US-Studie Kondensstreifen beeinflussen das Wetter

Kondensstreifen haben deutliche Auswirkungen auf die Temperaturen am Boden. Das haben US-Forscher bei einer "einmaligen Gelegenheit" gemessen - dem Flugverbot nach den Anschlägen vom 11. September.

Von Hans-Arthur Marsiske


Über die Auswirkungen von Kondensstreifen auf die Temperaturen an der Erdoberfläche wird seit langem diskutiert. Eine empirische Klärung war jedoch unmöglich, solange es keine ausreichend langen Zeiträume ohne Flugverkehr gab, deren Wetterdaten man zum Vergleich hätte heranziehen können.

Kondensstreifen über Amerika: Flugverbot war einmalige Gelegenheit
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Kondensstreifen über Amerika: Flugverbot war einmalige Gelegenheit

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 bewegten sich jedoch außer einigen Militärmaschinen praktisch keine Flugzeuge über den USA. Zwischen Ohio und Virginia etwa, wo sonst täglich allein 700 bis 800 Flugzeuge unterwegs sind, flogen am 12. September nur neun Militärjets. Erstmals seit Jahrzehnten war der Himmel frei von Kondensstreifen.

Ein Forschungsteam unter der Leitung von David Travis von der University of Wisconsin in Whitewater hat die täglichen Temperaturspannen, also den Unterschied zwischen der höchsten Tages- und der tiefsten Nachttemperatur, während der Zeit vom 11. bis 14. September 2001 mit entsprechenden Daten verglichen, die in den Jahren von 1971 bis 2000 erhoben worden sind. Das Ergebnis, das jetzt in der Zeitschrift "Nature" publiziert wurde: Die Temperaturspanne lag um 1,1 Grad Celsius über dem jährlichen Durchschnittswert.

Zusätzlich erhoben die Forscher die Temperaturspannen während der Drei-Tages-Perioden vor und nach dem Flugverbot und stellten fest, dass diese unterdurchschnittlich ausgefallen waren. Im Vergleich dazu war der Unterschied zwischen höchster und niedrigster Temperatur sogar um 1,8 Grad Celsius größer.

Die Wissenschaftler sehen hierin ein klares Indiz für den Einfluss des Flugverkehrs auf das regionale Wetter. Die von Flugzeugen hervorgerufenen Kondensstreifen, so argumentieren sie, halten am Tage von der Sonne einfallende Strahlung zurück und nachts von der Erde abgegebene Infrarotstrahlung. Auf diese Weise tragen sie dazu bei, dass die Temperaturspanne kleiner ausfällt.

Erhärtet wird diese These zusätzlich dadurch, dass der Anstieg der Tag-Nacht-Temperaturspanne in der Zeit vom 11. bis 14. September 2001 in den Gegenden besonders stark ausfiel, wo normalerweise die meisten Kondensstreifen beobachtet werden: im mittleren Westen, Nordosten und Nordwesten. Hier lag er noch einmal um mehr als das Doppelte über den nationalen Durchschnittswerten.



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