Washington - 8,4 Liter Benzin hat das durchschnittliche US-Auto im vergangenen Jahr auf 100 Kilometer verbraucht - viel zu viel, sagt das Weiße Haus. Jetzt hat Präsident Barack Obama neue Regeln festgezurrt, die den Spritverbrauch von Autos und Kleintransportern nahezu halbieren würden. Neuwagen dürfen demnach bis zum Jahr 2025 nur noch 4,36 Liter pro 100 Kilometer schlucken, gemittelt über die gesamte Flotte der in den USA verkauften Autos.
"Diese Standards für den Treibstoffverbrauch sind der wichtigste Schritt, den wir jemals unternommen haben, um unabhängig vom ausländischen Öl zu werden", sagte Obama. Die neuen Vorschriften sollen schrittweise eingeführt werden. Autohersteller, die sich nicht daran halten, können mit Geldstrafen belegt werden. Schon jetzt sind US-Autohersteller verpflichtet, den durchschnittlichen Spritverbrauch für die Modelle der Jahre 2011 bis 2016 auf 6,7 Liter auf 100 Kilometer zu senken.
Nach Berechnungen der US-Umweltbehörde Epa wird der Ölverbrauch der Vereinigten Staaten durch das Programm um 317 Millionen Liter pro Tag sinken. Die Konsumenten werden nach Angaben des Weißen Hauses durch die größere Effizienz ihrer Wagen insgesamt rund 1,7 Billionen Dollar (1,35 Billionen Euro) Spritkosten sparen. Der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase solle durch das Programm während der Zeit bis 2025 um insgesamt sechs Milliarden Tonnen sinken.
Ausnahmen für Pick-up-Trucks
Obama hatte seinen Plan bereits im Juli vergangenen Jahres vorgestellt, unterstützt von 13 Autofirmen, darunter auch BMW. Es gibt allerdings auch Kritik. Denn ausgerechnet für die spritschluckenden Pick-up-Trucks und Geländewagen gibt es großzügige Ausnahmen.
Während der Verbrauch normaler Pkw von Jahr zu Jahr um fünf Prozent sinken soll, sind es bei den schweren, geländegängigen Fahrzeugen zunächst im Schnitt lediglich 3,5 Prozent. Anders könnten die Hersteller die typischen Eigenschaften von Pick-up-Trucks und Geländewagen - eine hohe Zuladung und Anhängelast - nicht erhalten, begründete der Gesetzgeber die Ausnahme.
Zu den Kritikern dieser Regelung gehören die deutschen Autobauer Daimler und Volkswagen. "Die Bürden sind nicht gleichmäßig in der Branche verteilt worden", erklärte VW in einer Stellungnahme. Beide Hersteller verkaufen überwiegend Pkw. Dagegen gehören bei den US-Platzhirschen General Motors, Ford und Chrysler die massigen Spritschlucker zu den Verkaufsschlagern.
Nach Daten des Marktforschers Autodata sind in den ersten sieben Monaten des Jahres beinahe so viele sogenannte Light Trucks in den Vereinigten Staaten verkauft worden wie Pkw: 4,0 Millionen zu 4,4 Millionen. Die Dickschiffe dürfen im Jahr 2025 noch 5,4 Liter auf 100 Kilometern verbrauchen, bei Pkw sind es 3,8 Liter. Dabei handelt es sich um Durchschnittswerte, die von einzelnen Modellen deutlich übertroffen werden können.
Mit den neuen Regeln ist der US-Regierung ein seltener Erfolg in der Umweltpolitik gelungen. Bisher sind Fortschritte im Klimaschutz, die zu den zentralen Versprechen Obamas vor seinem Amtsantritt gehörten, weitgehend ausgeblieben.
mbe/dpa/dapd
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