Bericht der US-Klimabehörde 2016 - das Jahr der bedrohlichen Rekorde

Die CO2-Konzentration stieg so rasch wie nie seit Messbeginn, auch die Temperatur auf der Erde erreichte 2016 einen Rekordwert. Der Jahresbericht der US-Klimabehörde ist auch ein Signal an Präsident Trump.

Schmelzendes Eis in der kanadischen Franklin Strait Meerenge
DPA

Schmelzendes Eis in der kanadischen Franklin Strait Meerenge


2016 war ein besonderes Jahr: Es war weltweit gesehen nicht nur das dritte heißeste Jahr in Folge und damit das wärmste seit Messbeginn vor 137 Jahren. Auch der Meeresspiegel erreichte im Durchschnitt einen neuen Höchststand, und es gab den schnellsten Zuwachs an Treibhausgasen. Das geht aus dem jährlichen Bericht der US-Klimabehörde NOAA hervor, bei dem monatliche Wetterdaten zusammengefasst werden. An dem 27. Bericht arbeiteten 450 Wissenschaftler aus 60 Ländern mit.

Die Ergebnisse im Überblick:

  • Im weltweiten Durchschnitt lag die CO2-Konzentration bei 402,9 pro Million Teilchen (ppm) - und damit erstmals im Schnitt eines Jahres über der Marke von 400. Das Plus von 3,5 ppm im Vergleich zum Jahr 2015 sei ein Rekordwert seit Beginn dieser Aufzeichnungen vor 58 Jahren, berichtet die NOAA. Zudem war die CO2-Konzentration damit so hoch wie zuletzt vor 800.000 Jahren, wie Eisbohrkerne zeigten.
  • Die Oberflächentemperatur der Ozeane war die höchste je gemessene - sie lag 0,36 bis 0,41 Grad höher als im Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010 und übertraf damit den Rekordwert von 2015.
  • Die jährliche maximale Ausdehnung des arktischen Meereises im März war die kleinste seit Beginn der Satellitenmessungen vor 37 Jahren. Das Jahresminimum, das gewöhnlich im September erreicht wird, war das zweitkleinste je gemessene. Nur 2007 erreichte die Fläche einen kleineren Wert.
  • Es gab viele Wetterextreme. Jeden Monat herrschten laut NOAA auf mindestens zwölf Prozent der Landoberfläche schwere Dürren. Das sei ebenfalls ein Rekord. Besonders hart getroffen habe es den Nordosten von Brasilien, Westbolivien und Peru, aber auch Westkanada.

Mitverantwortlich für die Extreme macht die NOAA das Wetterphänomen El Niño. Durch El Niño hat sich der Pazifik erwärmt. "Die Erd- und Wassertemperaturen, der Meeresspiegel und die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre haben dabei die erst im Jahr zuvor aufgestellten Rekorde gebrochen", fasst die NOAA zusammen.

In Europa war 2016 das drittwärmste Jahr seit Messbeginn und lag knapp hinter 2014 und 2015, sodass die drei Jahre zusammen die wärmsten drei jemals gemessenen waren.

Der jährliche Bericht der Klimabehörde ist auch ein Signal an US-Präsident Donald Trump, der den Klimawandel mehrfach geleugnet und angekündigt hat, die USA aus dem Pariser Klimaabkommen zu führen. Wissenschaftler fürchten zudem, dass Trump auch die Klimaforschung an US-Behörden beschneiden könnte. Sie haben deshalb begonnen, ihre Daten auf externen Servern zu sichern.

koe/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.