UV-Strahlung Auch Wale bekommen Sonnenbrand

Zu viel Sonne schadet nicht nur dem Menschen, UV-Belastung setzt auch Meeressäugern zu. Immer häufiger beobachten Forscher Hautschäden bei Walen. Vor allem Arten mit heller Haut sind gefährdet.

Blauwal (vor Chile, 2008): Helle Haut anfällig für Schäden durch UV-Strahlen
REUTERS

Blauwal (vor Chile, 2008): Helle Haut anfällig für Schäden durch UV-Strahlen


Weil die Ozonschicht nach wie vor geschädigt ist, hat die Intensität der Sonneneinstrahlung an einigen Orten der Welt merklich zugenommen. Genau dort verzeichnen Mediziner auch einen Anstieg der Rate von Hautverbrennungen und Hautkrebs. Für Menschen und Labortiere ist der Zusammenhang von zu hohen UV-Strahlungsdosen und Hauterkrankungen gut erforscht. Aber wie steht es um Wildtiere, die in besonders sonnigen Regionen leben?

Ein Team aus britischen und mexikanischen Forschern hat nun im Golf von Kalifornien die Folgen intensiver Sonneneinstrahlung für unterschiedliche Arten von Walen untersucht. Drei Jahre lang beobachteten die Biologen Blauwale, Pottwale und Finnwale. Sie fotografierten die Tiere, nahmen Hautproben und bestimmten daraus die Konzentration der Pigmentzellen.

Das Ergebnis: Helle Wale tragen, ähnlich wie hellhäutige Menschen, sehr viel mehr Hautschäden davon als dunklere Tiere. Sie besitzen weniger Pigmentzellen und produzieren damit auch geringere Mengen des dunklen Farbstoffs Melanin, der die Haut vor Strahlung schützt.

Wie die Wissenschaftler um Laura Martinez-Levasseur im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B" schreiben, ist der Finnwal der dunkelste der drei Walarten. Er produziert das meiste Melanin und seine Haut wird am wenigsten von der Sonne geschädigt. Damit ist der zweitgrößte Meeressäuger, der das ganze Jahr in der Nähe der tropischen Breitengrade verbringt, gut gegen die intensive Sonnenstrahlung dort gewappnet.

Blauwale verbringen die meiste Zeit des Jahres in polaren Gewässern, wo die Sonneneinstrahlung nicht so hoch ist. Dementsprechend produzieren die Tiere deutlich weniger Melanin. Den Winter verbringen sie jedoch in subtropischen Meeren, um sich fortzupflanzen. Hier macht ihnen die intensive UV-Strahlung zu schaffen und hinterlässt deutliche Spuren auf ihrer hellen Haut.

Der Pottwal ist zwar etwas dunkler und hat mehr Pigmentzellen als sein Verwandter, trotzdem fügt die UV-Strahlung seiner Haut einen ähnlich großen Schaden zu. Das sei darauf zurückzuführen, dass Pottwale wesentlich mehr Zeit an der Wasseroberfläche verbringen als Blau- und Finnwale, vermuten die Forscher. Um Luft zu holen, taucht ein Pottwal bis zu zehn Minuten auf, während den anderen Walarten schon zwei Minuten reichen.

Während der drei Jahre Studienzeit konnten die Biologen außerdem beobachten, dass sich die Hautschäden bei Blauwalen in jedem Jahr verschlimmerten. Innerhalb von zwei Jahren hatte sich die Häufigkeit von Blasen auf der Haut verdreifacht, die Häufigkeit von Zellschäden mehr als verdoppelt. "Die abnehmende Ozonschicht ist auch für Wale und andere Wildtiere eine ernst zu nehmende Gefahr für deren Gesundheit", so ihr Fazit.

mah/dapd/dpa

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.