Vampirfledermäuse: Wärme führt Jäger zur Blutmahlzeit

Sie leben als Parasiten und übertragen gefährliche Krankheiten. Doch Vampirfledermäuse haben auch eine faszinierende Seite. Biologen haben nun entschlüsselt, wie ein weit verbreiteter Schmerzrezeptor den Tieren dabei hilft, ihre Opfer zielsicher zu beißen.

Vampirfledermaus: Beißt zielsicher dort, wo direkt Adern unter der Haut liegen Zur Großansicht
dapd/ Pascual Soriano

Vampirfledermaus: Beißt zielsicher dort, wo direkt Adern unter der Haut liegen

Hamburg - Den Namen Gemeiner Vampir trägt diese Fledermaus nicht zur Unrecht: Am Boden laufend nähert sie sich schlafenden Kühen, Ziegen oder Vögeln und durchbohrt mit ihren rasiermesserscharfen Zähnen deren Haut. Auch Menschen zählen immer wieder zu ihren Opfern. Der Gemeine Vampir (Desmodus rotundus) und seine Verwandten, die Vampirfledermäuse Südamerikas, sind die einzigen bekannten Säugetiere, die sich allein von Blut ernähren. Die Tiere trinken zwar pro Biss nur kleinste Mengen Blut, können aber Krankheiten wie die Tollwut übertragen.

Forscher haben nun ermittelt, wie die Tiere zielsicher dort beißen, wo direkt eine Ader unter der Haut ihres Opfers liegt. Vampirfledermäuse tragen winzige, hochsensible Wahrnehmungsorgane in ihrer Nase. Damit orten sie die mit warmem Blut gefüllten Venen. Wie das genau funktioniert, hat jetzt ein internationales Forscherteam aufgeklärt.

Bekannt war bereits, dass die in Südamerika heimischen Vampirfledermäuse blattförmige Gruben an der Nase besitzen. In diesen liegen Ausläufer des Gesichtsnervs, die besonders stark auf Temperaturen oberhalb von 29 Grad Celsius ansprechen. An den Enden dieser Nervenfasern entdeckten die Wissenschaftler um Elena Gracheva von der University of California in San Francisco nun die entscheidende Struktur: Ein Molekül, das auch vom Menschen und anderen Säugetieren bekannt ist, aber bei den Fledermäusen in etwas veränderter Form vorliegt.

Wärmequelle wird aus 20 Zentimetern Entfernung geortet

TRPV1 hilft in der menschlichen Zunge, der Haut und den Augen dabei, Schmerz- und Wärmeempfindungen zu vermitteln. "Die Vampirfledermäuse haben diesen hitzesensiblen Kanal so verändert, dass seine Temperaturschwelle nun um rund 30 Grad Celsius niedriger liegt", berichten die Forscher im Fachmagazin "Nature".

DNA-Analysen wildlebender Vampirfledermäuse der Art Desmodus rotundus zeigten, dass für diese Modifikation nur eine kleine Änderung im Gen nötig war. Die so ausgestatteten Rezeptoren erlauben es den Tieren, eine Wärmequelle noch aus 20 Zentimetern Entfernung zu orten.

In leicht vergrößerten Knoten am Ende des Trigeminus-Nervs ist das Ende des TRPV1-Moleküls beschnitten - und damit leicht verkürzt. In den näher an der Wirbelsäule liegenden Nervenknoten jedoch bleibt das Molekül intakt. Dieser Prozess erst ermögliche es, dass der Ionenkanal in der Nase bei der Wärmeerkennung hilft. Überall sonst am Körper aber weiterhin Schmerz- und Verbrennungsreize signalisiert, berichten die Forscher.

Neben den Vampirfledermäusen besitzen unter den Wirbeltieren nur noch Boas, Pythons und Grubenottern die Fähigkeit, Infrarotstrahlung direkt wahrzunehmen. Auch ihnen dienen Ausläufer des Trigeminus-Nervs als Wahrnehmungshilfe. Bei der Grubenotter erzeugen spezielle Ionenkanäle in den Nervenenden das dreidimensionale Infrarotbild ihrer Umgebung. Auch Vampirfledermäuse nutzen Ionenkanäle, allerdings andere als Grubenottern, wie die aktuelle Studie zeigt.

wbr/dapd

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