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Verhaltensforschung: Papageien können tanzen

Er schwingt die Krallen, er wackelt mit seinem Kopf - Kakadu "Snowball" tanzt zu Pophits und erfreut seit langem Zuschauer auf Youtube. Nun wurden Wissenschaftler auf den musikalischen Vogel aufmerksam und kommen zu dem Schluss: Taktgefühl ist keine ausschließlich menschliche Fähigkeit mehr.

Youtube-Screenshot: Kakadu "Snowball" kann tanzen

Youtube-Screenshot: Kakadu "Snowball" kann tanzen

Auf YouTube ist "Snowball" schon lange ein Star: Der Kakadu zeigt dort in mehreren Videos seine tänzerischen Qualitäten. Taktsicher bewegt er sich zu Hits wie Queens "Another One Bites The Dust" oder "Everybody" von den Backstreet Boys (siehe Videos). Er wiegt im Takt mit dem Kopf, stampft mit dem Fuß und schwingt seinen Körper.

Auf "Snowball" wurden auch Wissenschaftler aufmerksam. Denn bislang galt die rhythmische Bewegung als alleinige Domäne des Homo sapiens. Die Psychologin Adena Schachner von der Harvard University und der Neurowissenschaftler Anniruddh Patel vom Neurosciences Institute in San Diego werteten seine Videos und noch viele weitere aus. In zwei Veröffentlichungen im Fachmagazin "Current Biology" kommen sie zu dem Schluss: Nicht nur Menschen können zu rhythmischer Musik tanzen, sondern auch Vögel - vor allem Papageien.

Dass gerade diese sprachbegabten Vögel besonders musikalisch sind, deuten US-Forscher als Beleg dafür, dass die Musikalität ein Nebenprodukt der Sprachentwicklung ist. "Es gibt kein überzeugendes Indiz dafür, dass unsere nächsten Verwandten - Schimpansen und andere Affen - einen Takt halten können", sagt Schachner. "Auch Hunde und Katzen können ihre Handlungen nicht einem Rhythmus anpassen, trotz ausgiebiger Erfahrung mit Menschen." Auch von Wildvögeln war nicht bekannt, dass sie sich synchron zu Tönen bewegten.

Schachners Arbeitsgruppe sichtete auf Youtube über 1000 Videos tanzender Tiere - doch nur wenige bestanden vor den Augen der Forscher und bewegten sich wirklich synchron zur Musik. Interessanterweise waren es ausschließlich solche Tiere, die Sprache nachahmen konnten, darunter 14 Papageien- und eine Elefantenart, wie Schachner in "Current Biology" berichtet.

Ihr Kollege Anniruddh Patel schließt daraus, dass die Fähigkeit des Gehirns, komplexe Sprachmuster zu erlernen, Voraussetzung für das Erfassen eines Rhythmus ist. Den Zusammenhang sieht der Forscher in der abgestimmten Koordination von Gehör und Motorik.

Patel hat vor allem "Snowballs" Videos analysiert. Der Kakadu passe seine Bewegungen auch dann perfekt an, wenn die Musik plötzlich langsamer oder schneller wird (siehe Video). "Warum Menschen Musik machen und genießen, ist ein Rätsel der Evolution", so Schachner. "Die aktuellen Resultate machen die Idee plausibel, dass diese Fähigkeit als Nebenprodukt unserer Fähigkeit entstand, Stimmen zu imitieren."

lub/AP

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