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Verbotene Jagd: Kommission stoppt Waljäger

Vergeblicher Vorstoß: Japan, Island und Norwegen sind mit ihrer Forderung nach Walfang mit festen Quoten gescheitert. Die Teilnehmer der Internationalen Walfangkonferenz haben sich auf ihrer Tagung in Agadir zerstritten - nicht mal ein Kompromiss kam zustande.

IWC-Tagung in Agadir: "Rückschritt für den Walschutz" Fotos
DPA

Agadir - Es war ein höchst umstrittenes Papier, das auf der Tagung der Internationalen Walfangkommission in den vergangenen Tagen debattiert wurde. Doch am Ende kam für Walschützer die gute Nachricht: Der Fang von Großwalen bleibt international verboten. Die Internationale Walfangkonferenz hat den lange debattierten Textentwurf zur Zukunft des Walfangs verworfen. Nach dem Entwurf sollte Japan, Island und Norwegen der Walfang mit festen Quoten für zehn Jahre erlaubt werden. Der Vorsitzende Anthony Liverpool erklärte am Mittwoch, die Positionen der 88 teilnehmenden Länder lägen weit auseinander.

"Für diese Sitzung ist das Kompromisspapier vom Tisch", sagte der deutsche Delegationsleiter Gert Lindemann am Mittwoch im marokkanischen Agadir, wo die Internationale Walfangkommission (IWC) derzeit tagt. "Alle Regierungen haben an ihren Positionen festgehalten." Das Walfangverbot werde nun bestehen bleiben, so Lindemann.

Japan, Island und Norwegen halten sich jedoch nicht daran - sie erkennen das Fangverbot überhaupt nicht an oder berufen sich auf umstrittene Ausnahmeregelungen. Das Kompromisspapier sah vor, den Walfang befristet zu legalisieren. Die Fangquoten sollten jedoch geringer sein als die bisherigen realen Fangzahlen.

Allerdings, räumt Lindemann ein, sei die Ablehnung des Papiers noch keine endgültige Entscheidung: Nach einer Besinnungspause von mindestens einem Jahr solle weiterverhandelt werden.

Viel zu diskutieren bleibt den Konferenzteilnehmern jetzt nicht mehr: In Agadir sollen jetzt nur noch einzelne Themen wie Walschutzgebiete, Walfang indigener Völker und finanzielle Fragen verhandelt werden.

Lob von Tierschützern

Die Tierschutzorganisation Pro Wildlife wertete es als großen Erfolg, dass der kommerzielle Walfang nun doch nicht freigegeben wird. "Das umstrittene Papier, das die kommerzielle Jagd auf bis zu 1400 Wale jährlich erlaubt hätte, ist erst mal vom Tisch - eine sehr gute Nachricht", sagte Sandra Altherr, die für Pro Wildlife an der IWC-Tagung in Agadir teilnimmt. Ein solcher Kompromiss hätte ausgerechnet die Länder belohnt, die seit vielen Jahren das Walfangverbot ignoriert haben, schrieb die Organisation in einer Presseerklärung.

Gleich zu Beginn der Tagung von Vertretern der 88 Teilnehmerstaaten hatte es einen Eklat gegeben: Dem Vorsitzenden der Internationalen Walfangkommission wurde vorgeworfen, von Japan bestochen worden zu sein.

Japan hatte zuvor mit dem Austritt aus dem Gremium gedroht, sollte das seit 1986 international gültige kommerzielle Fangverbot nicht gelockert werden.

Das Moratorium von 1986 hat zahlreiche Ausnahmen zugelassen. So ist beispielsweise der Walfang zu "wissenschaftlichen Zwecken" erlaubt. Kritikern zufolge ist das aber nur ein Vorwand für den kommerziellen Walfang. Auf diese Weise hat Japans ungezügelte Jagd aus angeblich wissenschaftlichem Interesse samt erlaubter Verwertung der gejagten Tiere laut IWC dazu geführt, dass derzeit mehr Wale in Sushi-Bars landen als in Laboratorien von Forschern. Seit Inkrafttreten des Moratoriums wurden nach Angaben des Animal Welfare Institute in Washington etwa 33.600 Wale getötet.

Deutschland setzt sich wie andere EU-Staaten sowie Australien für den Schutz der Meeressäuger ein und will davon auch einen EU-Beitritt Islands abhängig machen.

boj/dpa/apn

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Forum - Umwelt - versagt die EU beim Schutz der Wale?
insgesamt 217 Beiträge
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1. EU bemüht um Walschutz
Querschreiber, 19.06.2010
Das Versagen beim Walschutz ist nicht der EU in die Schuhe zu schieben sondern vielmehr den Walfangnationen, die sich trotz des bestehenden Moratoriums strickt weigern dieses konsequent einzuhalten. Es wird einfach aus pseudo Gründen wie dem Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken (insbesondere seitens Japans) weitergejagt. Die IWC kann noch so viele Vereinbarungen treffen um die Wale wirksam zu schützen. Alle werden nichts bringen, wenn auch nur eine Nation höhere Anforderungen als die Andere stellt oder sich mit irgendwelchen Ausnahmeregelungen doch am Moratorium vorbeimogelt. Ohne Einsicht der Walfangnationen wird es keinen echten Walschutz gegen.
2. IWC-Jahrestagung: Walfangkommission streitet über kontrollierte Jagd
sysop 21.06.2010
Die Tagung der Internationalen Walfangkommission hat mit einem Eklat begonnen: Wurde der Vorsitzende von der Walfangnation Japan bestochen? Ziel des Treffens ist die Abstimmung über ein Kompromisspapier, das den kommerziellen Walfang erlauben soll. Doch die Fronten sind verhärtet. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,701932,00.html
3. man kann uns doch nicht sagen, dass wir nicht Recht haben
spiegelak 22.06.2010
[finger-check beim voherigen Post] denn wenn man uns es sagen kann, dann kann man auch es den anderen sagen, nachdem alle so wie wir, nicht faehig sind, mit der Sachlichkeit zurande zukommen, sonder nur mit dem Relativen, und wenn ihr nicht mitmacht, dann sagen wir Papi und er wird boese. Nehh, Kindchen von Japan, Norwegen und Island, so geht's nicht. Es ist ja kein Problem, euch zu boykottieren. Und in der internationalen Politik zu Pariah-staaten zu verwandeln. Macht's nur so weiter, und seht, was es euch bringt.
4. Andere Länder ...
Toru_Okada 22.06.2010
Der Verzehr von Wahlfleisch ist Teil der japanischen Kultur, den es zu respektieren gilt (beschwert sich denn Indien, dass der Rest der Welt Rindfleisch ist, obwohl diese Tier dort gar als heilig gelten)!
5. Aktivisten unterstützen!
Seldon, 22.06.2010
Zitat von QuerschreiberDas Versagen beim Walschutz ist nicht der EU in die Schuhe zu schieben sondern vielmehr den Walfangnationen, die sich trotz des bestehenden Moratoriums strickt weigern dieses konsequent einzuhalten. Es wird einfach aus pseudo Gründen wie dem Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken (insbesondere seitens Japans) weitergejagt. Die IWC kann noch so viele Vereinbarungen treffen um die Wale wirksam zu schützen. Alle werden nichts bringen, wenn auch nur eine Nation höhere Anforderungen als die Andere stellt oder sich mit irgendwelchen Ausnahmeregelungen doch am Moratorium vorbeimogelt. Ohne Einsicht der Walfangnationen wird es keinen echten Walschutz gegen.
Am 15. Februar begann der Prozess gegen die beiden japanischen Greenpeace-Aktivisten Junichi Sato und Toru Suzuki. Die beiden deckten 2008 einen Fall systematischer Korruption bei der japanischen Walfangflotte auf, wurden aber für ihre Recherchen von der Staatsanwaltschaft unter Anklage gestellt. Jetzt drohen ihnen bis zu zehn Jahre Haft. weiter (http://blog.greenpeace.de/menschenrechte-walfang/) Petition (https://service.greenpeace.de/themen/meere/mitmach_aktionen/aktion/petition/gerechtigkeit_fuer_die_japanischen_walschuetzer/)
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