Verhaltensforschung Rothörnchen adoptieren Waisenkinder

Normalerweise wollen sie von ihren Artgenossen nichts wissen - und doch haben sie eine soziale Ader. Verwandte der Eichhörnchen in Kanada nehmen elternlose Kinder in Pflege, zumindest wenn es sich um Nachwuchs von Verwandten handelt. Forscher sind verblüfft.

Eichhörnchen (in Großbritannien): Die Kleinen mit ins Nest nehmen
AFP

Eichhörnchen (in Großbritannien): Die Kleinen mit ins Nest nehmen


London - Eigentlich sind sie Einzelgänger. Eichhörnchen und ihre nordamerikanischen Verwandten, die Rothörnchen, leben allein in ihren Revieren. Mit Artgenossen geben sie sich selten ab. Nur während der Paarungszeit ist das anders. Wissenschaftler haben nun aber herausgefunden, dass Rothörnchen notfalls auch Jungtiere adoptieren, die ihre Mutter verloren haben. Was sie von diesem altruistischen Verhalten haben, ist aber nicht ganz klar.

Adoptionen sind im Tierreich sonst eher für solche Arten typisch, die in großen Rudelverbänden zusammenleben. "Soziale Tiere wie Löwen oder Schimpansen leben oft im Familienverband. Deshalb ist es nicht überraschend, wenn ein Weibchen ein verwaistes Junges annimmt, weil sich die Tiere kennen und bereits viel Zeit miteinander verbracht haben", sagt Andrew McAdam von der Universität im kanadischen Guelph. Zusammen mit Kollegen berichtet er im Fachmagazin "Nature Communications", dass auch die einzelgängerischen Rothörnchen verwaiste Jungtiere annehmen können - zumindest manchmal.

Über 20 Jahre hinweg hatten die Wissenschaftler insgesamt 7000 Eichhörnchen im kanadischen Bundesstaat Yukon beobachtet. Insgesamt kam es dabei zu fünf Adoptionsfällen. Die Hörnchen nahmen die verwaisten Jungtiere aber nur dann an, wenn die Waisen einen hohen Prozentsatz der Gene der Adoptiveltern in sich trügen - also Geschwister, Nichten, Neffen oder Enkel seien, berichtet McAdam. In diesen Fällen könne eine Aufnahme möglicherweise eine sinnvolle Strategie sein, um das Fortbestehen der Familie zu sichern.

Bemerkenswert ist auch, wie die Rothörnchen ihre Verwandten aufspüren: Weil sie sich normalerweise aus dem Weg gehen, erkennen die Tiere Familienmitglieder vor allem an unverwechselbaren Lautsignalen. Hören sie über längere Zeit keine vertrauten Rufe mehr, begeben sie sich auf die Suche. "Wenn Rothörnchen in ihrem Revier verlassene Jungtiere finden, erinnern sie sich vermutlich daran, dass ihr Nachbar ein Verwandter war, und nehmen die Kleinen dann mit in ihr Nest", erklärt McAdam. Das wäre für Nagetiere ein bemerkenswert intelligentes Verhalten.

chs/ddp



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