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Tiefsee: Wie Vampir-Tintenfische im Dunkeln nach Meeresschnee angeln

In den dunklen Tiefen der Ozeane jagen Vampir-Tintenfische auf mysteriöse Weise: Mit einem umgebautem Armpaar angeln sie nach sogenanntem Meeresschnee, berichten Forscher. Die Nahrung wird schließlich in eine Schleimkapsel gepackt.

Vampirtintenfisch: An die Arme weitergereicht Zur Großansicht
dapd/ MBARI/ Hoving et al.

Vampirtintenfisch: An die Arme weitergereicht

London - Sein Name klingt beängstigend: Vampyroteuthis infernalis. In Wirklichkeit jedoch ist der Vampir-Tintenfisch ein recht friedliches Lebewesen. Er verbringt die meiste Zeit des Tages regungslos in sauerstoffarmen Tiefen der Meere und ernährt sich zum größten Teil von herabsinkenden Schwebstoffen. Die Tintenfische kommen rund um den Globus in gemäßigten und tropischen Meeren vor.

Wie sie ihre Nahrung fangen, war bislang rätselhaft. Sie nutzen ein umgebautes, einziehbares Armpaar, berichten Forscher nun in den

"Proceedings B" der britischen Royal Society.Hendrik Hoving und Bruce Robison vom Monterey Bay Aquarium Research Institute in den USA hatten Videomaterial ausgewertet, das in den vergangenen 20 Jahren von ferngesteuerten Tiefseetauchrobotern vor allem in der Monterey Bay aufgenommen worden war. 170 Vampir-Tintenfische zeigten sich in dieser Zeit in einer Tiefe von 600 bis 800 Metern vor den Kameras. Einige weitere Exemplare wurden in anderen Regionen beobachtet. Fünf der Tintenfische wurden gefangen und im Labor für Fütterungsexperimente eingesetzt.

Fingerartige Ausstülpungen

Die Versuche zeigten, dass die Vampir-Tintenfische mit zwei dünnen, einziehbaren Filamenten ihre schwebende Nahrung - auch mariner Schnee genannt - auffangen. Dabei handelt es sich etwa um Fischschuppen, Kieselalgen, Teile von Ruderfußkrebsen oder auch um Fäkalien anderer Tiere. Einmal auf den Filamenten gelandet, werden die Nahrungsteilchen an die Arme weitergereicht, wo sie in einer Art Schleimkapsel verpackt und schließlich mit Hilfe kleiner, fingerartiger Ausstülpungen gen Maul geschoben werden.

Die Forscher vermuten, dass den Vampir-Tintenfischen das Auffinden der Nahrung dadurch erleichtert wird, dass eine großer Teil des Meeresschnees von Organismen durchsetzt ist, die zur Biolumineszenz fähig sind - also Licht erzeugen. Von Feinden sind die Tintenfische in ihrem Lebensraum weitgehend verschont, denn nur wenige Tiere können sich dauerhaft in den sauerstoffarmen Bereichen aufhalten.

Vampir-Tintenfische haben zudem einen extrem langsamen Stoffwechselumsatz. Dies alles ermöglicht es ihnen, in den lebensfeindlichen Meeresbereichen dauerhaft zu leben.

boj/dpa

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