Deutscher Meteorologe in den Emiraten Der Mann, der kein Regenmacher sein will

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind eines der regenärmsten Länder der Erde. Mit Millionenaufwand wollen die Scheichs das nun ändern. Ein deutscher Forscher soll dabei helfen.

Wüste bei Abu Dhabi (im Dezember 2015): Regen? Eher selten
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Wüste bei Abu Dhabi (im Dezember 2015): Regen? Eher selten

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Eine Sache ist Volker Wulfmeyer wirklich wichtig. "Ich will nicht klingen wie ein verwirrter Mystiker", sagt der Wissenschaftler am Telefon. Als Institutsdirektor an der Universität Hohenheim hat der angesehene Meteorologe durchaus einen Ruf zu riskieren. Deswegen betont er im Gespräch gleich mehrfach: "Unser Ansatz ist streng wissenschaftlich." Und nein, stellt Wulfmeyer fest, als "Regenmacher" sehe er sich dezidiert nicht. Er wäre dankbar, so sagt er, wenn man im Text über ihn auf diese Formulierung verzichten könne.

Solche Klarstellungen sind wichtig, wenn man über einen neuen Schwerpunkt in Wulfmeyers Arbeit spricht. Zusammen mit zwei anderen Forscherteams bekommt er insgesamt fünf Millionen Dollar Forschungsförderung aus dem Herrscherhaus der Vereinigten Arabischen Emirate - weil das Land, eines der regenärmsten der Erde, durch die Arbeit der Forscher mittelfristig auf mehr Niederschlag hofft. In dieser Woche haben die Emirate die Entscheidung bekannt gegeben, nach der sich allein die Deutschen über 1,4 Millionen Dollar freuen können.

"Es erwartet niemand in den Emiraten, dass dieses Forschungsprogramm direkt dazu führt, dass hier mehr Regen fällt", erklärt Wulfmeyer. Aber wenn doch, dann käme das Wasser dem Wüstenstaat sicher gelegen. Es ist nämlich ein seltenes Gut in den Emiraten. Die Meteorologiebehörde in Dubai gibt an, dass dort im Schnitt jährlich knapp 100 Liter Regen pro Quadratmeter fallen. Zum Vergleich: Allein im Juni kommt Hamburg im langjährigen Mittel auf etwa 77 Liter pro Quadratmeter. In den Sommermonaten ist die Lage am Persischen Golf besonders schwierig, wenn de facto gar kein Regen zu erwarten ist - und Wassermangel droht. Die Meerwasserentsalzungsanlagen laufen auf Hochtouren.

Tankwagen an Entsalzungsanlage in Dubai (im Januar 2007): Hoher Verbrauch
AP

Tankwagen an Entsalzungsanlage in Dubai (im Januar 2007): Hoher Verbrauch

Wulfmeyer und seine Kollegen sollen dabei helfen, dieses Problem eines Tages wenigstens teilweise durch mehr Niederschläge zu lösen. Aber wenn überhaupt, dann gehe das nur mit viel Grundlagenforschung, sagt der Meteorologe. Er klingt durchaus überzeugt, dass sich da tatsächlich etwas machen lässt. "Das Potenzial ist schon da", sagt er. Er sei "fest davon überzeugt, dass das auf lange Sicht funktionieren wird". Aber vorher gelte es, deutlich besser zu verstehen, was bei der Bildung einer Wolke eigentlich passiere.

Mit Laser-Systemen wollen die Forscher das in der Wüste herausfinden, auch ein Wolkenradar soll helfen. Wie verteilen sich die Wassertropfen in einer Wolke? Wie warm ist es an den verschiedenen Stellen? Wie lange lebt die Wolke? Wie zieht die Luft in ihrem Inneren? Und wie zwischen Meer und Bergen am Golf? Mit all diesen Daten soll dann ein neues, hochauflösendes Computermodell gefüttert werden. Am Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart können die Forscher auf den Cray-Supercomputer Hazel Hen zurückgreifen, den kraftvollsten seiner Art in Deutschland.

"Nicht jede Wolke lässt sich verstärken"

Die Idee, Wolken gezielt zum Abregnen zu bringen, ist schon alt. In den Vierzigerjahren legten die Wissenschaftler Irving Langmuir, Vincent Schaeffer und Bernard Vonnegut in den Labors des Konzerns General Electric die Grundlagen dafür. Zunächst probierte man mit Trockeneis herum, später landete man bei Silberjodid. Dieses Salz, so die Idee, muss als feiner Staub mit Raketen oder Flugzeugen in die Wolke eingebracht werden. Dort dienen die Partikel als sogenannte Kondensationskeime, an denen sich nach und nach Wassermoleküle anlagern. Irgendwann werden die Tropfen zu schwer, die Wolke regnet ab.

So jedenfalls die Theorie. Aber: "Nicht jede Wolke lässt sich verstärken", sagt Meteorologe Wulfmeyer. Probiert wird so etwas jedoch immer wieder. Militärs fanden die Technik interessant, unter anderem die US-Armee in Vietnam. Bei der hochgeheimen "Operation Popeye" sollte der Ho-Chi-Minh-Pfad durch starke Regenfälle unter Wasser gesetzt werden.

In der Sowjetunion wiederum stiegen traditionell Flugzeuge mit Silberjodid an Bord auf, um an den Tagen der großen Siegesparaden für Sonnenschein zu sorgen. Auch zum Start der Olympischen Sommerspiele in Peking 2008 setzten die Behörden die Technik ein, in Japan ebenso.

Hagelflieger am Flughafen Stuttgart (im Juli 2007): Wirksamkeit höchst umstritten
AP

Hagelflieger am Flughafen Stuttgart (im Juli 2007): Wirksamkeit höchst umstritten

In Österreich und Süddeutschland gibt es sogenannte Hagelflieger, die durch Wolkenbeeinflussung nach demselben Prinzip Hagelschäden in der Landwirtschaft verhindern sollen. Auch ein großer Autohersteller will auf diese Weise verhindern, dass seine Neuwagen vor der Auslieferung durch vom Himmel fallendes Eis verbeult werden. Doch die meisten Meteorlogen zweifeln die Wirksamkeit der Methode seit Langem an - vor allem, weil es keine Vergleichswerte gibt. Wenn man einmal in einer Wolke herumgefuhrwerkt hat, weiß man nicht, ob sie Regen oder Hagel abgegeben hätte. Wulfmeyer spricht von "wissenschaftlichem Unsinn".

Mit dem Computermodell wollen der Forscher und seine Kollegen herausfinden, bei welchen Wolken eine Impfung tatsächlich interessant sein könnte. Masataka Murakami vom Meteorologischen Forschungsinstitut im japanischen Tsukuba soll sich dann mit der praktischen Umsetzung befassen. Auch er bekommt eine Millionenförderung der Emirate. Ein halbes Dutzend Geschäftsflugzeuge des Typs Beechcraft King Air C90 stehen bereits jetzt am Flugplatz der Stadt al-Ain bereit, um Wolken mit Silberjodid zu versorgen.

Bei aller Wasserknappheit ist es allerdings nicht etwa so, dass das wertvolle Nass in den Emiraten besonders pfleglich behandelt würde. Pro Kopf gesehen gehört das Land zu den Top-Verbrauchern der Welt. Statistisch benötigt jeder Bewohner pro Tag mehr als 500 Liter Wasser. In Deutschland sind es rund 120 Liter pro Kopf und Tag.

Wassersparen wäre also vielleicht ein deutlich besserer Ansatz, um die Probleme am Golf zu lösen. Die Behörden haben stattdessen andere Ideen. Unweit der Grenze zu Saudi-Arabien entsteht gerade mit südkoreanischer Technik ein Kernkraftwerk mit insgesamt vier Reaktoren. Es soll 2017 ans Netz gehen - und dabei helfen, auch in Zukunft große Meerwasserentsalzungsanlagen zu betreiben.

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
Kidu 22.01.2016
1. Meerwasserentsalzungsanlagen
Die können sich vor der Sonne kaum retten und bauen ein Kernkraftwerk, anstatt Solarzellen aufzustellen?! Anscheinend werden von den "Regenmachern" zukünftig täglich ein paar Schauer erwartet...
dbrown 22.01.2016
2. So ein Irrsinn.
Wenn jemand in der Wüste wohnt und an seine Grenzen stößt ist das eben so. Muß er sich mit abfinden oder gehen. Vor 100 und mehr Jahren hat sicherlich auch die Sonne geknallt. Sich anpassen, nicht einfach nur die Umwelt verändern, aber wenn man zuviel Geld hat, ist der Rest leider der Dumme.
k.Lauer 22.01.2016
3. der liebe deutsche Professor kann sich nur eine blutige Nase holend
weil die Tendenz durch den globalen CO2-Ausstoß und den dadurch bedingten Klimawandel in die andere Richtung geht. Aus der Sahara in Afrika kommt noch mehr trockene Luft und die Sommer werden heißer und heißer - in 20 Jahren sollen die Sommertemperaturen bis auf 60° C ansteigen, was natürlilch die Feuchtigkeitsaufnahmekapazität erhöht und nichts mehr zum Abregnen bringen läßt.
HaraldKönig 22.01.2016
4.
Was kann man von Leuten erwarten, die noch an Geister und Magie glauben und wo Schach ein verbotenes Glücksspiel ist?
thelix 22.01.2016
5.
Ich bezweifle mal ganz stark, daß sich Herr Wulfmeyer das mit der Nichtnennung des Wortes "Regenmacher" wirklich so vorgestellt hat.
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