Hunde: Alte Rassen entpuppen sich als Spezialfälle

Wann Hunde zu Haustieren geworden sind, lässt sich gar nicht so leicht herausfinden. Eine Genanalyse zeigt jetzt: Einige vermeintlich urtümliche Arten sind gar nicht besonders alt - sie lebten nur länger isoliert. Vielleicht können größere DNA-Vergleiche in Zukunft das Rätsel der Hunde-Domestizierung lösen.

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Shar-Pei: Vermeintlich urtümliche Hunderassen sind gar nicht so alt

Was haben der Finnische Spitz und der Shar-Pei gemeinsam? Sie zählen zu einer kleinen Gruppe von Hunderassen, die als besonders alt oder urtümlich gelten. Doch eine aktuelle Studie im Wissenschaftsmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" bezweifelt die Sonderstellung dieser Rassen.

Die Forscher um Greger Larson von der University of Durham (Großbritannien) wollten mit ihrer Untersuchung klären, was die Erbgutanalyse heute lebender Hunde über die frühe Domestizierung ihrer Vorfahren aussagen kann. Das Team hatte genetische Daten von fast 1400 Hunden 35 verschiedener Rassen sowie von 19 Wölfen untersucht.

Dabei stellten sie fest, dass einige Hunderassen, die immer als besonders urtümlich galten, dies wohl gar nicht sind. Stattdessen hätten sich diese Rassen relativ lange isoliert entwickelt. Dies erkläre die untypischen genetischen Muster von Basenji, Saluki und anderen alten Rassen.

Die urtümlichen Rassen sind jedoch eher eine Ausnahme. Viele Hunderassen begleiteten den Menschen über alle Kontinente hinweg und blieben daher nicht über längere Zeit isoliert. "Wir lieben unsere Hunde und sie haben uns über alle Kontinente begleitet", sagte der Evolutionsbiologe. Dies mache es Forschern nun schwer, die genetischen Spuren der Tiere in der Zeit zurückzuverfolgen.

Die heute bekannten Hunderassen sind zudem ein recht moderne Erscheinung; die meisten sind erst in den vergangenen 150 Jahren entstanden. Der Genpool der Haushunde sei zu diesem Zeitpunkt recht einheitlich gewesen, schreiben Larson und seine Kollegen. Viele genetische Unterschiede zwischen heutigen Hunderassen seien also erst in jüngster Vergangenheit entstanden.

Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass inzwischen verfügbare Techniken, mit denen größere Mengen Erbgut relativ günstig entschlüsselt - und verglichen - werden können, dabei helfen könnten, die Ursprünge der Hunde-Domestizierung aufzudecken.

Wann, wo oder zu wie vielen Gelegenheiten Hunde zu Haustieren wurden, ist noch immer unklar. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass Menschen vor rund 17.000 Jahren Hunde als Begleiter hielten. Eine DNA-Analyse kam sogar zum Schluss, dass die Vorfahren der heutigen Hunde sich bereits vor etwa 135.000 Jahren von den Wölfen trennten - das Ergebnis wurde allerdings angezweifelt.

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1. andersherum
achimberlin1961 22.05.2012
irgenwann vor 100-200.000 Jahren hatten die Wölfe keine Lust mehr den Wild immer längere Strecken hinterherzujagen - also griffen Sie sich diese Zweibeiner mit Ihren Waffen und erklärten Ihnen wie Sie die Beute zu Ihnen hetzen würden - im Ausgleich für den nun rasanten Aufstieg der Menschheit verlangten Sie Ihren Anteil und Unterkunft. und für Ihre Kindeskinder Vollverpflegung und Rundum-Service. (es hat nur ein paar Jahrtausende länger gedauert als Sie dachten)
2.
Tiananmen 22.05.2012
Das ist so sicher nicht ganz richtig. Merkwürdigerweise begleitete der treueste Begleiter des Menschen ihn nicht, als er vor ca. 15.000 Jahren *Amerika* besiedelte. Obwohl vielfach davon ausgegangen wird, dass da der Wolf schon lange domestiziert war. Und obwohl das wahrscheinliche Domestikationsgebiet (Zentralasien) in nächster Nachbarschaft der Amerikaeroberer lag, die aus Nordost-Asien kamen. Bei *Australien* scheint der Fall eindeutig zu sein. Als der Kontinent vor ca. 70.000 besiedet wurde, war kein Hund zur Stelle. Die australischen Dingos sind ws. erst um ca. 5.000 vor heute eingewandert und haben sich den Ureinwohnern auch nicht in gleicher Weise angeschlossen, wie es der Hund tat. Aufgrund der Tatsache, dass Mensch und Hund zu nonverballer Kommunikation fähig sind - anders als alle anderen Haustiere - gehen manche Forscher davon aus, dass Hunde viel früher domestiziert wurden, als die mindestens 15.000-18.000 Jahre, die Konsens zu sein scheinen - tatsächlich bis zu weit über 100.000 vor jetzt.
3. Hmmmm Nette Geschichte
felisconcolor 22.05.2012
Zitat von achimberlin1961irgenwann vor 100-200.000 Jahren hatten die Wölfe keine Lust mehr den Wild immer längere Strecken hinterherzujagen - also griffen Sie sich diese Zweibeiner mit Ihren Waffen und erklärten Ihnen wie Sie die Beute zu Ihnen hetzen würden - im Ausgleich für den nun rasanten Aufstieg der Menschheit verlangten Sie Ihren Anteil und Unterkunft. und für Ihre Kindeskinder Vollverpflegung und Rundum-Service. (es hat nur ein paar Jahrtausende länger gedauert als Sie dachten)
musste etwas Lächeln. Das hätte sogar Stoff genug für einen Film. Was mich nun brennend interessieren würde... ...was sind denn nun die wahren urtümlichen Hunderassen. Ich möchte mir gern einen neuen Hund zulegen und bin absolut gegen irgend so ein Modehundgeschnickse.
4.
xsaly 22.05.2012
Zitat von felisconcolor...was sind denn nun die wahren urtümlichen Hunderassen. Ich möchte mir gern einen neuen Hund zulegen und bin absolut gegen irgend so ein Modehundgeschnickse.
Tja, und genau damit macht man eine Rasse zum "Modehundgeschnickse". Die sogenannten "ursprünglichen Rassen" sind ja auch häufig nicht einfach und für Ersthalter nicht immer geeignet (den Ersthalter unterstelle ich mal wegen der Frage, ist nicht abwerten gemeint). Mir fallen spontan die östlichen Herdenschutzhundrassen ein (Owtcharka etc), einige Windhundrassen (Sloughi, Azawakh oä) und es gibt sicher noch viele weitere. Das sind aber mMn alles Rassen, die in erfahrene Hände gehören. Ciao Xsaly
5. Virsicht...
Extremophile 22.05.2012
"Archäologische Funde deuten darauf hin, dass Menschen vor rund 17.000 Jahren Hunde als Begleiter hielten." Archäologische Befunde deuten nur darauf hin, dass Hunde und Menschen nahe beieinander gelebt haben. Auch Mäuse leben nahe bei Menschen, Ratten, Tauben, Bettwanzen etc... In vielen Kulturen gelten Hunde noch heute eher als "Ungeziefer", z.B. im arabischen Kulturkreis.
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