US-Ostküste Delfinsterben bleibt rätselhaft

An der US-Ostküste verenden weiterhin Hunderte Delfine. Was die Meeressäuger tötet, ist noch nicht bekannt. Forscher vermuten, dass es sich um ein Virus handeln könnte. Betroffen sind vor allem Große Tümmler.

Kadaver eines Großen Tümmlers (Archiv vom 9.8.2013): Dieser Delfin wurde an einem Strand in New Jersey angeschwemmt.
Marine Mammal Stranding Center

Kadaver eines Großen Tümmlers (Archiv vom 9.8.2013): Dieser Delfin wurde an einem Strand in New Jersey angeschwemmt.


New York - Die große Zahl von Delfinen, die derzeit an der Ostküste der USA verenden, stellt Forscher wie Behörden vor ein Rätsel. Allein an der Küste des Staates Virginia wurden nach Angaben der US-Umweltbehörde NOAA im Juli 45 Kadaver angeschwemmt - normal sind sieben. Im August registrierte die Behörde bis Dienstag sogar 80 tote Tiere. Auch andere Staaten melden eine Häufung toter Delfine.

"Derzeit stranden mehr als sieben Mal so viele Delfine an der Küste der Mittelatlantik-Staaten wie normal", teilte die für den Schutz der Ozeane zuständige NOAA mit. "Alle Altersklassen sind betroffen, und angespült werden manchmal noch lebende Tiere, zumeist aber tote, einige von ihnen schon stark verwest." Unter den toten Delfinen befinden sich vor allem Große Tümmler. Tiere dieser bekanntesten Delfinart werden zwei bis vier Meter lang und wiegen etwa 300 Kilogramm, im Extremfall aber mehr als das Doppelte.

Virus als Todesursache wahrscheinlich

Derzeit sollen insgesamt zehntausend Delfine vor der US-Ostküste leben. Wissenschaftler zählen jedes Jahr knapp hundert gestrandete Tiere. In diesem Jahr sind es bisher schon etwa 300. Im Juli war die Zahl vor allem in Virginia in die Höhe geschossen, im August auch in New Jersey. Deutlich mehr tote Tiere melden aber alle Staaten von New York bis Virginia. Die Behörde erklärte die Vorfälle zum Unusual Mortality Event (UME), also zu ungewöhnlichen Todesfällen.

Es gibt eine Reihe möglicher Ursachen für das Stranden eines Delfins: Viren, Schadstoffe, Algenblüten oder auch Verletzungen können die Meeressäuger schwächen oder töten. Die ersten Hinweise deuten in diesem Fall auf ein Virus hin. Analysen einer Gewebeprobe legen nahe, dass ein Morbillivirus die Säuger töten könnte. Die NOAA betont aber, dass es mehrere Wochen dauern könne, bis die Ursache eindeutig bestätigt ist.

Die angespülten Tiere sind deutlich abgemagert, viele weisen Lungenverletzungen auf. Es gibt noch keine Hinweise darauf, ob eine mögliche Erkrankung der Tiere auch für Menschen gefährlich sein könnte. Gleichwohl solle aber jeder zu Delfinkadavern oder auch verendenden Tieren Abstand halten.

1987 hatte eine Morbillivirus-Epidemie mehr als 740 Tiere getötet. Nach der Deepwater-Horizon-Katastrophe im Golf von Mexiko waren ebenfalls deutlich mehr tote Meeressäuger an einigen Küstenstrichen angeschwemmt worden als in den Jahren zuvor. Forscher äußerten den Verdacht, dass die Delfine unter den Spätfolgen der Ölkatastrophe litten.

nik/dpa



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insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
Karaja 21.08.2013
1. Wenn es Lungenverletzungen
sind, wie soll das ein Virus bewerkstelligen? Viel wahrscheinlicher ist, dass die Unterwassersonare und sonstige militärische Beschallungstechnik die Tiere in den Tod treibt.
renee gelduin 21.08.2013
2.
Zitat von Karajasind, wie soll das ein Virus bewerkstelligen? Viel wahrscheinlicher ist, dass die Unterwassersonare und sonstige militärische Beschallungstechnik die Tiere in den Tod treibt.
wenn Sie "Morbillivirus" in die Browserzeile eingeben und "Enter" drücken, erscheinen 430.000 Suchergebnisse.... Sonare und co wird man wohl insofern gut ausschließen können, als dass es hier offensichtlich eine Vervielfachung der Todeszahlen gab, aber gleichzeitig keine Steigung von Militäraktivitäten...
Pumkin 21.08.2013
3. Ping.....!!!
Es ist doch schon lange erwiesen, dass die Sonar-Geräusche der U-Boote, mit einer Lautstärke jenseits der 200 Dezibel-Marke, die Wale und Delfine in den Wahnsinn treiben, und dauerhafte, frappierende Schäden an deren Hörorganen verursachen. Also entweder verlieren die Tiere ihr «Navigationssystem», oder sie suchen den «Freitot» an Land. Aber was sind schon ein paar «dumme Tümmler» im Gegensatz zum Erhalt der «Nationalen Sicherheit»?!
Yeti 21.08.2013
4. optional
Zitat von PumkinEs ist doch schon lange erwiesen, dass die Sonar-Geräusche der U-Boote, mit einer Lautstärke jenseits der 200 Dezibel-Marke, die Wale und Delfine in den Wahnsinn treiben, und dauerhafte, frappierende Schäden an deren Hörorganen verursachen. Also entweder verlieren die Tiere ihr «Navigationssystem», oder sie suchen den «Freitot» an Land. Aber was sind schon ein paar «dumme Tümmler» im Gegensatz zum Erhalt der «Nationalen Sicherheit»?!
Die Tümmler hatten keine Schäden an den Hörorganen, sondern einige von denen hatten Lungenschäden, die durchaus durch das angesprochene Morbillivirus ausgelöst werden können. Ausserdem sind sie nicht, wie evtl. akustisch oder chemisch verwirrte oder lebensmüde andere Wale gesund an den Strand geschwommen und dort verendet, sondern größtenteils schon tot oder fast tot angeschwemmt worden.
juttakristina 21.08.2013
5.
Es wäre ja auch möglich, dass die Dauerbelastung durch Sonar, Ölbohrungen, Meeresverschmutzung, Quecksilberanreicherung und vieles mehr das Immunsystem der Delphine schleichend schwächt und sie irgendeinem Virus dann kaum was entgegenzusetzen haben.
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