Gipfel in Paris USA könnten Klimaziele trotz Trump erreichen

Präsident Trump hat den Pariser Klimavertrag gekündigt. Trotzdem wird sein Land die noch unter dem Vorgänger Obama gesteckten CO2-Reduktionsziele einhalten, meinen zwei namhafte US-Politiker.

John Kerry auf Treffen in Paris
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John Kerry auf Treffen in Paris


Machen die Vereinigten Staaten Fortschritte beim Klimaschutz, trotz Donald Trump? Der Meinung sind zwei renommierte Politiker des Landes, die gerade zu Gast sind auf der Klimakonferenz in Frankreich, zu der Präsident Emmanuel Macron zwei Jahre nach Unterzeichnung des Abkommens von Paris eingeladen hat.

Der frühere Außenminister John Kerry sagte, die USA könnten ihre bisherigen Klimaziele trotz Trumps Politik erreichen. Es werde viele Anstrengungen erfordern, sagte Kerry, "aber das heißt nicht, dass man es nicht schaffen kann". Trotz der Ankündigung Trumps, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen, sei die Mehrheit der Amerikaner "völlig engagiert, dem Klimaabkommen gerecht zu werden".

Ganz ähnlich äußerte sich New Yorks ehemaliger Bürgermeister Michael Bloomberg: "Gemeinsam werden wir das Ziel erreichen, das dieses Land in Paris ausgegeben hat, indem wir die Emissionen um mindestens 26 Prozent reduzieren." Bloomberg ist der Sondergesandte der Uno für den Klimawandel.

Hälfte des Weges geschafft

Die USA hatten unter Trumps Vorgänger Barack Obama zugesagt, ihre CO2-Emissionen bis 2025 um 26 Prozent zu reduzieren. Kerry sagte, 38 US-Bundesstaaten hätten sich zu Klimazielen verpflichtet, das entspreche 80 Prozent der amerikanischen Bevölkerung. "Ich kann Ihnen sagen, dass die USA mehr als die Hälfte des Weges geschafft haben, um Paris zu erfüllen", sagte der US-Demokrat.

Frankreichs Macron begrüßt Bloomberg in Paris
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Frankreichs Macron begrüßt Bloomberg in Paris

"Es gibt nichts, was Washington tun kann, um uns zu stoppen", sagte Bloomberg. Trumps Absage an den Klimaschutz habe im Gegenteil sogar Menschen dazu bewegt, sich zusammenzuschließen und etwas zu unternehmen.

Es sei im Interesse von Unternehmen, sich um den Klimaschutz zu kümmern, betonte Bloomberg. Kunden, Mitarbeiter und Investoren legten Wert auf eine umweltfreundliche Firmenpolitik. Zudem müssten die Chefs Risiken des Klimawandels einschätzen und minimieren. "Niemand würde eine Vorstandssitzung überleben, wenn er sagen würde, ich weiß nicht, ob dieses Risiko wahr wird, also lasst uns rumsitzen und nichts tun."

Ziel: Klimafreundliche Investitionen

Bloomberg zufolge wollen inzwischen mehr als 200 führende Unternehmen Risiken, die ihnen durch den Klimawandel drohen, in ihren Finanzberichten ausweisen, um Transparenz für Investoren und Versicherer zu schaffen. Das soll dabei helfen, Investitionen in klimafreundliche Bahnen zu lenken.

Auf der Konferenz in Paris beraten führende Politiker und Top-Manager aus der Wirtschaft über den Kampf gegen den Klimawandel. Thema am Dienstag sind vor allem Finanzfragen. Auf dem Gipfel werden mehr als 50 Staats- und Regierungschefs erwartet.

Das Wichtigste zum Klimagipfel in Paris

hda/dpa

insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
joG 12.12.2017
1. Man muss sich halt klar darüber.....
....werden, dass zumindest für Strom es nun zunehmend eine Betriebswirtschaftslehre Entscheidung ist und die Politik nicht mehr wirklich gebraucht wird. Alternative Energien sind nun zunehmend profitabel selbst in Deutschland, wo die Sonne wenig intensiv und der Wind unregelmäßig sind. Bei der Energiepolitik die wir jetzt sehen geht es mehr darum die Industrie zu subventionieren.
Paul G. 12.12.2017
2. Pariser Vertrag hat 2 Bestandteile
Es gibt die konkreten Werte zur Reduzierung und die finanzielle Komponente. Die USA wollen lediglich nicht mehr Zahlmeister sein. Sie zahlen 20 Mrd in den Fonds ein und China erhält 16 Mrd.
strohsee 12.12.2017
3. Krachende Ohrfeige für Merkel & Co.
Wenn die USA tatsächlich und trotz Präsident Trump ihre Zusage einhalten, wäre dies eine krachende Ohrfeige für Merkel & Co., die ihre Zusage offenbar nicht einhalten können, dafür aber Trump zeternd kritisieren. Merkel & Co. müssen lernen, dass es auf's Tun, nicht nur auf's Kritisieren ankommt. Trotzdem halte ich Trump für ein Unglück, Trump's Politik für eine Katastrophe - nicht nur, aber auch beim Umwelt- und Naturschutz.
ch3_94 12.12.2017
4. Gott sei Dank,
dass es solche Menschen mit Verstand und Verantwortungsgefuehl in den USA gibt. Das laesst hoffen!
bengel771 12.12.2017
5.
Zitat von strohseeWenn die USA tatsächlich und trotz Präsident Trump ihre Zusage einhalten, wäre dies eine krachende Ohrfeige für Merkel & Co., die ihre Zusage offenbar nicht einhalten können, dafür aber Trump zeternd kritisieren. Merkel & Co. müssen lernen, dass es auf's Tun, nicht nur auf's Kritisieren ankommt. Trotzdem halte ich Trump für ein Unglück, Trump's Politik für eine Katastrophe - nicht nur, aber auch beim Umwelt- und Naturschutz.
Es ist löblich, wenn die USA ihre Klimaziele erreichen, trotz Trump. Es ist aber keine Ohrefeige für Merkel, denn es ist schon ein Unterschied zwischen den CO2-Ausstoß um 26% bis 2025 zu senken und den CO2-Ausstoß bis 2020 um 40% zu senken. Deutschlands Ziele waren schlicht zu ambitioniert, man sollte dem Ehrgeizigen sein Scheitern nicht hämisch vorwerfen.
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