Ursprung der Sprache Affen kommunizieren mit Händen und Füßen

Affen kommunizieren mit einer eigenen Zeichensprache, die sich sogar zwischen einzelnen Gruppen unterscheiden kann. Bei Schimpansen und Bonobos beobachteten Forscher: Wer mehr gestikuliert, bekommt auch eher eine Antwort.


Während Gesichtsausdrücke und Tonlaute bei beiden Arten das Gleiche bedeuten, variierte der Einsatz von Gebärden zwischen Schimpansen und Bonobos stark. Diese Beobachtung stützen die bereits seit Längerem bestehende Theorie, dass Gesten die ursprünglichste Form der Sprache sind und wahrscheinlich auch der menschlichen Sprachfähigkeit vorausgingen, schreiben Amy Pollick und Frans de Waal von der Emory University in Atlanta im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Schimpanse: Hand- und Fußzeichen, Mimik und Lautsignale
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Schimpanse: Hand- und Fußzeichen, Mimik und Lautsignale

Während sich alle Primaten mit Lauten und Gesichtsausdrücken verständigen, benutzen nur Menschen und Affen zusätzlich ihre Gliedmaßen als Mittel der Kommunikation. Dabei entwickelten sich die Gesten beim Menschen vermutlich noch vor dem gesprochenen Wort und gelten daher als Ursprung der menschlichen Sprache. Wie Hände und Füße genau eingesetzt werden und wie das Gegenüber auf solche Gebärden reagiert, ist noch weitgehend ungeklärt.

Das amerikanische Forscherduo beobachtete nun jeweils zwei Schimpansen- und Bonobo-Gruppen mit insgesamt 47 Tieren. Dabei teilten die Biologen die Hand- und Fußzeichen und die Gesichts- und Lautsignale in mehrere Klassen ein und untersuchten, in welcher Situation und mit welchem Zweck die Affen ein bestimmtes Zeichen benutzten.

Wie die Forscher feststellten, sind Gesichtsausdrücke und Laute stark an den jeweiligen Zusammenhang gebunden und besitzen bei beiden Arten damit ungefähr die gleiche Bedeutung. Ihre Hände und Füße verwendeten die Affen dagegen sehr flexibel, und die Signale unterschieden sich sogar zwischen den Gruppen derselben Art. Dasselbe Handzeichen könne demnach in einer anderen Situation oder innerhalb einer anderen Gruppe etwas völlig anderes bedeuten, während beispielsweise ein Schrei stets eine Reaktion auf einen Angriff oder eine Bedrohung sei, erklären die Wissenschaftler.

Interessanterweise erhielten Bonobos häufiger eine Antwort ihrer Artgenossen, wenn sie Mimik, Gestik und Stimmlaute miteinander verbanden, wobei sie solche kombinierten Signale nur selten verwendeten. Die Zwergschimpansen setzen die jeweiligen Kommunikationsmittel vermutlich bewusst ein, anstatt sie lediglich unüberlegt zusammenzufügen, so die Forscher. Sie folgern: Wie die Kommunikation zwischen den frühen Vorfahren des Menschen wohl aussah, könne man eher bei den heutigen Bonobos ablesen als bei den Schimpansen. Die Wissenschaftler hoffen nun, aus ihren Ergebnissen Rückschlüsse auf die Entstehung der Sprache beim Menschen ziehen zu können.

cis/ddp



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