Verkannte Raubfische: Piranhas bilden aus Angst Schwärme

Die gefürchteten Piranhas bilden Schwärme nicht zur Jagd auf andere Tiere, sondern um sich selbst vor Feinden zu schützen. Die Tiere sind demnach weniger aggressiv als bislang angenommen, folgern Forscher aus Beobachtungen der Tiere im Amazonas.

Im James-Bond-Film fungieren sie als abschreckende Beckenbewohner, die notfalls auch einmal einen Menschen bis auf die Knochen abnagen. Entgegen der weit verbreiteten Meinung sind Piranhas jedoch keine aggressiven Raubfische, sondern Allesfresser, die sich hauptsächlich von Aas, Insekten und Pflanzen ernähren. Da sie von vielen großen Raubtieren wie Flussdelfinen, Kaimanen und den bis zu drei Meter langen Piracucu-Fischen bedroht werden, bilden die Piranhas unterschiedlich große Schwärme.

Roter Piranha: Weniger aggressiv als angenommen
DPA

Roter Piranha: Weniger aggressiv als angenommen

Das schließen Helder Queiroz vom Instituto de Desenvolvimento Sustentável Mamirauá in Brasilien und seine Kollegen aus Beobachtungen der Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum im Amazonas. Auf der Summer Science Exhibition der Royal Society in London präsentierten die Wissenschaftler ihre Ergebnisse.

Die Größe des Schwarms hängt demnach vom Gesamtrisiko ab, dem die Fische ausgesetzt sind. Dieses Risiko wird von der Art der Räuber sowie vom zur Verfügung stehenden Platz bestimmt. Bei Hochwasser bilden die Piranhas kleine Schwärme, da sie mehr Platz haben, um Raubtieren auszuweichen. Bei einem niedrigen Wasserstand werden die Schwärme hingegen größer. Der Wasserstand ändert sich in Abhängigkeit von Regenfällen sowie dem Schmelzwasser aus den Anden um bis zu zwölf Meter während des Jahres.

Obwohl es eine immer wieder zu beobachtende Struktur innerhalb eines Schwarmes gibt, besteht ein Schwarm nicht ständig aus denselben Fischen. Auch gibt es keinen Anführer oder eine Zusammenarbeit innerhalb des Schwarmes. Die einzelnen Piranhas achten eher auf sich selbst als auf andere Artgenossen. Ausgewachsene, geschlechtsreife Fische schwimmen dabei in der Mitte des Schwarmes, wo sie am besten geschützt sind. Jüngere, kleinere Fische halten sich hingegen an den Außenseiten auf, von wo aus sie meistens schneller an Nahrung kommen und deshalb mehr davon fressen können - wodurch sie wiederum schneller auswachsen.

Zu den Piranhas werden insgesamt fünf südamerikanische Fischgattungen mit bislang 39 bekannten Arten gerechnet. Sie werden zwischen 15 und 40 Zentimeter groß, ihr Körper ist seitlich stark abgeflacht und sie besitzen sehr scharfe Zähne, mit denen sie gut Fleischstückchen aus ihrer Nahrung lösen können. Piranhas sind in fast allen Flüssen Südamerikas und deren Einzugsgebieten zu finden

hda/ddp

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