Das Fossil belege außerdem, dass schon in der Kreidezeit Säugetiere mit großen Ohrmuscheln auf der Erde unterwegs waren: "Wir gehen daher davon aus, dass das Tier einen gut entwickelten Hörsinn hatte", sagt Martin.

Denkbar ist zudem, dass das Tier bereits an einer modernen Hautkrankheit gelitten hat. Außergewöhnlich kurzes Haar an einigen Stellen könnte auf die Pilzerkrankung Dermatophytose hinweisen, unter der auch viele moderne Säuger leiden, so die Forscher.

Die ersten Säuger waren klein und selten

Nach Angaben des Forschers entwickelten sich die ersten Ursäugetiere vor rund 220 Millionen Jahren. Sie waren deutlich seltener als die Dinosaurier und meist auch kleiner.

Einer der bislang ältesten nachgewiesenen Säuger war in etwa so groß wie eine Haselmaus, maximal 15 Zentimeter: Eomaia scansoria wurde Anfang des Jahrtausends in China ausgegraben und soll ein guter Kletterer gewesen sein.

Die ersten Dinosaurier gab es je nach Schätzung bereits vor 250 bis 230 Millionen Jahren. Sie starben jedoch nach Meinung der meisten Evolutionsforscher vor etwa 65 Millionen Jahren durch einen riesigen Meteoriteneinschlag und dessen Folgen aus. Danach verbreiteten sich die Säugetiere sehr zahlreich über die Erde und wurden auch größer.

jme/dpa

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insgesamt 13 Beiträge
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1. sozusagen......
funnyone2007 15.10.2015
..der Campino der Urzeit ^^
2. Immer wieder interessant, aber
Koda 15.10.2015
" moderne Pilzerkrankung" Die Pilzerkrankung scheint mit dem Alter von 125 Millionen Jahren doch wohl ebenso archaisch wie hartnäckig... Und dass die Dinosaurier ausstarben, trifft wohl nur auf die Vogelbeckensaurier und die großen Vertreter der Echsenbeckensaurier zu. Die kleinen Vertreter Letzterer sind die Vögel, die sich zur Zeit der "klassischen" Dinos entwickelten und von ihnen abstammen.
3. Borsten?
Dirk-16 15.10.2015
"Die verstärkte Wirbelsäule deute zudem darauf hin, dass sich das Urtier ähnlich wie die heute lebende Panzerspitzmaus in Hohlräume zwängen konnte, um dort verborgene Larven zu erbeuten." Also ICH würde mich mit widerborstigen Stacheln auf dem Rücken NICHT in Hohlräume zwängen, denn da komm ich rückwärts nicht mehr raus. Das klingt doch eher nach zusätzlicher Widerstandsfähigkeit gegen Kräfte von oben oder nach solider Basis für die Stacheln, damit die auch pieksen können. Merkwürdiger Rückschluss...
4. Nur langsam der Wirklichkeit näher...
e.schw 15.10.2015
Zitat Spiegel Online: ---Zitat--- Nach Angaben des Forschers entwickelten sich die ersten Ursäugetiere vor rund 220 Millionen Jahren. Sie waren deutlich seltener als die Dinosaurier und meist auch kleiner. ---Zitatende--- Was wurde da mit was verglichen? Bis „Anfang der achtziger Jahre“ kannte man jedenfalls „nur etwa 5.000, teilweise fragmentarische Überreste von Dinosauriern“ (Spektrum der Wissenschaft, Digest 5). Werden Fossilien nicht nach ideologischen Gesichtspunkten geordnet, sehen die Ergebnisse völlig anders aus… Zitat Spiegel Online: ---Zitat--- Die ersten Dinosaurier gab es je nach Schätzung bereits vor 250 bis 230 Millionen Jahren. Sie starben jedoch nach Meinung der meisten Evolutionsforscher vor etwa 65 Millionen Jahren durch einen riesigen Meteoriteneinschlag und dessen Folgen aus. Danach verbreiteten sich die Säugetiere sehr zahlreich über die Erde und wurden auch größer. ---Zitatende--- Die in Beton gegossene Chronologie gründet keineswegs auf Beobachtungen, sondern auf einem vorgefassten Weltbild. Und auf radiometrischen Messverfahren, deren Ergebnisse höchst widersprüchlich sind…
5. Wie denn?
cindy2009 15.10.2015
Zitat von e.schwZitat Spiegel Online: Was wurde da mit was verglichen? Bis „Anfang der achtziger Jahre“ kannte man jedenfalls „nur etwa 5.000, teilweise fragmentarische Überreste von Dinosauriern“ (Spektrum der Wissenschaft, Digest 5). Werden Fossilien nicht nach ideologischen Gesichtspunkten geordnet, sehen die Ergebnisse völlig anders aus… Zitat Spiegel Online: Die in Beton gegossene Chronologie gründet keineswegs auf Beobachtungen, sondern auf einem vorgefassten Weltbild. Und auf radiometrischen Messverfahren, deren Ergebnisse höchst widersprüchlich sind…
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