Verhandlungen auf Bali Uno-Klimachef befürchtet Scheitern der Konferenz

Bei der Klimakonferenz auf Bali macht sich erste Verzweiflung breit: Der Chef des Uno-Klimasekretariats hält es inzwischen für möglich, dass das Treffen nicht den erhofften Durchbruch bringt, sondern ohne Ergebnis endet. Den Verhandlungsführern bleiben nur noch wenige Stunden.

Aus Nusa Dua berichtet


Bali - Yvo de Boer kam ohne Umschweife zur Sache. "Ich bin besorgt über den Fortgang der Dinge", lauteten die ersten Worte des Chefs des Uno-Klimasekretariats bei einer Pressekonferenz.

Uno-Klimachef de Boer: "Gut möglich, dass nach der Konferenz keine Klarheit über den zukünftigen Prozess besteht."
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Uno-Klimachef de Boer: "Gut möglich, dass nach der Konferenz keine Klarheit über den zukünftigen Prozess besteht."

Die Klimakonferenz der Vereinten Nationen auf Bali, so viel steht inzwischen zu befürchten, könnten scheitern - indem sich die Vertreter der Staaten nicht einmal auf einen konkreten Zeitplan für die Verhandlungen über ein Nachfolge-Abkommen des Kyoto-Protokolls einigen. Auf eine Bali-Abschlusserklärung mit konkreten, quantifizierbaren Klimaschutz-Zielen hoffen ohnehin nur noch die größten Optimisten.

Einzelne Verhandlungsgruppen arbeiten derzeit fieberhaft am Wortlaut der Erklärung. Ihnen bleiben nur noch wenige Stunden. "Am Freitag um 12 Uhr Ortszeit ist die Zeit um", sagte de Boer. Wenn in Deutschland um 5 Uhr die ersten Berufspendler ins Auto steigen, muss auf Bali eine Entscheidung gefallen sein, da die Abschlusserklärung in sechs offizielle Sprachen übersetzt und vervielfältigt werden muss. "Um das bis zum Ende der Konferenz zu schaffen, muss die Erklärung um 12 Uhr vorliegen", so de Boer.

Einige Delegationen hätten verschiedene Themen miteinander verknüpft und ihre Zustimmung zu einem Thema von Zugeständnissen bei einem anderen abhängig gemacht. "Das hat zu einer Art Alles-oder-Nichts-Situation geführt", sagte de Boer. Könne man sich über eines der vielen Details nicht einigen, "fällt das ganze Kartenhaus zusammen". Mittlerweile hält de Boer das zuvor nahezu Undenkbare für möglich: "Es ist gut möglich, dass nach der Konferenz keine Klarheit über den zukünftigen Prozess besteht."

Zu einem kurz zuvor verbreiteten Entwurf für ein Verhandlungsmandat über das angestrebte neue Klimaabkommen äußerte sich de Boer vorsichtig. "Wir müssen abwarten und sehen, wohin das führt." Auch deutete de Boer an, dass die USA noch Bedenken gegen den Entwurf hätten. Bleibe es allerdings bei der in dem Entwurf vorgesehenen Erwähnung von Grenzen für CO2-Emissionen, dann "wäre das mehr, als ich für möglich gehalten habe". Der Textentwurf enthält Hinweise auf eine notwendige Senkung der Emissionen um mehr als 50 Prozent bis 2050 verglichen mit dem Stand von 2000 sowie auf Bemühungen von Industriestaaten um eine Senkung um 25 bis 40 Prozent bis 2020 verglichen mit 1990.

Nicht nur konkrete Ziele zur Senkung des Treibhausgas-Ausstoßes sind heftig umstritten. Ein weiterer Stolperstein ist die Frage des Technologietransfers in die Entwicklungsländer. Sie fordern, dass die Industrieländer nicht nur ihre Technologien zur sauberen Energiegewinnung gratis abgeben, sondern auch die entsprechenden Patentrechte. Das aber stößt in den Industrieländern auf Widerspruch. Wie ein Mechanismus des Technologietransfers aussehen könnte, ist noch völlig unklar.

Derweil setzt die Europäische Union die USA unter Druck. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte: "Kein Ergebnis in Bali heißt kein Major Economies Meeting". Auf Hawaii ist ein Treffen der 20 Länder mit den größten Treibhausgas-Emissionen geplant. Gabriel sagte, es reiche nicht aus, lediglich ein weiteres Treffen in einem Jahr zu beschließen. "Die USA müssten akzeptieren, dass man sich ein Ziel setzen muss, um überhaupt zu überprüfen, ob die Instrumente reichen", sagte er.

Mit Material von AFP und dpa



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