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Überraschungsfund: Urzeitliches Riff in der Wüste

Meeresforschung: Uralte Riffe entdeckt Fotos
AAAS/ Fred Bowyer

Eine unerwartete Entdeckung: In der Wüste Namibias stießen Forscher auf die versteinerten Überreste eines der ältesten von Tieren erbauten Meeresriffe. Es diente offenbar als Schutz vor Fressfeinden.

Edinburgh - Wenn man Forscher in die Wüste schickt, ist das zuweilen ein Glücksfall: In Namibia haben Wissenschaftler ein uraltes versteinertes Riff gefunden. Denn dort, wo sich heute karges Land erstreckt, floss vor Urzeiten ein Ozean. Das rund 550 Millionen Jahre alte Gebilde wurde offenbar von den ersten Tieren angelegt, die harte Schalen bildeten. Das Besondere daran: Das Riff ist älter als das Kambrium - also jene vor rund 540 Millionen Jahren beginnende Phase, in der während der kambrischen Explosion nahezu schlagartig zahllose Tierarten auftauchten. Damit ist es eines der ältesten von Tieren erbaute Meeresriffe berichten Forscher aus Großbritannien und Namibia im Fachmagazin "Science".

Riffe können durch Erosion aus Gestein entstehen oder - wie im Fall von Korallenriffen - durch Organismen. Erbauer des in Namibia gefundenen Riffs waren Tiere der Gattung Cloudina, die im Zeitalter Ediacarium lebten, das vor 541 Millionen Jahren endete. Sie bildeten trichterförmige Gehäuse, auf denen sich dann wiederum andere Artgenossen ansiedeln konnten.

Ein Riff als Schutz

Einer der gefundenen Riffkomplexe ist mindestens sieben Kilometer lang und 300 Meter breit. Er besteht aus fünf Meter hohen Hügeln von bis zu 20 Metern Durchmesser, die parallel zur damaligen Küstenlinie verlaufen. Das Alter datieren die Forscher auf etwa 548 Millionen Jahre. Die bislang ältesten Riffe von vielzelligen Tieren sind etwa 530 Millionen Jahre alt und stammen somit bereits aus dem Kambrium.

Vermutlich gingen die Tiere dazu über, Riffe zu bauen, um sich vor Räubern zu schützen, vermuten die Wissenschaftler. Sie belegen dies mit Cloudina-Funden in China, deren Gehäuse gebohrte Löcher aufweisen. Zudem schützten Riffe die Tiere vor starkem Seegang. Letztlich habe die Entwicklung zu einer deutlich größeren Artenvielfalt im Meer geführt, schreiben die Wissenschaftler.

"Heutige Riffe sind wichtige Zentren der Artenvielfalt mit ausgeklügelten Ökosystemen", sagt Studienleiterin Rachel Wood von der Universität Edinburgh. "Tiere wie Korallen bauen Riffe, um sich gegen Räuber und Konkurrenten zu verteidigen. Wir haben herausgefunden, dass Tiere Riffe sogar schon vor der Entwicklung des komplexen Tierlebens bauten. Das deutet darauf hin, dass es schon im Präkambrium einen Selektionsdruck gab, den wir noch verstehen müssen."

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khü/dpa

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1. .
ky3 27.06.2014
"Vermutlich gingen die Tiere dazu über, Riffe zu bauen, um sich vor Räubern zu schützen, vermuten die Wissenschaftler." Das liesst sich als dachten sich die primitiven Tierchen sich einen Plan wie man sich schützt. Nach der Evolutionslehre aber dürften sich verschiedene Formen mit anderen Verhaltensweisen entwickelt haben. Dich sich in die in diesem Fall besser geschützt haben überlebten. Fertig! Aber diese naive Schreibweise liesst man auch immer wieder auch von Wissenschaftlern. Kein Wunder das immer Menschen das Vertrauen in die Sachlichkeit der Wissenschaft verlieren und an krudeste Thesen glauben. Naja, aber wenigstens schreibt ein Archäologe mal das nüchternere Wort "vermutlich".
2. Stromatolithen-Riffe gibt es bereits im Präkambrium
iglobsne 27.06.2014
ein wenig verwirrt scheinen "Forscher" und "Autor/in". Riffe, die durch Erosion entstehen? Riffe entstehen durch sukzessiven Aufbau von Lebewesen. Schalenbildend? Korallen bilden meistens das Grundgerüst; das Skelett sozusagen. Riffe aus Stromatolithen können nun wirklich alter sein, als das nun "plötzlich" gefundene. Wie wurde das Alter datiert? mit einer so angeblichen Genauigkeit? sehr sehr fragwürdig! kann mittlerweile nicht mal mehr ein wissenschaftlicher Beitrag ohne Sensarionsgeheische auskommen
3. optional
minsch 27.06.2014
"Vermutlich gingen die Tiere dazu über, Riffe zu bauen, um sich vor Räubern zu schützen, vermuten die Wissenschaftler. Sie belegen dies mit Cloudina-Funden in China, deren Gehäuse gebohrte Löcher aufweisen. Zudem schützten Riffe die Tiere vor starkem Seegang." Wieso zudem? Beides sind in der Evolution Vorteile, welche die Wahrscheinlichkeit von Nachkommen erhöht. Außerdem finde ich die Ausdrucksweise etwas daneben: "Vermutlich gingen die Tiere dazu über, Riffe zu bauen, um sich vor Räubern zu schützen ..." Wohl kaum, die werden sich nicht zusammengesetzt haben, um zu beschließen, zukünftig Riffe zu bauen, um sich vor Räuber zu schützen. Das kann man erheblich besser und treffender ausdrücken und dabei auch noch das "zudem" einsparen, dass hier den Eindruck erweckt, als sei der Schutz vor dem Seegang nur ein netter Nebeneffekt, der sich nicht auf die evolutionären Vorgänge ausgewirkt hat. Besserer Schutz vor Räuber und besserer Schutz vor Seegang sind beides evolutionäre Vorteile, die damit auch beide erheblich auf die Selektion einwirken.
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