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Amazonas-Region: Ureinwohner-Areale verhindern Waldrodung

Regenwald (Archivbild von 2009): Waldfläche von der Größe Großbritanniens verloren Zur Großansicht
REUTERS

Regenwald (Archivbild von 2009): Waldfläche von der Größe Großbritanniens verloren

Wie lässt sich der Regenwald am besten bewahren? Forscher haben untersucht, wie sich verschiedene Formen von Schutzgebieten auf die Abholzung in der brasilianischen Amazonas-Region auswirken. Das überraschende Ergebnis: Nicht nur streng bewachte Nationalparks verhindern den Kahlschlag.

Die Rodung im Amazonas-Gebiet schreitet langsamer voran - doch noch immer schwindet der Regenwald. Zwischen 2000 und 2010 wurde eine Fläche abgeholzt, die der von Großbritannien entspricht.

US-amerikanische, deutsche und brasilianische Forscher haben nun untersucht, welche Schutzgebiete dem Abholzen des Amazonas-Regenwaldes besonders gut entgegenwirken. Das Team um Christoph Nolte von der University of Michigan in Ann Arbor betrachtete dabei drei Arten von Schutzzonen:

  • besonders streng geschützte Gebiete wie Nationalparks,
  • Schutzzonen mit nachhaltiger Bewirtschaftung, wo das Fällen unter bestimmten Bedingungen möglich ist,
  • Areale für die Urbevölkerung, wo die Bewohner Holz zum Eigenbedarf schlagen dürfen.

Über ihre Analyse von 292 Waldgebieten mit unterschiedlichem Schutzstatus in Brasilien berichten die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Erwartungsgemäß schnitten die streng geschützten Zonen besser ab als die Gebiete mit nachhaltiger Bewirtschaftung. Aber dort, wo der Abholzungsdruck besonders hoch war, etwa in der Nähe von Städten, schützten die indianischen Gebiete den Regenwald am besten. Insgesamt zeige die Analyse, dass alle drei Formen von Schutzgebieten der Abholzung entgegenwirken.

"Am meisten überrascht vielleicht das Ergebnis, dass Ländereien von Ureinwohnern dort am besten vor dem Fällen schützen, wo der Abholzungsdruck hoch ist", sagt der an der Studie beteiligte Forscher Arun Agrawal. "Viele Beobachter haben vermutet, dass weitreichende Autonomie und Landrechte für die Ureinwohner zu einer hohen Abholzungsrate führen, weil die indigenen Gruppen die zur Verfügung stehenden Ressourcen ausnutzen wollten. Diese Studie zeigt, dass solche Ängste nach derzeitigem Wissensstand nicht angebracht sind."

Im Amazonas-Gebiet leben Dutzende Millionen Menschen, die Holz etwa zum Kochen oder als Baustoff nutzen. Einen historischen Höhepunkt erreichte das Abholzen des Dschungels zwischen den Jahren 2000 und 2005. Danach ergriff die Regierung verstärkt Schutzmaßnahmen. Die Forscher verglichen die Veränderungen von Wald zwischen den Jahren 2000 und 2010 in geschützten und ungeschützten Gebieten.

wbr/dpa

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