USA Tödliche Pilzkrankheit rafft Fledermäuse dahin

Das sogenannte Weißnasen-Syndrom sorgt derzeit für ein Massensterben unter Nordamerikas Fledermäusen. Die Verwandten der Tiere in Europa scheinen hingegen kaum von der Pilzerkrankung betroffen. Forscher versuchen nun zu verstehen, woran das liegt.

NABU Rheinland-Pfalz / Andreas Kiefer

Berlin - Weiße, faserige Büschel verraten den tödlichen Feind. Vor allem in Nordamerika sind in den vergangenen vier Jahren Hunderttausende von Fledermäusen gestorben - höchstwahrscheinlich, weil sie mit dem Pilz Geomyces destructans infiziert sind. Die Krankheit wird als Weißnasen-Syndrom bezeichnet, da der fiese Eindringling in kleinen, weißen Polstern um die Nase und auf den Flügeln der Tiere wächst.

Bei Fledermäusen sorgt der Pilz für schwerste Gewebezerstörungen und führt in den meisten Fällen zum Tod. Weil sie keinen Winterschlaf mehr machen, verbrauchen sie ihre Fettreserven und sterben. Bisher konzentrierte sich das Massensterben auf die nordöstlichen Staaten: Entdeckt wurde der Pilz im Februar 2006 in Überwinterungsquartieren im US-Bundesstaat New York.

In diesem Jahr hat die Epidemie erstmals die Grenze zu Kanada überschritten, es gibt Berichte über infizierte Tiere im Bundesstaat Ontario. Schon längst sind mehr als eine Million Fledermäuse zu Tode gekommen, insgesamt sieben Arten sind betroffen. Die Seuche gilt als eine der größten Artenschutzkrisen unserer Zeit, vergleichbar bestenfalls mit dem Amphibiensterben durch die Pilzerkrankung Chytridiomykose.

Experten haben bisher befürchtet, dass eine Verschleppung des Erregers nach Europa für eine ähnliche Bedrohung der hiesigen Fledermausarten sorgen könnte - spätestens seit im März vergangenen Jahres ein großes Mausohr mit der charakteristischen Infektion in Frankreich gefunden worden war. Doch das Tier überlebte. Nun scheint klar: Europäische Fledermausarten überstehen offenbar eine Infektion mit dem Pilz besser als ihre nordamerikanischen Verwandten. Das berichten Wissenschaftler um Gudrun Wibbelt vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) im Fachmagazin "Emerging Infectious Diseases".

Die Forscher konnten durch Proben bei fünf Arten nachweisen, dass der Erreger auch in unseren Breiten vorkommt. Er ist offenbar sogar seit längerer Zeit in weiten Teilen des Kontinents verbreitet. So belegen Aufzeichnungen, dass einige im Winterschlaf befindliche Fledermäuse in Deutschland seit mindestens 25 Jahren infiziert sind.

Deswegen scheinen die rund 40 einheimischen Fledermausarten auch nicht akut durch den Pilz bedroht zu sein: "Bisher scheint der Pilzbefall keinen tödlichen Einfluss auf unsere Fledermausarten gehabt zu haben", sagt Wibbelt. In Nordamerika sieht die Lage hingegen dramatisch aus. Die Forscher hoffen nun, dass die neuen Erkenntnisse dabei helfen können, Anhaltspunkte zur Rettung der amerikanischen Fledermäuse zu finden. Die Aufgabe ist dringlich. US-Wissenschaftler haben für diese Woche Forschungsarbeiten angekündigt, in denen detailliert dargelegt wird, in welchem Zeitraum bestimmte Mausohr-Arten ansonsten aussterben könnten.

chs/ddp



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