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Verhaltensforschung: Pferde können Artgenossen an der Stimme erkennen

Kein Wiehern gleicht dem anderen: Pferde erkennen ihre Bekannten am Wiehern. Selbst wenn sie die Angehörigen der eigenen Herde nicht sehen, wissen sie, welche Laute zu welchem Tier gehören, haben britische Forscher gezeigt.

Was auf den ersten Blick recht unspektakulär wirkt, erfordert tatsächlich eine beachtliche Leistung des Gehirns: Ein Pferd, das ein anderes an der Stimme erkennt, muss den aktuellen Sinneseindruck - das Geräusch - mit einem zuvor abgespeicherten geistigen Bild des jeweiligen Artgenossen in Beziehung setzen. Pferde können das, berichten Leanne Proops von der University of Sussex in Brighton und ihre Kollegen im Fachmagazin "PNAS" (DOI: 10.1073/pnas.0809127105). Und das, obwohl sich das Bild über ihre Artgenossen vordringlich aus Informationen anderer Sinne - des Seh- und des Geruchssinns - zusammensetzt.

Pferde: Modalitätsübergreifende Wahrnehmung
DPA

Pferde: Modalitätsübergreifende Wahrnehmung

Mit einem Trick entlockte das Team den Pferden das Geheimnis, wie ihr Gehirn arbeitet: Ein Forscher führte einen Angehörigen der Herde direkt vor der Nase des Testpferdes vorbei hinter eine Bretterwand. Etwa zehn Sekunden später spielte dann ein Lautsprecher etwa an der Stelle, an der das Pferd verschwunden war, ein Wiehern ab - entweder das des zuvor gesehenen Tieres oder das eines anderen Herdengenossen. Dann beobachteten die Wissenschaftler, ob das Testpferd aufmerkte und wie lange es die Bretterwand fixierte, ein Verfahren, das auch für Studien mit kleinen Kindern genutzt wird, die sich noch nicht artikulieren können.

Das falsche Wiehern irritierte die Pferde offenbar: Sie hoben ruckartig den Kopf und schauten auch messbar länger auf die Stelle, an der ihr Artgenosse verschwunden war, als wenn Wiehern und vorbeigeführtes Pferd zusammengehörten. Alle Tiere reagierten dabei gleich - unabhängig von ihrem Geschlecht oder ihrem Alter, bei anderen Tierarten beides Faktoren, die das Erkennen von Artgenossen beeinflussen können. Es gibt also zumindest einen Ansatz einer sogenannten modalitätsübergreifenden Wahrnehmung bei Pferden, schließen die Forscher daraus: Die Tiere können die Eindrücke unterschiedlicher Sinne selbst dann miteinander kombinieren, wenn sie sie nicht gleichzeitig wahrnehmen, und daraus ein klares, eindeutiges Bild ableiten - in diesem Fall das Bild eines ganz bestimmten Artgenossen.

Diese Fähigkeit galt lange Zeit als eine rein menschliche Errungenschaft, schreiben die Forscher. Erst seit wenigen Jahren gebe es Hinweise, dass sie auch bei Tieren vorkommt - speziell bei Affen, aber in geringerem Maße auch bei Hunden, Hamstern und Elefanten. Zu verstehen, wie sich die Tiere gegenseitig erkennen, sei aus mehreren Gründen wichtig. So spiegelt es unter anderem den Aufbau ihrer Sozialstrukturen wider. Zudem ist das Unterscheiden von verschiedenen Individuen eine Voraussetzung für die Entwicklung von Kommunikationssystemen, so dass sich aus Ergebnissen wie den aktuellen ablesen lässt, wie solche Verständigungssysteme entstehen.

lub/ddp

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