Verborgenes Ökosystem Blinde Tiere überlebten Jahrmillionen in einer Höhle

Nur 100 Meter unter der Erdoberfläche, aber fünf Millionen Jahre lang eingeschlossen, überdauerten mindestens acht bislang unbekannte Tierarten die Zeit - alle von ihnen blind. Steinbruch-Arbeiter fanden nun per Zufall das exotische Ökosystem.


Normalerweise werden neue Tierarten in entlegenen Dschungelecken, wie etwa auf Madagaskar, der Insel Papua, oder bei Tiefsee-Expeditionen entdeckt. Forschern der Hebrew University in Jerusalem machte der Zufall es deutlich einfacher: Nahe der Stadt Ramle zwischen Tel Aviv und Jerusalem bohrten Arbeiter eines Steinbruchs versehentlich eine Höhle an.

"Bis jetzt wurden acht Tierarten gefunden, die der Wissenschaft allesamt unbekannt sind", sagte der Biologe Hanan Dimantman. Eine DNA-Untersuchung der Tiere habe die Einzigartigkeit der Lebewesen bestätigt. Die Höhle liegt etwa 100 Meter unter der Erdoberfläche, ist rund zwei Kilometer lang und beherbergt einen See.

Bakterien als Grundlage der Nahrungskette

Dort fanden die Wissenschaftler die prähistorischen Lebensformen: vier Krebse, die in Salz- oder Süßwasser leben können, und vier wirbellose Landbewohner, allesamt ohne Augen. Bis auf einen blinden Skorpion seien die unbekannten Tiere alle lebend entdeckt worden. "Es wird geschätzt, dass diese Spezies Millionen Jahre alt sind", teilte die Universität mit. Wahrscheinlich sei ein Alter von fünf Millionen Jahren.

Zu jener Zeit waren Teile des heutigen Israels noch vom Mittelmeer bedeckt. Eine undurchdringliche Kalkschicht hat die Höhlen von der Umgebung isoliert. Die Forscher fanden auch Bakterien, welche die Grundlage der Nahrungskette des Ökosystems bildeten, teilte die Universität mit.

Die Wissenschaftler rechnen damit, dass bei den geplanten genaueren Untersuchungen weitere Entdeckungen folgen. Zu Gunsten der Erforschung soll die Höhle der Öffentlichkeit verschlossen bleiben. Sie wurde "Ajalon-Höhle" genannt.

stx/dpa/rtr



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