US-Studie Bio-Sprit ist umweltschädlich

Eine aktuelle Studie könnte Ethanol und Biodiesel als Öko-Kraftstoffe der Zukunft entzaubern. Die Umwandlung von Pflanzen wie Mais, Sojabohnen und Sonnenblumen verschlingt US-Forschern zufolge mehr Energie, als anschließend in Form von Treibstoff zur Verfügung steht.


Zapfpistole: Forscher attestieren Biodiesel und Ethanol negative Energiebilanz
DDP

Zapfpistole: Forscher attestieren Biodiesel und Ethanol negative Energiebilanz

Das Urteil der Wissenschaftler ist vernichtend: "Energiewirtschaftlich bringt es einfach nichts, flüssigen Treibstoff aus pflanzlicher Biomasse herzustellen", sagt David Pimentel. "Diese Strategien sind nicht nachhaltig."

Der Professor für Ökologie und Landwirtwschaft an der Cornell University hat gemeinsam mit Tad Patzek von der University of California in Berkeley detailliert durchgerechnet, wie viel Energie aus fossilen Quellen benötigt wird, um verschiedene Arten von Biomasse in flüssigen Treibstoff umzuwandeln.

Das Ergebnis war eindeutig, wie die US-Forscher im Fachblatt "Natural Resources Research" (Ausg. 14:1, S. 65) schreiben. Bei der Umwandlung von Mais in Ethanol muss demnach 29 Prozent mehr Energie eingesetzt werden, als der Kraftstoff am Ende wieder hergibt. Bei der Rutenhirse, einem Ziergras, waren es 45 Prozent, bei Holzbiomasse 57 Prozent.

Bei der Herstellung von Biodiesel sehe es ähnlich aus. Die Sprit-Produktion aus Sojabohnen verschlingt 27 Prozent mehr fossile Energie als der Diesel am Ende wieder freisetzt, schreiben die Forscher. Im Fall von Sonnenblumen stand unter dem Strich gar ein Minus von 118 Prozent.

Bei ihren Berechnungen benutzten Pilmentel und Patzek zunächst den Energieeinsatz bei der Herstellung des Getreides: die Produktion von Pestiziden und Düngemitteln, die Benutzung landwirtschaftlicher Maschinen sowie die Bewässerung, das Mahlen und der Transport des Getreides. Hinzu kamen das Fermentieren und Destillieren des Ethanols. Die Kosten für Umweltschäden und Schadstoffabbau gingen nicht in die Kalkulation ein.

"Die USA brauchen bei Flüssigtreibstoffen unbedingt einen Ersatz für das Öl", sagte Pimentel. "Aber die Herstellung von Ethanol oder Diesel aus Biomasse führt in die falsche Richtung, weil man bei der Herstellung mehr Energie braucht, als anschließend bei der Verbrennung frei wird." Zudem trage besonders die Produktion von Ethanol zur Verschmutzung von Luft, Wasser und Boden sowie zur globalen Erwärmung bei. Man solle sich deshalb eher auf die Gewinnung elektrischer Energie mit Hilfe der Photovoltaik, der Windkraft und der direkten Verbrennung von Biomasse konzentrieren.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.